Donnersbergkreis „Älteste Bürgerin“ kommt zu Ehren
Sie dürfte eine der ältesten Kirchenglocken in der evangelischen Kirche der Pfalzsein, vielleicht sogar die älteste. 500 Jahre ist die kleinere der beiden Glocken im Rohrbacher Kirchenturm alt. In einem Gottesdienst würdigte nicht nur der ehemalige Kirchenpräsident Eberhard Cherdron die Bedeutung des Jubilars.
„Glocken waren schon immer dazu da, um zum Gottesdienst zu rufen“, sagte Cherdron in seiner Ansprache. Das gelte auch für die Rohrbacher Glocke, die vor 500 Jahren gegossen wurde. Doch sei diese mehr als nur ein Bote und erfülle nicht nur kirchliche Aufgaben. Eine Glocke habe auch die Aufgabe einer Verkündigung. Mit ihrem Klang, so Cherdron, fordere sie die Menschen auf, Gottes Gebote zu achten. Gerade das Gebot der Nächstenliebe habe heutzutage eine ganz besondere Bedeutung. Die Kirchengemeinde Wartenberg-Rohrbach/Baalborn, Eigentümerin der Kirche, könne sich glücklich schätzen, ein solches Gut zu besitzen. Der ehemalige Kirchenpräsident hofft, dass die Glocke noch viele Jahre zum Gottesdienst in Rohrbach ruft. Peter Schwalb aus Wartenberg-Rohrbach stellte den vielen Besuchern die Glocke vor. Seit Jahren beschäftigt sich das Mitglied des Presbyteriums mit der Geschichte der Kirche und seiner Glocken. Zunächst aber blickte Schwalb zurück ins Jahr 1515: Martin Luther hält seine Vorlesungen über die Römerbriefe, in denen er postuliert, dass die Menschen nur durch die Gnade Gottes erlöst werden. Auf der Wartenburg sitzt Ritter Konrad Colbe von Wartenberg als Burgmann und zugleich auch als Hauptmann von Landstuhl. Er beschließt, der zu seinen Lehen gehörenden Rohrbacher Kirche eine Glocke zu stiften. Der unbekannte Meister macht seine Arbeit gut. Die Glocke in Rohrbach habe fünf Jahrhunderte lang ohne Blessuren geläutet, so Schwalb: „Unsere Glocke hat bis heute alle Stürme der Zeit unbeschadet überstanden.“ Sieben Jahre nach ihrem Guss wurde die Wartenburg während der Reichsfehde zwischen Franz von Sickingen und dem Landgrafen von Hessen, Pfalzgraf Ludwig V und dem Erzbischof von Trier geplündert und niedergebrannt. Die Kirche auf der Rohrbacher Höhe mit ihrer Glocke blieb unversehrt. So war es auch im 30-jährigen Krieg. Während das Dorf unterging, blieb das Kirchengebäude samt seiner Glocke erhalten. Sie überstand auch die beiden Weltkriege – obwohl viele Glocken in Deutschland zu Waffen umgeschmolzen wurden. Im Jahr 2001 erhielt die altehrwürdige Glocke einen neuen Klöppel. Etwa 15 Generationen hat sie bei Taufe, Hochzeit und auf ihrem letzten Gang begleitet. „Die Glocke ist unsere älteste Bürgerin“, betonte Schwalb. Etliche Chroniken und Kirchenbücher hat er studiert, alle Erkenntnisse aufgezeichnet. Die Notizen hat er nun zusammengefasst und als Kurztexte sowohl in einer Jubiläumsbroschüre als auch im Gemeindebrief der Pfarrei Sembach veröffentlicht. Ortspfarrer Ortwin Plattner ging bei seiner Eröffnung auf die Besonderheit des Tages ein. Die Lesung übernahmen die Presbyterinnen Hannelore Buhrmann (Wartenberg-Rohrbach) und Anita Bachmann (Baalborn). Organistin Ruth Stadtmüller (Winnweiler) begleitete den Chorgesang, für den der Männerchor Baalborn sorgte. Auch der Musikverein Sembach beteiligte sich am Gottesdienst. Wer wollte, konnte später die Jubiläumsglocke besichtigen. Dem offiziellen Festakt schloss sich ein Glockenfest auf dem Kirchenvorplatz an. Dabei unterstützte das Kollegium aus Sembach das örtliche Presbyterium. (llw)