Donnersbergkreis Der Trainer trocknet auch mal Tränen

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Jetzt ist er auf Augenhöhe. Frank Bohlander geht in die Knie, ganz tief, lehnt den Oberkörper nach vorne, reibt die Hände. Betreuerpose. „Wir spielen den Ball hinten nie in die Mitte, denkt dran“, betont er ruhig und klar. Wichtig, bloß nicht ins offene Messer rennen. Kollektives Kopfnicken. Wissen sie doch alles. Die zehnjährigen Mädchen des TuS Bolanden sitzen aufgereiht auf der harten Turnerbank. Weiße Trikots umhüllen sie, einige ertrinken in den großen Shirts. Große Augen starren Bohlander an, der hinter dem Tor herumfuchtelt. Regeln, Regeln, Regeln. „Immer einrollen. Und alle Freistöße sind in der Halle indirekt. Erst antippen, dann schießen“, sagt er mit seiner melodischen Stimme. Geht klar. Als die Sirene laut dröhnt, stürmen seine E-Juniorinnen aufs Parkett. Zweites Spiel, gleich das Derby gegen den TuS Münchweiler… Hinter Bohlander, dem Coach und „Allesmacher“ der Mädchenfußballsparte beim TuS Bolanden, liegen harte, kurze Nächte. Es ist die erst zweite Auflage des Mädchen-Hallencups. Und schon ist das Turnier ein regionaler Erfolg, ein Aushängeschild für den TuS. 31 Mannschaften spielen auf, aus der ganzen Pfalz, Rheinhessen und von der Bergstraße. Planung, Organisation, Aufbau: Samstag und Sonntag ist Bohlander in der Halle nur am Rennen. Frank hier, Frank dort. Wo es halt brennt. Freitagnacht hatte er um 2 Uhr das letzte Equipment geliefert – um fünf Stunden später wieder anzutanzen. Dicke Augen hat Bohlander nicht. „Man muss dafür bekloppt sein“, sagt er lachend. Für den Fußball spulte er auch mal 500 Kilometer an einem Wochenende ab, auf der Ersatzbank. „Die Region war aber in Sachen Mädchenfußball ein weißer Punkt auf der Landkarte. Wir wollten hier was ansiedeln.“ Er gehe fest davon aus, auch für 2017 wieder Einladungen verschicken zu können. Die dritte Austragung winkt. Für Bohlander ist er eine reine Herzblutsache, der Mädchenfußball. 60 Mädels kicken derzeit beim TuS, pfalzweit ist er damit ganz vorne dabei. Eins davon ist die zehnjährige Lena. Schüchtern grinst das zierliche Mädchen an der Seitenlinie, verschränkt die Arme. Lena schaut unter sich. „Einfach alles“, antwortet sie, seit zwei Jahren am Ball, auf die Frage, was für sie die Faszination Fußball ausmache. „Das ganze Training, das Ausdribbeln. So schnell bin ich gar nicht. Aber flink.“ Lena lacht, ehe sie, frisch eingewechselt, aufs Feld rast. Sie hat Spaß. „Das treibt mich auch an, wenn ich sehe, mit wie viel Hingabe die Mädels dabei sind“, sinniert Bohlander. Vor vier Jahren fing er beim TuS bei null an. Der Boom setzte ein, Mädchenfußball ist heute richtig Mode. Es spricht sich natürlich auch herum, wo es die Möglichkeit gibt zu kicken. Ohne dafür mit Jungs auflaufen zu müssen. 40 Sekunden stehen auf der Uhr. 0:0, gleich Ende. Dann passiert genau das, wovor Bohlander vehement warnte: Seine Torhüterin passt in die Mitte. Ups! Münchweiler netzt ein. Auf der Tribüne jubeln euphorische Papis und Mamis. Wow, ein Tor. Während Bolandens Trainer die Hände überm Kopf zusammenschlägt, reißt Alicia English auf der anderen Seite die Arme hoch. Sie springt auf und ab. Was für ein Moment! Erst im August gründete sich das von ihr, Dirk Sheets und Frank Stuhlfauth trainierte E-Juniorinnen-Team. Gerade hat es sein erstes Spiel überhaupt gewonnen. English nennt es, glücklich strahlend, einen „special moment“. „In den USA ist Frauen-Soccer sehr populär. Ich mache das, um zu helfen. Den Mädels ein bisschen Aggressivität und Wettkampffähigkeit beizubringen. Sie sollen Fußball genießen“, erklärt die 45-jährige US-Amerikanerin auf Englisch. Bis sie 15 war, habe sie selbst ans Leder getreten. Jetzt tut es ihre Tochter. Die E-Mädchen, so Frank Stuhlfauth, seien beim TuS Münchweiler fest im Aufbau. Dass Mädels auf Torejagd gehen, das gibt es auch hier schon länger. „Wir wollen jetzt versuchen, Nachwuchs für ältere Jugenden heranzubringen. Das heute ist natürlich super für die Kinder“, betont er mit Blick auf die Siegpremiere. „Ich bewundere vor allem, dass sie bis jetzt durchgehalten haben. Bei all den Niederlagen. Einfach Mund abgeputzt und weiter gemacht“, sagt Stuhlfauth nickend. Kollege Bohlander schüttelt sich gegenüber. Leicht verstimmt. Mist. Den Dreier hatte er doch eingeplant. Nach dem Spiel muss er Tränen trocknen. Tröstende Umarmung. Bohlander ist eben nicht nur Trainer. Er analysiert: Seine Mannschaft „traut sich leider noch nicht zu schießen“, deswegen die 0:1-Pleite. „Wir hätten müssen mehr auseinandergehen und schneller passen“, hadert auch Lena. Der Satz kommt aus dem Mund einer Zehnjährigen, kennerisch. Mädchen- und Frauenfußball wird kaum noch verpönt. Er ist so normal wie Reiten oder Ballett. Die Zeiten, als meist männlich anmutende Hüninnen sich kraftvoll über den Rasen tankten, sind längst passé. „Wenn man selbst Mädels hat, die spielen, belächelt man das nicht mehr“, weiß Trainer und Papa Stuhlfauth. Dann klatscht er auf den Rängen seine TuS-Mädchen ab und lacht stolz. Ergebnisse 2. Mädchen-Hallencup TuS Bolanden D-Juniorinnen: 1. VfR Wormatia Worms (15 Punkte/10:0-Tore), 2. 1. FFC Rhein-Ingelheim (12/10:5), 3. TuS Wörrstadt (7/3:3), 4. JFV Leiningerland (5/4:7), 5. FSV Nieder-Olm (4/1:6), 6. TuS Bolanden (0/2:9) C-Juniorinnen, Gruppe A: 1. 1. FFC Rhein-Ingelheim (10/9:1), 2. SV Kottweiler-Schwanden I (8/6:0), 3. SV Leiselheim (5/2:2), 4. FV Linden (2/0:4), 5. VfR Wormatia Worms (1/2:12) – Gruppe B: 1. TuS Münchweiler (8/3:1), 2. SV Kottweiler-Schwanden II (8/3:1), 3. TuS Bolanden (4/3:4), 4. SV Ober Olm (3/4:5), 5. TuS Wörrstadt (2/0:2) Halbfinale: 1. FFC Rhein-Ingelheim – SV Kottweiler-Schwanden II 3:2 n.N., SV Kottweiler-Schwanden I – TuS Münchweiler 0:1 – Spiel um Platz drei: SV Kottweiler-Schwanden II – SV Kottweiler-Schwanden I 0:2 – Finale: 1. FFC Rhein-Ingelheim – TuS Münchweiler 1:0.

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