Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Rockenhausen: Adient-Azubis werden für ein halbes Jahr übernommen

Die erfolgreichen Azubis des Sitzherstellers Adient bei der Zeugnisübergabe – diese hat noch vor dem Erlass der strengeren Coron
Die erfolgreichen Azubis des Sitzherstellers Adient bei der Zeugnisübergabe – diese hat noch vor dem Erlass der strengeren Corona-Vorsichtsmaßnahmen im Rockenhausener Werk stattgefunden.

Es ist eine positive Nachricht in – nicht nur wegen der Corona-Krise – schwierigen Zeiten: 21 gewerbliche Auszubildende des Einstellungsjahrgangs 2016 haben ihre Lehre bei der Firma Adient in Rockenhausen erfolgreich beendet. Nach Ablegen der Prüfungen im Januar haben die Jungfacharbeiter unlängst ihre Abschlusszeugnisse erhalten. Getrübt wird die Freude allerdings von der im November veröffentlichten Entscheidung des Unternehmens, in diesem Jahr aus Spargründen keine fertigen Azubis übernehmen zu können. Kleiner Trost: Für eine Übergangszeit von sechs Monaten haben diese – sofern gewollt – nun doch Verträge erhalten.

Adient hatte zum einen angekündigt, auslaufende Zeitverträge wegen finanzieller Engpässe nicht zu verlängern. Dies betraf vor allem rund 30 junge Mitarbeiter, die 2018 ihre Ausbildung abgeschlossen hatten und vom Sitzhersteller auf ein Jahr befristet eingestellt worden waren. Zum anderen hatte das Unternehmen entschieden, 2020 keine ausgelernten Azubis einzustellen.

Im Anschluss hätten Personal- und Ausbildungsabteilung sowie der Betriebsrat den Betroffenen angeboten, sie bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz oder anderen Anschlussmöglichkeiten – etwa einem Studium – zu unterstützen. Nach weiteren Gesprächen habe man den Azubis „noch vor Ausbildungsende erfreulicherweise eine Übernahme von einem halben Jahr zusagen können“, teilt eine Firmensprecherin der RHEINPFALZ mit.

Das habe einigen jungen Menschen ein wenig den zeitlichen Druck genommen, sich nach einem neuen Arbeitgeber umsehen zu müssen. Anderen werde dadurch ein geregelter Übergang zu einer Techniker-Ausbildung oder einem Studium geschaffen. Schließlich hätten sich manche der angehenden Facharbeiter bereits „während der Prüfungsphase aktiv beworben und sind heute schon in neuen Beschäftigungsverhältnissen angekommen“, so die Sprecherin. Adient sei zuversichtlich, dass sich dank der „hervorragenden Qualifikation“ auch für die verbleibenden Auszubildenden noch Lösungen ergeben werden – diesbezügliche Unterstützung habe Werkleiter Guido Herkenrath während der Abschlussfeier erneut zugesagt.

Gregor Langmann der Beste

An dieser haben zehn Werkzeugmechaniker, fünf Elektroniker, vier Mechatroniker und zwei Zerspanungsmechaniker ihre Zeugnisse ausgehändigt bekommen. Fünf weitere Auszubildende haben ihre Prüfungen bereits nach drei Jahren – und damit ein halbes Jahr früher als regulär vorgesehen – im vergangenen Juni absolviert. Herausragend das Ergebnis von Gregor Langmann, der als Jahrgangsbester mit einem Präsent ausgezeichnet worden ist: Der 21-Jährige aus Merxheim (Kreis Bad Kreuznach) hat seine Lehre zum Werkzeugmechaniker (Fachrichtung Stanz- und Umformtechnik) mit 96 von 100 Punkten und der Note sehr gut beendet. In allen Prüfungsteilen – der erste nach anderthalb Jahren, der zweite zum Abschluss, jeweils praktisch und theoretisch – habe er zwischen 93 und 98 Punkte erreicht.

Ebenfalls bemerkenswert: Die frisch gebackenen Mechatroniker Jan Habermann und Marco Falkenberg haben parallel zu ihrer Ausbildung über die Industrie- und Handelskammer die Zusatzqualifikation „Additive Fertigungsverfahren“ (3-D-Druck) erlangt und mit der Note 1 abgeschlossen. Pfalzweit hatten sich lediglich drei weitere Azubis des Daimler-Standortes Wörth dieser Herausforderung gestellt. Das neue Zertifikat geht auf die 2018 erfolgte Teilnovellierung einiger Berufsbilder zurück. Diese will dem Thema Industrie 4.0/Digitalisierung sowie den daraus resultierenden künftigen Herausforderungen Rechnung tragen.

„Kritisch und offen für Neues“

Werk-, Personal- und Abteilungsleiter sowie Betriebsrat und Ausbilder von Adient haben zur bestandenen Berufsausbildung gratuliert. Der Leiter der Lehrwerkstatt Uwe Schwab betonte, die Absolventen hätten sich damit das nötige Rüstzeug erworben sowie die Basis für ihre berufliche und private Zukunft geschaffen: „Die Wirtschaft benötigt weiterhin dringend gut ausgebildete Mitarbeiter – besonders auch im gewerblich-technischen Bereich – und besonders Facharbeiter mit Berufsabschluss. Bildung ist der Garant für berufliches Weiterkommen und gesellschaftliche Teilhabe sowie notwendig zur Übernahme von Verantwortung.“

Er wünsche sich, so der Ausbildungsleiter weiter, dass die Absolventen auch künftig interessiert, kritisch und offen für Neues blieben, so der Ausbildungsleiter. „Denn nur dadurch können komplexe Fragestellungen der Zukunft beantwortet werden.“ Gerade in Zeiten von Fake News, Brexit, vermehrt aufkommender nationalsozialistischer Tendenzen und anderem mehr sei es wichtig, „Themen differenziert bewerten zu können“, sagte Schwab.

Glückwünsche der Berufsbildenden Schule überbrachte der Abteilungsleiter Gewerbe und Technik Lutz Rothe. Er lobte die Zusammenarbeit mit Adient und hob die Bedeutung der Lernortkooperation – also die Zusammenarbeit zwischen den an der beruflichen Bildung beteiligten Institutionen – im dualen Ausbildungssystem hervor. Mit Schwab war er sich einig, dass es für ein komplettes Berufsleben nicht ausreiche, auf dem einmal erreichten Stand zu bleiben – gerade für die Themen Industrie 4.0 und Digitalisierung der Wirtschaft sei ein Weiterlernen unabdingbar. Erfreut über die erreichten Ergebnisse zeigte sich auch Werkleiter Guido Herkenrath.

Bewerbungen noch möglich

Seit 1961 sind im Rockenhausener Werk 1347 Lehrlinge ausgebildet worden. Nach Angaben von Adient ist für den Ausbildungsbeginn am 1. September dieses Jahres die Einstellung von 25 gewerblichen und zwei kaufmännischen Azubis geplant. Bewerbungen für die Berufe Werkzeugmechaniker, Elektroniker, Mechatroniker und Werkstoffprüfer sind noch möglich.

Die Absolventen

  • Werkzeugmechaniker: Jonathan Domke, Kaiserslautern; Kaan Ertürk, Rockenhausen; Timo Graf, Winnweiler; Yves Guthy, Göllheim; Maximilian Kaiser, Winnweiler; Sven Kerchner, Niederkirchen; Gregor Langmann, Merxheim; Emily Oster, Finkenbach-Gersweiler; Maximilian Peglow, Stahlberg; Cedric Theobaldt, Homberg; Jannik Weis, Niederkirchen.
  • Mechatroniker: Andreas Abendroth, Münchweiler; Daniel Becker, Rockenhausen; Marco Falkenberg, Schweisweiler; Jan Habermann, Hinzweiler.
  • Elektroniker: Dennis Merkel, Lohnweiler; Amir Mohammadi, Kaiserslautern; Joshua Paul, Gundersweiler; Lukas Schlemmer, Schmalenberg; Melanie Steitz, Stetten.
  • Zerspanungsmechaniker: Tim Bechtel, Enkenbach-Alsenborn; Erik Beutel, Albisheim; Tim Breitenbruch, Steinbach, Pascal Flohr, Nußbach.
  • Werkstoffprüfer: Kim-Marcel Dauenheimer, Bisterschied; Nils Lahnert, Erzhausen.

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