Donnersbergkreis Paukenschlag im Stadion Obermühle

Rockenhausen. Ein Schock am ersten Spieltag, sofort eine Marke, die die A-Klasse erschüttert: Der TuS Bolanden, frischer Aufsteiger, reiste als krasser Außenseiter ins Stadion Obermühle – und trotzte dem FV Rockenhausen, dem Titelfavoriten, ein 1:1 (1:0) ab. Neuzugang Joachim Lawall pikste das Runde kurz vor Abpfiff zum Ausgleich unter den Querbalken (85.). Alles andere als ein Remis wäre dem Auftakt auch nicht gerecht geworden – denn der TuS überraschte. Rockenhausens Trainer Manuel Weber sprach von einer „Katastrophe“.
Wie es im Detail lief, das wusste auch der Erlöser nicht. Beine sah er, umhertretende Schuhe, 20 Mann auf einem Haufen. Nur so viel: Joachim Lawall fuhr – blitzschnell – die Pike aus. Im goldenen Moment. „Der Ball kommt rein, wird verlängert, einer schießt aufs Tor, geblockt, dann dopst er da rum. Und ich drück’ ihn irgendwie rein“, versuchte Lawall, sich später zu erinnern. Ihm war′s egal, Hauptsache über der Linie, Tor. Ein Standard von Außen, fünf Minuten vor Schluss: Die Flanke segelt in den Fünfer, keiner hält den Kopf hin, ein paar Mal wird die Kugel sachte hin und her geschubst – ohne, dass irgendeiner der elf Mannen des FV Rockenhausen ihn resolut wegschlägt. Und dann steht da eben Lawall. Er zischt vor, schnippt den Ball ins Netz (85.). Das 1:1. Der Ausgleich in einer überraschend verlaufenen Partie, längst überfällig. „Wir haben uns das Ergebnis absolut verdient. Das war ein toller Ball von Marcel König, wir haben viele gut gebaute Leute“, freute sich TuS-Trainer Christian Bauer über den „Lucky Punch“. Das 1:1 ist die erste Riesen-Überraschung der Saison. Manuel Weber war angefressen und schob Frust. Nach dem Spiel packte der FVR-Coach mit verkniffener Miene seine Mappe zusammen. Eine „ganz große Enttäuschung“ sei das gewesen. Beachtlich sind die Ambitionen an der Obermühle, der FV Rockenhausen will um den Titel spielen. Er ist – von sich selbst, aber auch von seinen Rivalen – als Meisterschaftsaspirant auserkoren worden. Dafür war der Auftritt gestern ein Totalausfall. „Es war wie für uns gemacht. Tolles Wetter, großer Platz, guter Schiri, alles wunderbar. Da gehen wir 1:0 in Führung und gehen nicht aufs Zweite“, ärgerte sich Manuel Weber über den ersten Dämpfer. „Für mich ist das kein Top-Favorit. Zumindest hat Rockenhausen nicht so gespielt“, zuckte Lawall gleichgültig mit den Achseln. Genug Konterchancen, meistens über den pfeilschnellen Josef Wernz, boten sich dem FVR. Die Ausführung aber war zumeist inkonsequent, es fehlte der unbändige Drang zum Kasten. Unerwartet kam das Remis, unverdient aber nicht. Es rührt auch daher, dass der TuS so loslegte, wie es keiner ahnte. Einbahnstraße wurde prophezeit, ein Anrennen auf ein Tor, rabiater Kampf auf der einen gegen fußballerischen Glanz auf der anderen Seite. Die Annahmen verpufften, Bolanden übte den Aufstand. „Wir hätten früh in Führung gehen müssen. Ich denke, für uns war gut, dass das gleich unser erstes Spiel war, da ist noch keiner richtig eingespielt“, sagte Bauer. Der TuS Bolanden versteckte sich nicht: In der Startphase donnerte Kevin Blachetzki den Ball aus 23 Metern frontal an den Pfosten (12.). Er sprang Torhüter Dominik Stange an den Rücken, kullerte wieder ans Aluminium. Stange – herausragender Rückhalt seines Teams – ließ bei Blachetzkis Flachschuss den Arm zur Seite schnellen (16.), ehe Simon Kaminski aus dem Rückraum an den Pfosten pfefferte (17.). Wieder. Radau veranstalteten die Bolander – und hätten nach 20 Minuten führen müssen. Stattdessen: ein Glücks-Tor für den FVR, wie auch der Ausgleich. Marco Geib fiel ein abgefälschter Schuss vor die Füße, er schob ein (28.). Doch der TuS blieb dran „Kopf hoch, immer weiter, auch gegen so eine starke Truppe. Hat geklappt. Wir haben uns nicht aufgegeben“, strahlte TuS-Torwart Waldemar Seiler – wie Stange eine klasse Absicherung. Er parierte gegen Okan Kirik (21.) und Geib (73.) glänzend mit den Fingerspitzen. Starke Reaktionen. Die Welten waren einfach verkehrt, da passte was nicht: Der FVR lauerte auf Konter, der TuS aber drückte – selbst als Sturmtank Christoph Ruppert wegen verbaler Attacken mit Gelb-Rot runter musste (76.). 6:5-Chancen zählte die Statistik für den Aufsteiger. Alleine die Verwertung war schwach. Erst Lawall traf spät, der TuS in Unterzahl. Ein erzwungenes Unentschieden. „Dass gegen eine physisch starke Mannschaft so ein Ding mal rein geht, ist klar“, wusste Weber. „Wir konnten unsere Stärken nicht ausspielen.“ Ein Einstand, der gründlich im Sand sitzt. So spielten sie FV Rockenhausen: Stange - Hirmann, Bauer, Müller, Mohr (46. Paul) - Kaffenberger - Kirik, Münzel, Balzer - Wernz, Geib (89. Stein) TuS Bolanden: Seiler - König, Thorsten Ruppert, Lawall, Hornung (46. Gatti) - Blachetzki, Martin Klag, Andreas Ruppert (68. Baab), Lukas Klag (46. Deibert) - Kaminski, Christoph Ruppert Tore: 1:0 Geib (28.), 1:1 Lawall (85.) - Gelbe Karten: Mohr, Kirik, Paul - Gelb-Rote Karten: Christoph Ruppert (76.), König (88.) - Beste Spieler: Stange, Geib – Thorsten Ruppert, Lawall, Seiler - Zuschauer: 95 - Schiedsrichter: Wittke (Osthofen).