Donnersbergkreis Schneller als Usain Bolt

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Mit knapp 70 Stundenkilometern über die Rennbahn. Windhund-Dame „Aby“ wirbelt mächtig Staub auf. Das schnelle Laufen liegt Greyhounds im Blut. Sie sind hinter den Geparden die zweitschnellsten Landtiere der Erde. Werner und Lilly Kohl aus Standenbühl halten Windhunde, mit denen sie an Rennen und Ausstellungen teilnehmen. Sie haben für ihr außergewöhnliches Hobby gar eine Rennbahn in den eigenen Garten gebaut.

„Als kleines Mädchen sah ich eine Frau mit zwei Windhunden durch die Stadt laufen. Das fand ich so elegant. Es hat mich fasziniert und bis heute nicht mehr losgelassen“, erzählt Lilly Kohl. Im Frühling des Jahres 1973 hatte sie in einer RHEINPFALZ-Annonce von einem Wurf Greyhound-Welpen gelesen. „In England gab es früher den Spruch: ,Der Greyhound ist des kleinen Mannes Rennpferd.’ Ich musste einfach einen haben“, führt die gebürtige Grünstädterin aus. Mann Werner kam nicht umhin, ihr einen davon zum Geschenk zu machen. Es folgten über die Jahre insgesamt 20 weitere. Zunächst nur als Haushunde geplant, entdeckten die Kohls bald den Windhund-Sport für sich, den sie heute noch ausüben. Dafür seien sie im Jahr gut und gerne 20.000 Kilometer in Deutschland und dem europäischen Ausland unterwegs. Die Rennen für Greyhounds finden auf Sandbahnen über 280 Meter (Kurzbahn) oder 480 Meter statt. Professionelle Windhund-Rennen und zugehörige Wetten sind in Deutschland aus Tierschutzgründen gesetzlich verboten. Anders ist die Lage in den USA, hier ist es ein Milliardengeschäft. Auch in Großbritannien und Irland gibt es eine lange Tradition und sogar Unterstützung durch EU-Subventionen. „Bei uns war es immer nur Hobby“, sagt Werner Kohl – und erinnert sich: „Allerdings konnten wir schon in den 80er Jahren einige Erfolge wie die Europameisterschaft und die Vize-Weltmeisterschaft feiern.“ Aktuell geht er mit der Hündin „Aby“ bei Rennen an den Start. Rüde „Hather Panther“, der mit Rufnamen „Duffy“ heißt, tritt aufgrund einer Verletzung nur noch bei Ausstellungen – sprich Schönheitswettbewerben – an. Beide waren in jüngerer Vergangenheit äußerst erfolgreich. „Aby ist beim bekannten Rennen in Hünstetten Zweite geworden. Die Siegerin aus den Niederlanden war gerade sechs Hundertstelsekunden schneller. Dafür, dass sie noch jung ist, ist das ein gutes Ergebnis. Duffy wurde bei der Ausstellung sogar zum schönsten Hund von über 250 Teilnehmern gekürt und darf sich fortan deutscher Champion nennen“, berichtet Werner Kohl. Trotz des aktuellen Erfolges kritisiert er die Zunahme und Bewertung solcher Ausstellungen: „Unsere Hunde waren und sind schon immer Leistungshunde. Mittlerweile sieht man bei Wettkämpfen zunehmend reine Showobjekte. Bei diesen Tieren wird in der Zucht versucht, beispielsweise die Halslänge oder die Kopfform künstlich zu beeinflussen. Es geht nur noch um die Optik. Leider stufen dann acht von zehn Preisrichtern diese Hunde über unseren ein.“ Dieser Trend entfremde den Sport von seinem Ursprung und sei den Hunden gegenüber ungerecht. Ehefrau Lilly schlägt mit einem Vergleich in die gleiche Kerbe: „Stellen sie sich vor, es treten ein Profisportler und ein Model gegeneinander an und dann wird gesagt: ,Der Sportler hat zu viele Muskeln’.“ Im Grunde seien ihre Hunde auch Athleten. Schaut man sich die Trainingszeiten von Hündin „Aby“ an, ist man versucht, ihr Recht zu geben. 16,6 Sekunden auf 280 Metern und 29,3 Sekunden auf 480 Metern – das muss Super-Sprinter Usain Bolt erst einmal nachmachen. „Greyhounds sind die Formel 1 der Windhunde“, bestätigt Gerd Kleber, Vorsitzender des Windhund-Rennvereins in Hünstetten. Neben den Rennen hatten die Kohls zwischenzeitlich auch eine eigene Zucht aufgebaut, kleine Welpen großgezogen und nach zwölf Wochen verkauft. „Das machen wir aber schon lange nicht mehr. Das Herz hängt zu sehr daran. Wenn man ein Lebewesen selbst aufzieht und dann weggibt, will man es auch in guten Händen wissen“, spricht Lilly Kohl von einem einschneidenden Erlebnis. Sie habe auf Empfehlung von Bekannten einmal einen Hund an einen Mann verkauft, der ihn danach ein Jahr lang professionelle Rennen laufen ließ. Danach habe es nie wieder Kontakt gegeben. Stellt man Erkundigungen an, wie mit nicht mehr leistungsfähigen Hunden im Profi-Geschäft umgegangen wird, lässt dies nichts Gutes ahnen. „Bei uns sind die Hunde Familienmitglieder“, sagt Werner Kohl. Dennoch herrsche die Marschrute: Ohne Fleiß kein Preis. Mindestens zwei Stunden täglich trainiere er mit seinen Greyhounds auf der eigenen Rennbahn. Er unterstreicht: „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“ Für dieses Jahr seien noch drei Rennen geplant, bevor es für Mensch und Tier in die wohlverdiente Winterpause gehe. |mxx DOPPELTERZEILENUMBRUCH

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