Interview
Christian Gittelmann über zwei große Turniere und seinen neuen Job
Auch das Jahr 2021 war von drastischen Einschnitten aufgrund der Pandemie geprägt. Eine Unterbrechung oder einen Abbruch im professionellen Fußball gab es allerdings nicht mehr. Wie fällt Ihr persönliches Fazit aus?
Ja, leider steht alles noch unter dem Vorzeichen der Pandemie. Die Ungewissheit, wie es weitergeht, ob und wenn ja wie viele Zuschauer dabei sein dürfen – das ist nicht schön. Nichtsdestotrotz war es für mich persönlich ein sportlich erfolgreiches Jahr inklusive zweier großer Turniere. Es ist aber klar, dass ich als Sportler immer an Stellschrauben arbeiten muss und Dinge optimieren möchte.
Sie sprechen die großen Turniere an. Die EM 2020 wurde nun im Sommer nachgeholt. Als Abseits-Videoassistent waren Sie 14-mal inklusive Eröffnungsspiel und Finale im Einsatz?
Genau. Insgesamt war ich 35 Tage in der Nähe von Nyon, dem Sitz der UEFA, untergebracht. Es war eine intensive und erfolgreiche Zeit und eine neue Erfahrung in einer anderen, aber wichtigen Funktion.
Der nächste Höhepunkt folgte jüngst auf der arabischen Halbinsel, in Katar, wo ab 21. November nächsten Jahres die Weltmeisterschaft stattfinden soll. Was hat es mit dem sogenannten Fifa Arab-Cup auf sich?
Früher hieß der Wettbewerb arabischer Nationenpokal und war in dieser Auflage der Ersatz für den Confed-Cup, der im Vorfeld einer WM bekanntlich insbesondere als Generalprobe ausgetragen wird. Dieses Mal entfiel der Confed-Cup, da der Zeitraum grundsätzlich kein Länderspielabstellungszeitraum der Spieler von ihren Vereinen ist.
In Doha wurde in sechs von insgesamt acht Stadion gespielt. Fünf Mal waren Sie als Assistent im Einsatz – darunter im Finale. Welche Eindrücke konnten Sie gewinnen?
Das Endspiel zwischen Algerien und Tunesien am 18. Dezember, welches Algerien mit 2:0 nach Verlängerung gewann, fand vor 60.000 Zuschauern im Al-Bayt-Stadion statt. Insgesamt war ich 25 Tage in Doha untergebracht. Schiedsrichter und Assistenten aus aller Welt kennenzulernen und sich auszutauschen war eine sehr wertvolle Erfahrung. Es gab täglich unter anderem praktische Trainingseinheiten mit simulierten Spielsituationen. Die im Turnier geleiteten Spiele wurden in der Gruppe analysiert. Das Klima vor Ort bereitete keine größeren Probleme, da es nicht mehr zu heiß war und die Stadien klimatisiert sind. Auch die Platzbedingungen waren perfekt. Die Mannschaften spielten mit viel Leidenschaft, das Turnier war äußerst spannend und für uns als Team erfolgreich.
Wie waren die Corona-Regeln für die Schiedsrichter vor Ort?
Um einreisen zu dürfen, musste man doppelt geimpft sein und einen aktuellen PCR-Test vorweisen. Das wurde dann in einer App gespeichert und egal wo du hinwolltest, musstest du das vorweisen. Vor den Spielen haben wir dann ebenfalls immer nochmal einen Test gemacht.
Eine Teilnahme an der WM in Katar ist Ihr Ziel für das kommende Jahr, oder?
Ob national oder international: Von Spiel zu Spiel, von Training zu Training versuche ich weiter immer das Beste herauszuholen und diszipliniert zu arbeiten. Dann schauen wir mal, was rauskommt. Eins nach dem anderen, und ein Jahr im Fußball ist lang. Neben dem sportlichen Erfolg hoffe ich, dass wir als Gesellschaft auch dauerhaft mit Corona wieder zurück ins normale Leben finden.
Auch beruflich gab es für Sie 2021 eine Veränderung. Seit 15. Juli arbeiten Sie für die DFB-Stiftung Egidius Braun. Was sind dort Ihre Aufgaben?
Ich bin sehr froh, dass ich die Chance für diese tolle neue Herausforderung bekommen habe. Als Referent bin ich hauptsächlich für die Organisation und Durchführung der Fußball-Ferien-Freizeiten verantwortlich. Jährlich nehmen etwa 900 Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren aus 75 ausgewählten Vereinen (jeder Verein kann sich von September bis Oktober bewerben) verteilt auf sechs Sportschulen und 18 Ferienfreizeiten, teil. Kinder, die mit Begeisterung Fußball spielen – das ist die Basis unseres Sports.
