Donnersbergkreis Ein filigraner Jahrgang
Große Resonanz fand die Weinverkostung am Freitagabend zum Auftakt des 69. Nordpfälzer Herbstfestes in der Rockenhausener Donnersberghalle. Bereichert wurde sie durch Gäste der beiden Partnerstädte aus Rognac in Frankreich und der Inselstadt Krk in Kroatien. Letztere mit eigenem Verkaufsstand. Zusätzlich aufgewertet wurde die gut organisierte Veranstaltung zudem vom Besuch der Nahe-Weinprinzessin Christin Leydecker.
Unter dem Motto „Die Kunst, der Wein, das Fest und so ...“ setzte dieser festliche Auftakt mit bacchantischen, kulinarischen und musikalisch-künstlerischen Genüssen auf einen bewährten „Dreiklang“. In der Bildenden Kunst wurden heuer Kunstobjekte aus Holz und Stahl von Marco Kluge & Wichert Design präsentiert. Die ausgestellten Holzschnitte aus dem Nachlass von Herbert Lorenz sind durch eine Schenkung der Erben in Besitz der Stadt Rockenhausen gekommen. Der in Chemnitz geborene Künstler kam aus dem Kreis der Städelschule Frankfurt und arbeitete nach seiner beruflichen Zeit als Kunsterzieher freischaffend im pfälzischen Gleisweiler. In den ausgestellten Holzschnitten werden sagenumwobene Gestalten der antikem Mythologie thematisch verarbeitet, wobei sich Formen in diesem stilistischen Übergangsstadium aufzulösen oder annähern zu scheinen. Die musikalische Seite war mit den „Red Hot Dixie Devils“ als Stimmungsmacher gut aufgestellt. Sie kultivieren den Stil der legendären „Marching Bands“ mit Dixieland, Swing-Klassikern und in dieser Machart bearbeiteten Schlagern wie „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n“ und setzen auf Oldies der Armstrong-Ära mit dessen Favorit „Hello Dolly“. Was Klaus Gaa (Trompete), Sven Hack (Klarinette, Sopran-Saxophon) als Melodieträger und dazu Henrik Dahn (Banjo) und Götz Ommert (Kontrabass) hier boten, war hinsichtlich Feinabstimmung und spielerischer Klasse großartig. Die Frage bleibt aber auch, ob nicht als ergänzender Kontrapunkt ein traditioneller Männerchor mit Trink- und Weinliedern eine sinnvolle Ergänzung gewesen wäre. Landwirtschaftsdirektor Udo Bamberger und Vorsitzender der Jury für die vor Wochen vorgestellten Weine (wir berichteten) führte als Moderator und Referent souverän durch die Veranstaltung. Wie er der RHEINPFALZ berichtet, war der 2017er Jahrgang geprägt von Spätfrostschäden im April, was zu Ernteausfällen bis zu etwa einem Drittel führte. Andererseits hätte dies eine Konzentration an Geschmacksnuancen und Aromen gebracht – und er lobte insgesamt die Weine des Jahrgangs als filigran, in der Spitze mineralische und vor allem sortentypische Weine mit reifer Fruchtsäure. Also ein herausragender Jahrgang. Im Hinblick auf die Weingüter des Weinbaugebietes Nahe (zu dem das Alsenztal mit seinen Nebentälern gehört) sieht er eine Konzentration – einen Aderlass, wie er es nennt. Also weniger Betriebe mit größerer Nutzfläche. Mit zwölf Hektar in Steillagen sieht er auch Belastbarkeits-Obergrenzen für Familienbetriebe und warf in der Diskussion mit Repräsentanten der Weinbaubetriebe auch die Frage nach der Bewirtschaftungsart und Kooperation auf. Entgegen späterer Aussagen von manchen Winzern sieht Bamberger bei nachrückenden Generationen auch einen Gegentrend zu milderen und lieblicheren Weinen. Insgesamt sieht er die Region und ihre Weingüter weinbautechnisch sehr gut aufgestellt hinsichtlich Sortenvielfalt und Qualität, diese resultieren auch aus dem traditionell etwas späteren Lesetermin als in der Geamtpfalz. Vor Publikum referierte er zunächst über die Entwicklung des neuen Jahrgangs und sprach wiederholt den Klimawandel an. Demnach steigen die Durchschnittstemperaturen und die Mostgewichte – parallel werden Lesetermine früher. Was seit den 90er Jahren bei Rotweinen einen Qualitätsschub brachte, habe bei Weißweinsorten auch Nachteile: So der „Sonnenbrand“ bei Riesling, der zudem bei trockenem Ausbau und gleichzeitig hohem Mostgewicht enorme Alkoholwerte zukünftig erreichen könnte. Mit dem Repräsentanten vom Weingut Keller Niedermoschel arbeitete Bamberger die Problematik von Frostschäden auf. Diskutierte mit diesem über Absicherungsmöglichkeiten durch Versicherung. Mehr Sonne, vielleicht spätere Nachtfröste und häufigerer Hagel – Bamberger sprach die Sorgen der Winzer an, was die Zukunft an neuen ungewohnten Herausforderungen bringen könne. Andreas Schmidt vom Obermoschel Weingut Schmidt brachte mit der Kirschessigfliege eine neue Gefahr in die Diskussion. Wie Bamberger mit einer Bilddokumentation zeigte, könnte auch der Weißburgunder zu einem Problemfall werden: Wenig Laub, kleinbeerig bringt er wenig Ertrag, wenn er auf Böden steht, die wenig Wasser speichern können. Womit auch das Problem der Trockenheit angesprochen war. Gefolgt von Starkregenphasen mit weiteren Problemen. Also Wetter-Extreme mit außerordentlichen Belastungen. Das Weingut Lötzbeyer aus Feilbingert wurde auf Kooperationsmöglichkeiten unter Weingütern angesprochen, plädierte aber für einen Kreislauf aus An- und Ausbau und Vermarktung. Letztlich wurde auch eine in der Zukunft denkbare neue Klassifikation der Weine angesprochen: Weg von der bisherigen Pyramide vom Land- über Qualitätswein bis zu steigenden Prädikatsstufen und hin zu engeren Lagenangaben.