Donnersbergkreis Der Zug ist noch nicht abgefahren

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WINNWEILER. Kann das seit einigen Jahren leerstehende Bahnhofsgebäude wieder sinnvoll genutzt werden? Und falls ja, wie? Diese Überlegungen hatte vor gut einem Jahr die SPD-Fraktion im Winnweilerer Gemeinderat angestoßen. Die RHEINPFALZ hat nachgehakt, was sich seitdem getan hat. Ergebnis: Die Suche nach einer Lösung gestaltet sich weiterhin schwierig.

So hält Ortsbürgermeister Rudolf Jacob einen Erwerb durch die Ortsgemeinde nur bei entsprechender Förderung für möglich, zweifelt außerdem an der Entwicklung eines wirtschaftlich tragfähigen Konzeptes für die Zukunft. Im Gegensatz zum Ortschef, der auch einen Abriss des Gebäudes für möglich erachtet, plädiert die SPD für dessen Erhalt. Aber auch sie sieht das Problem der Finanzierung. Der Eigentümer des Areals wollte sich auf Anfrage der RHEINPFALZ derzeit nicht äußern. Wie berichtet, hatte die SPD-Fraktion im Oktober 2014 für das seit einigen Jahren ungenutzte und immer mehr heruntergekommene Objekt das Erstellen eines Nutzungskonzeptes und das Aufnehmen von Verkaufsverhandlungen mit dem Eigentümer gefordert. Dieser hatte das Gebäude vor Jahren von der Bahn gekauft. Ferner hatte die SPD in der Ratssitzung Vorschläge für eine mögliche Verwendung gemacht – sei es als Kleiderkammer, Jugendraum, Tafel oder Café. Bürgermeister Rudolf Jacob hatte zwar die Initiative der SPD begrüßt, das Bahnhofsgebäude „in den Fokus der gemeindlichen Überlegungen zu rücken“. Einen Kauf hatte er damals aber nur bei entsprechender Förderung durch übergeordnete politische Ebenen für möglich gehalten. Einen solchen Vorstoß habe er vor einigen Monaten gestartet, sagte Jacob nun im RHEINPFALZ-Gespräch: Als der Bund das Investitionsprogramm 3.0 zur Unterstützung finanzschwacher Kommunen aufgelegt hat, habe er sich erkundigt, ob über dieses Paket auch ein Kauf des Bahnhofsgebäudes förderfähig wäre. „Schließlich gibt es ja aus diesem Topf auch Zuschüsse für Sanierungsmaßnahmen“, so Jacob. Allerdings habe ihm daraufhin das Land als ausführendes Organ der Bundesvorgaben mitgeteilt, dass die Umsetzung ein solchen Vorhabens über dieses Programm nicht möglich sei. Selbst wenn es der Gemeinde tatsächlich gelingen sollte, bei einem Förderprogramm zum Zuge zu kommen und das Gebäude zu erwerben, so stellt sich immer noch die Frage nach der Verwendung. Seine Meinung dazu hatte Jacob bereits im Vorjahr klar formuliert, an dieser Einschätzung habe sich auch nichts geändert: „Entgegen der SPD, die das Gebäude ja gerne sanieren und wieder nutzen möchte, sehe ich dafür keine wirtschaftlich tragfähige Möglichkeit und auch keinen Bedarf.“ So sei etwa der Vorschlag eines Cafés im früheren Bahnhof mittlerweile schon alleine deshalb hinfällig, weil der neue Eigentümer für das benachbarte Restaurant Bierkrug ähnlich gelagerte Pläne verfolge. Ferner verweist der Ortschef auf die beiden Gemeindehäuser am Schlossplatz, in der ausreichend Kapazitäten für Vereine und andere Organisationen bereitstünden. Zudem könne man sich aufgrund der engen Haushaltslage und defizitären Einrichtungen wie Bürgerhäuser oder Friedhöfe in Winnweiler und den Ortsteilen „keinen weiteren ,Zuschussbetrieb’ leisten“. Es verbiete aber niemand der SPD, ein Konzept für eine sinnvolle Nutzung unter Berücksichtigung der finanziellen Situation aufzustellen. Eine weitere Option, das Gebäude wieder herzurichten und die Wohnungen zu vermieten, hält Jacob wegen der „unattraktiven Lage“ für unrealistisch. Auch den Gedanken, das Gebäude wie in früheren Jahren zur Unterbringung von Asylbewerbern zu verwenden, ist seiner Ansicht nach nicht erstrebenswert. Das laufe allerdings der von der VG verfolgten Philosophie der dezentralen Verteilung von Flüchtlingen zuwider: „Damit fahren wir bislang sehr gut, das möchten wir gerne beibehalten.“ Stattdessen favorisiert Jacob – einen etwaigen Kauf des Geländes vorausgesetzt – den Abriss des Gebäudes und die Gestaltung der dabei entstehenden Freiflächen, beispielsweise mit Fahrradboxen oder zusätzlichen Park-and-Ride-Plätzen. Jacob: „Das wäre mein Ansatz, um diese in der Tat wenig ansehnliche Ecke aufzuwerten.“ Das sieht die SPD im Gemeinderat anders. Fraktionsvorsitzender Rudolf Franzmann betonte auf Anfrage der RHEINPFALZ, er sei „nach wie vor der Auffassung, dass dieses Gebäude zum Abreißen viel zu schade ist“. Immerhin sei dieses mit Bad Münster, Rockenhausen und Hochspeyer eines der ältesten seiner Art in der Pfalz (siehe „Zur Sache“). „Schon alleine vor diesem historischen Hintergrund sollte der Komplex erhalten werden“, so Franzmann. Er bedauerte es, dass die Ortsgemeinden Winnweiler und Münchweiler mit ihrer gemeinsamen Bewerbung für das Programm „Kooperationsverbund ländliche Zentren“ nicht erfolgreich gewesen sein: „Aus verschiedenen Gründen sind wir hier nicht zum Zuge gekommen – vielleicht unter anderem deshalb, weil Winnweiler über die Ortskernsanierung schon entsprechend gefördert worden ist und aus diesem Grund in unserem Ort derzeit auch kein so großer Bedarf besteht“, sagte Franzmann. Des weiteren kritisiert er die nach seiner Auffassung „überzogenen Preisvorstellungen des Eigentümers“. Der 69-Jährige räumte ein, auch die SPD wisse auf Anhieb nicht, wie die vielen notwendigen Arbeiten finanziert werden könnten. „Man muss sehen, dass die Gemeinde Fördermittel über ein längerfristiges Programm erhält. Um da reinzukommen, muss das Gebäude aber erst einmal in unserem Besitz sein.“ Dann gäbe es nach Ansicht der SPD schon Möglichkeiten einer sinnvollen Nutzung – beispielsweise als Sozialkaufhaus. In einem pflichtet Franzmann allerdings Jacob bei: Die Unterbringung von Flüchtlingen im ehemaligen Bahnhof ist auch für ihn „überhaupt keine Lösung“. (kra)

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