NIEDERMOSCHEL
Viel Gegenwind zu geplantem Windpark
Von Arno Mohr
Die Pläne werden von der Bürgerinitiative „Pro Nordpfalz“ aus Hallgarten bekämpft – in kurzer Zeit hat die BI bereits mehr als 650 Unterschriften dagegen gesammelt. Nach Ansicht der BI haben die rund 250 Meter hohen Anlagen katastrophale Auswirkungen auf den direkten Lebensraum und das Umfeld. Statt Windkraft wurde ein gemeindeübergreifendes Energiekraftwerk mit Agrar-Photovoltaik, das in einem Genossenschaftsmodell betrieben werden könnte, vorgeschlagen. Die Einnahmen daraus kämen dann direkt den Gemeinden und interesssierten Bürgern zugute, so die BI.
Nun bekommt die BI auch aus Niedermoschel Unterstützung. Manuel Jost übergab dem Rat Unterlagen für ein formelles Bürgerbegehren, von 77 Bürgerinnen und Bürgern unterschrieben. Die Fragestellung: „Sind Sie dagegen, dass auf dem Gebiet der Gemeinde Niedermoschel Windkraftanlagen errichtet werden?“ Als Begründung ist unter anderem genannt, dass die Bürger an dieser wichtigen Frage beteiligt werden müssten, weil das Vorhaben erhebliche Auswirkungen auf viele wichtige Belange habe.
Starker Andrang zur Ratssitzung
Entsprechend groß war der Andrang zur Sitzung. Gut 15 Zuhörer aus mehreren Orten waren zur Sitzung erschienen. Weiteren 20 musste von Ortsbürgermeister Gunter Keller der Einlass aus Gründen des Coronaschutzes verwehrt werden.
Keller informierte zunächst, dass es an diesem Abend nicht vorgesehen sei, den Punkt „Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplanes bei der Verbandsgemeinde“ zu behandeln. Es sei eine reine Info-Veranstaltung für den Rat über das vorgesehene Projekt, über bereits im Frühjahr diskutiert worden sei. Schon damals hieß es, dass bei der VG für die vorgesehenen Windkraftflächen, die bislang nicht als Vorrangfläche im Flächennutzungsplan ausgewiesen sind, ein Antrag auf Aufnahme gestellt werden müsse. Zudem sei ein Bebauungsplan notwendig, was in der nächsten Sitzung beraten werden sollte. Das vorgesehene Windkraftgebiet in Niedermoschel hat ein Problem: In unmittelbarer Nähe zu den jetztigen Standorten war bereits 2003 im raumordnungsrechtlichen Entscheid der SGD Süd die Genehmigung eines Windparks abgelehnt worden als unvereinbar mit der Raumordnung und Landesplanung.
Strom für 3400 Haushalte
Anne Paltzer und Florian Elgas von Juwi stellten das Projekt vor. Die gesetzlich vorgeschriebenen Abstände der Anlagen zu den Gemeinden, die von der neuen Landesregierung nochmals auf 900 Meter verkürzt wurden, seien deutlich eingehalten. Die notwendigen Flächen würden angepachtet. Es seien vier Windkraftanlagen geplant. Die Nabenhöhe betrage 170 Meter, der Rotordurchmesser 160 Meter, die Gesamthöhe liege dann bei 250 Metern. Die Anlagen deckten den Strombedarf von 3400 Haushalten.
Elgas machte deutlich, dass das Projekt von Juwi nur weiter verfolgt werde, wenn im Flächennutzungsplan die Vorrangflächen ausgewiesen würden – dort werde momentan an einer Teilfortschreibung gearbeitet – und wenn sich der Rat für das Projekt ausspreche, denn es sei auch ein Bebauungsplanverfahren dafür notwendig.
Gemeinden werden am Erlös beteiligt
Alle Gemeinden, die im Umkreis von 2,5 Kilometer der Anlagen einen Flächenanteil liegen haben, kommen in den Genuss einer Erlösbeteiligung. Profitieren würde davon neben Niedermoschel, das jährlich mit rund 25.000 Euro Erlösbeteiligung sowie rund 4.000 Euro für Stand- und Abstandsflächen rechnen kann, auch Obermoschel, Hallgarten, Odernheim, Durchroth und Lettweiler, wie Elgas aufklärte.
Erschlossen werden soll das Gebiet nicht etwa über Niedermoschel, sondern die Zufahrt soll in der Bauphase über die Kreisstraße von Obermoschel Richtung Lettweiler und dann vorbei am Neudorferhof erfolgen.