Donnersbergkreis Unwetter: Millionenschäden im Moscheltal

Binnen Minuten ergießen sich am Samstagnachmittag riesige Wassermassen aus einer Gewitterzelle über dem Moscheltal. Überschwemmungen und Matschlawinen verwandeln viele Ortschaften in Notstandsgebiete. Einziges Glück: Es wird niemand verletzt. Ein erster Überblick.

Als sich am Samstag gegen 14.30 Uhr über dem Moscheltal tiefschwarze Wolken wie in einem Strudel aus drei Himmelsrichtungen zusammengezogen hatten, war vielen klar: Das wird kein normales Gewitter. Dass es dann aber eine regelrechte Sintflut geworden ist, damit hatte keiner gerechnet. Die Schäden dürften nach ersten Schätzungen bei einigen Millionen Euro liegen. Allein in Ransweiler sind mindestens fünf Wohnhäuser und einige Autos und Motorräder schwer beschädigt worden. Dort hatte eine zweite, aus Schönborn anrollende Flutwelle die Helfer in schwere Not gebracht. Denn mit den Wassermassen wurden auch Betonrohre, Baumstämme und Gullydeckel in den tiefsten Punkt des Ortes geschwemmt. Ein zunächst georderter Hubschrauber wurde wieder abbestellt, da sich ein Ransweilerer wieder selbst aus den Fluten retten konnte. Der Mann wollte seinen Schafen und Hühnern zu Hilfe eilen und wurde selbst von den Wassermassen umspült. Im Schutz eines Strohballens hat er die Überschwemmung dann zum Glück unverletzt überstanden. Für einige Schafe und Hühner kam aber jede menschliche Hilfe zu spät. Binnen weniger Minuten waren zuvor in einigen Ortschaften der Nordpfalz riesige Wassermassen aus einer Gewitterzelle niedergegangen. Hauptsächlich betroffen waren die Stadt Rockenhausen mit Dörnbach, Obermoschel, Finkenbach-Gersweiler, Schönborn, Waldgrehweiler, Ransweiler, Bisterschied und Teschenmoschel. Bis 19.15 Uhr hatte die Rettungsleitstelle Kaiserslautern für diesen Bereich etwa 80 Einsätze zu vermelden. Teilweise waren verschiedene Straßen unter anderem die B 48, die L 385, und die 11 durch Überschwemmung und Geröll- und Schlammmassen unpassierbar. Aus den Gemeinden meldeten sich unzählige Bewohner beim Notruf, weil ihre Keller überflutet waren. Auch hatten sich etliche Gullydeckel aufgrund des hohen Wasserdrucks aus den Fahrbahnen gehoben. Viele Regenrinnen und die Kanalisation konnten das Wasser einfach nicht mehr aufnehmen. Zum zweiten Mal in drei Wochen hat nun das mittlere Moscheltal mit einem Hochwasser zu kämpfen gehabt, zum Teil hat es wieder dieselben Häuser getroffen. Etwa in Ransweiler. Dort brachte vom Sulzhof her der winzige Sulzbach enorme Wassermassen Richtung Schiersfeld und machte die Ortsdurchfahrt in Richtung Mannweiler-Cölln unpassierbar. Auch in Mannweiler-Cölln, Obermoschel und verschiedenen Landes- sowie Bundesstraßen sorgten Geröllmassen, Schlamm und Wasser für Feuerwehreinsätze. Sehr schnell hatte sich auch die Lage in Waldgrehweiler zugespitzt, wo sich Moschel und Ransenbach vereinen. Die „Insel“ mit dem Kerwefestplatz rund um den Glockenturm, wurde ringsum von Wasser umspült. Die beiden Bäche stiegen so wahnsinnig hoch an, dass auf der Hauptstraße das Wasser 1,50 Meter hoch stand. Fast dreißig Haushalte waren massiv betroffen. Vollgelaufene Keller und komplett überspülte Wohnhäuser verwandelten den 220-Seelenort in ein Notstandsgebiet. Türen und Fenster wurden von den Wassermassen eingedrückt, Hoftore abgerissen und fünf Autos von den Fluten mitgerissen. Ein Kleinwagen trieb den Moschelbach bis zur drei Kilometer entfernten Zollstation zwischen Finkenbach-Gersweiler und Schiersfeld mit. Auch das Bürgerhaus, wo die Kerwevorbereitungen in vollem Gange waren, ist massiv betroffen. Die Glasfront zerbarst und im großen Saal stand das Wasser bis zu den Fensterbänken. Selbst die Theke wurde weggerissen. Die Fahrgeschäfte auf dem Dorfplatz wurden samt dem Karussell weggespült. Bachgeländer wurden umgedrückt, Öltanks kippten und liefen aus. Die Landesstraßen in Richtung Gangloff und Bisterschied waren von massiven Geröllmassen, großen Basaltfelsbrocken und Schlamm so überspült, dass sie gesperrt werden mussten. Der Moschel hatte zwischen Waldgrehweiler und der Wolfsmühle eine Fließbreite von mehr als sechs Metern. Hier wurden auch Gartenhäuschen und Gärten von den Fluten weggerissen. Viele verloren ihr gesamtes Hab und Gut. In Obermoschel hatte sich der Marktplatz in einem großen See verwandelt, Mauern stürzten ein und Keller liefen voll. Wie der Wehrleiter aus der VG Alsenz-Obermoschel, Klaus Vögtle, berichtete, sei das Ausmaß der Zerstörung momentan nicht absehbar. Für sich sprächen beispielsweise die zahlreichen vom Wasser zerstörten Möbel, die sich auf dem Marktplatz in Obermoschel stapelten. Selbst am Samstag seien zahlreiche Einsatzkräfte damit beschäftigt gewesen den teilweise etwa 15 Zentimeter hohen Schlamm aus den Straßen zu entfernen. Neben Obermoschel sei auch Waldgrehweiler von einer großflächigen Verwüstung betroffen: „So etwas habe ich in meiner Laufbahn noch nicht gesehen“, sagte der 61 Jahre alte Wehrleiter. Es sei aufgefallen, dass beispielsweise die Ablaufschächte während der starken Niederschläge am Samstag schnell verstopft gewesen seien. So hätten beispielsweise Trümmer und Treibholz dafür gesorgt, dass sich das Wasser dort gestaut hat. In der Stadt Rockenhausen war unter anderem das Gebiet rund um die Rettungswache des DRK überschwemmt, weil der Bachlauf vom Römerhof aus immens angestiegen war. Das Wasser ist teilweise aus so vielen verschiedenen Richtungen gekommen, dass keine Möglichkeit bestand, das abgepumpte Wasser auszuleiten. Insgesamt mehrere hundert Feuerwehrleute waren am Samstag im Einsatz. Viele davon auch noch gestern. Aus den Feuerwehren der VG Rockenhausen etwa 150, ebenso viele aus der VG Alsenz-Obermoschel und Bad Kreuznach plus THW-Hilfskräfte. (lor/tnt/stwo)

Hochwasserfotos

Da unsere Fotografen Gerhard Löffel und Julia Hoffmann am Samstag nicht überall gleichzeitig sein konnten, bitte wir unsere Leser um Mithilfe: Wenn Sie Fotos zum Hochwasser gemacht haben, mailen Sie uns diese bitte unter redrok@rheinpfalz.de zu. (lor)
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