Winnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Drohnen mit Wärmebildkamera sollen Rehkitze vor Mähmaschinen retten

In Sicherheit: Anna Steffens vom Lions Club Winnweiler mit einem Rehkitz, das die Helfer im hohen Gras entdeckt haben.
In Sicherheit: Anna Steffens vom Lions Club Winnweiler mit einem Rehkitz, das die Helfer im hohen Gras entdeckt haben.

Jahr für Jahr werden im hohen Gras liegende Rehkitze von Mähmaschinen verstümmelt oder getötet. Doch nun bietet der Lions Club Landwirten und Jägern in der Region Unterstützung bei der Rettung der Jungtiere an: Eine mit Kamera ausgestattete Drohne soll die hilflosen Geschöpfe aufspüren. Die Erfolge sind mehr als beachtlich.

Von Julia Hoffmann

Montagmorgen, 6 Uhr, auf dem Ripperterhof bei Ramsen. Bei kühlen vier Grad Celsius trifft sich Drohnenpilot David Fischer mit drei weiteren Mitgliedern des Winnweilerer Lions Clubs vor der Gaststätte „Zur frischen Quelle“. Im Gepäck haben sie eine Drohne inklusive Wärmebildkamera. Ihre Mission: Rehkitze aus dem hohen Gras zu retten, bevor das Mähwerk zum Einsatz kommt.

Erstmalig bietet die Organisation in diesem Jahr Landwirten und Jägern in der Region ihre Hilfe an mit dem Ziel, bei der Mahd Rehkitze im hohen Gras vor Tod oder Verstümmelung zu retten. Denn die Kleinen haben in den ersten Tagen keinen Fluchtreflex, sondern verharren bei Gefahr still im hohen Gras – hier sind sie jedoch für den Landwirt fast nicht zu sehen. Bei Gefahr ducken sie sich und flüchten vor dem herannahenden Mähwerk.

„Wir fliegen daher die Wiese vorher mit einer Drohne ab, welche mit einer Wärme- und Normalbildkamera ausgerüstet ist. So können wir die meisten Kitze finden und vor der Mahd aus der Wiese tragen“, sagt David Fischer. Erfreulicherweise sei das Angebot bisher gut angenommen worden. „Die Suche funktioniert aber nur am frühen Morgen, wenn die Kitze noch deutlich wärmer als ihre Umgebung sind“, erklärt Fischer.

Wiese für Wiese absuchen

Noch schlafen die umliegenden Bewohner des Ripperterhofes und bekommen von dem ungewöhnlichen Treiben in ihrer Nachbarschaft nichts mit. Auch die rund ein Dutzend umherstreunenden Katzen lassen sich von dem Quartett beim Überqueren der kleinen Straße nicht aus der Ruhe bringen. Jost Haneke aus Imsbach sowie Maximilian und Anna Steffens aus Winnweiler streifen mit dem Rehkitz-Retter rund um den Hof von Wiese zu Wiese.

Auf einer ausklappbaren, eigens der Drohne dienenden Landebahn platziert Fischer das Fluggerät. Noch ist es kalt und die Wiese liegt im Schatten. Die Handgriffe des Piloten sitzen und innerhalb weniger Minuten startet die Drohne 50 Meter hoch in die Lüfte. Von unten kann man nur noch die bunten Lichter des unbemannten Luftfahrzeugs erkennen.

Auf einer Karte markieren die Landwirte und Jäger aus dem Donnersbergkreis für Fischer die Flächen, die gemäht werden sollen. Die Flugroute programmiert der Pilot bereits am Vortag, sodass die Drohne die Flächen in einem bestimmten Raster automatisch abfliegen kann. Fischer kann sich so voll und ganz auf den Monitor konzentrieren. Auf diesem stellt die Wärmebildkamera die Kitze – aber auch andere Lebewesen, die Körpertemperatur ausstrahlen – als einen hellen, weißen Punkt dar.

Kitze kommen in den Korb

Die Mitglieder des Lions Clubs sind ausgestattet mit Gummistiefeln, Regenhosen, Funkgeräten und einem Korb; in diesem werden die gefundenen Kitze gebettet und dann aus der Gefahrenzone gebracht. Die erste Wiese ist abgeflogen, dort hat sich kein Kitz versteckt. Routiniert packen die vier Retter die Drohne und das Zubehör wieder in die Autos und fahren weiter zum nächsten Areal. Dort geht die Drohne wieder an den Start – alle Warten gespannt. Diesmal werden zwei Hektar abgesucht.

Plötzlich ein Treffer: Ein weißer Punkt ist auf dem Bildschirm zu sehen, Fischer schickt seine Helfer los. Kurz bevor diese den Standort des vermeintlichen Kitzes gefunden haben, stoppt Fischer die Truppe über das Funkgerät. „Das war ein Hase – der ist davon gehoppelt.“

Direkt gegenüber wird die nächste Wiese abgeflogen. Auf dem Monitor erscheinen dieses Mal sogar zwei Punkte. „Das können Zwillinge sein“, ruft Fischer den Helfern zu. Wieder suchen diese einen Weg durchs hoch gewachsene Gras. „Haltet euch ein bisschen nach rechts, dann geht ihr genau auf die Rehe zu“, gibt der Drohnenpilot per Funkgerät durch.

Kurz vor Erreichen des Fundorts schreckt das Kitz-Zwillingspaar auf und springt davon. „Die waren schon ein paar Tage älter.“ Gerettete Kitze werden mit Gras in den Korb gehoben. Dabei achten die Helfer genau darauf, dass kein menschlicher Geruch auf das Tier übertragen wird. Nach der Mahd werden sie in unmittelbarer Nähe frei gelassen. Die zuständigen Jäger kontrollieren dann, ob die Tiere von der Mutter wieder abgeholt wurden.

Übrigens: Am Ende des Tages haben die Tierfreunde vom Winnweiler Lions Club zehn Rehkitze im hohen Gras entdeckt. Und innerhalb weniger Tage hat das Team über 40 junge Tiere retten können – ein tolles Ergebnis!

Luftretter der anderen Art: David Fischer mit seiner Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist und so die Tiere auf
Luftretter der anderen Art: David Fischer mit seiner Drohne, die mit einer Wärmebildkamera ausgestattet ist und so die Tiere aufspürt.
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