Donnersbergkreis Kuseler Beitrag zur Mondlandung

Die Ehrenspeck-Antenne.
Die Ehrenspeck-Antenne.

„In der Zwischenzeit hat sich die Backfire-Antenne bei der Nasa durchgesetzt und wird bei ihrem weltweiten Space-tracking-Netz eingeführt und wird alle bisherigen Antennen ersetzen.“ Das schrieb der promovierte Elektrotechniker Hermann Ehrenspeck im Dezember 1969 aus Massachusetts an seinen Freund Rudolf Wohlleben, damals an der RWTH Aachen beschäftigt, später Leiter des Antennenlabors am Max-Planck-Institut für Radioastronomie sowie Lehrbeauftragter an der Uni Kaiserslautern. Die Backfire-Antenne ist auch als Ehrenspeck-Antenne bekannt, benannt nach ihrem Erfinder: Hermann Ehrenspeck, geboren am 27. Februar 1912 in Kusel, ein Spross der berühmten Tuchmacherfamilie. Noch heute weit verbreitet Allgemein anerkannt ist, dass die Erfindung des Kuselers bei nachfolgenden Apollo-Missionen zum Einsatz kam; laut Martin Bertges vom Arbeitskreis Astronomie am Geoskop gilt es aber auch als sicher, dass die Backfire-Antennen bei der ersten Mondlandung vor 50 Jahren eine wichtige Rolle spielten – sowohl am Kommandomodul als auch an der Bodenstation. Tatsächlich belegt ein Artikel aus dem „Army Research and Development News Magazine“ aus dem Sommer 1969, dass zwei Short-Backfire-Antennen – eine Weiterentwicklung der Backfire, für die Ehrenspeck ebenfalls die Patentrechte erhalten hatte – an der Wheeler Air Force Base auf Hawaii im Einsatz waren, um Signale der Apollo-11-Mission zu verarbeiten. Noch heute sei das Short-Backfire-System ein weit verbreiteter Antennentyp, berichtet Bertges. Auch die Nasa und ihr europäisches Pendant Esa arbeiteten bei ihren großen Antennen für Satellitenkommunikation häufig mit Backfire. Ehrenspeck habe einen wichtigen Beitrag zur Antennentechnik geleistet und damit auch einen großen Anteil daran, dass bei zahlreichen Weltraum-Missionen der Signalaustausch so gut funktioniert hat. „Sicherlich hätte man das auch anders gelöst“, sagt Bertges, „aber man strebt ja nach der einfachsten Lösung“ – durch das Backfire-Prinzip konnten deutlich kleinere Antennen eingesetzt werden als zuvor. Der Name fällt in Kusel selten Aber warum ist der Name Hermann Ehrenspeck in und um Kusel derzeit nicht in aller Munde? Während die Heimatstädte anderer an der Mondmission Beteiligter rund um das 50. Jubiläum der Landung ihre Söhne ausgiebig feiern? Zum einen womöglich deshalb, weil „man in der Antennentechnik in den seltensten Fällen die Entwickler kennt“, wie der Neunkircher Bertges sagt – obgleich die Backfire-Antenne auch als Ehrenspeck-Antenne bezeichnet wird. Zum anderen besitze Ehrenspeck zwar die Patente, „war aber nicht der Einzige, der auf dem Gebiet gearbeitet hat“: Der gebürtige Kuseler war Mitglied bei einem Forschungsprogramm der US Air Force, das dem Apollo-Programm zugearbeitet hat. Dennoch findet Bertges es schade, dass „die Region immer auf die Wandermusikanten reduziert wird. Immerhin hat da einer einen wichtigen Beitrag fürs moderne Leben geleistet“. Den späten Ruhm in der Heimat könnte dem 1994 verstorbenen Ehrenspeck auch die Tatsache verwehrt haben, dass er in den 1930er und 1940er Jahren im Flugfunk-Forschungsinstitut Oberpfaffenhofen angestellt war, das Funktechnik für den Einsatz im Zweiten Weltkrieg entwickelt hat. Nach Kriegsende wurde Ehrenspeck daher mit einem Berufsverbot belegt und entschied sich 1953, das Angebot der US Air Force anzunehmen. Ehrenspeck-Antenne auf Burg Hobby-Astronom Bertges, der seit rund 20 Jahren im Kreis Kusel lebt, hat vor wenigen Jahren von Ehrenspecks Herkunft erfahren. „Weißt du eigentlich, dass der aus Kusel kommt?“, habe ihn der gebürtige Bad Kreuznacher Rudolf Wohlleben damals gefragt. Nein, wusste er nicht. Und Bertges, der ein Vermessungsbüro betreibt, aber von Kindesbeinen an von der Erforschung des Weltraums fasziniert ist, war Feuer und Flamme. Heute bewahrt er den Briefwechsel zwischen Ehrenspeck und Wohlleben auf. Tatsächlich seien viele Vermessungsingenieure begeisterte Astronomen. Durch die Elektrotechnik bestehe immer auch die Verbindung zur Satellitentechnik. Als Sechsjähriger hat Martin Bertges seine erste Mondlandung live im Fernsehen verfolgt – ermöglicht durch leistungsstarke Antennen –, seither ist er fasziniert vom All. „Aber Astronaut war leider keine Option“, sagt er lachend. Entschädigung für den Neunkircher: 2013 konnte er Geoskop-Leiter Sebastian Voigt von dem Thema begeistern und hielt im Folgejahr einen ersten Vortrag. Heute hat er im Arbeitskreis Astronomie des Urweltmuseums fünf Mitstreiter. Zum 50. Jubiläum der ersten Mondlandung, haben sie dort am Samstag eine Lunar-Party auf Burg Lichtenberg auf die Beine gestellt. Unter anderem sollten mit der selbst gebauten Short-Backfire-Antenne Grußbotschaften vom Mond empfangen werden, welche zuvor Funkamateure aus Zweibrücken zum Erdtrabanten senden, wie Bertges berichtet. Entwickler wird gewürdigt Die Antenne auf der Burg ist 35 Zentimeter lang, der Aluminium-Reflektor hat eine Kantenlänge von 1,60 Metern. Die Zweibrücker, die keine Backfire-Antenne nutzen, benötigen eine fünf Meter lange Antenne. Das Größenverhältnis der eingesetzten Geräte macht die Bedeutung von Ehrenspecks Leistungen deutlich.

Hermann Ehrenspeck wurde 1994 auf dem Kuseler Friedhof beerdigt: im Grab seiner Frau Lucie – übrigens die frühere Babysitterin v
Hermann Ehrenspeck wurde 1994 auf dem Kuseler Friedhof beerdigt: im Grab seiner Frau Lucie – übrigens die frühere Babysitterin von Fritz Wunderlich – und deren Eltern Julius und Berta sowie Schwester Irene Decker.
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