Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wurstmarkt: Wie ein US-Militärpolizist das Fest erlebt

Hohe symbolische Bedeutung der gemeinsamen Einsätze: die US-Militärpolizisten DJ Diallo, David Castillo und Taylor Morrisseau (v
Hohe symbolische Bedeutung der gemeinsamen Einsätze: die US-Militärpolizisten DJ Diallo, David Castillo und Taylor Morrisseau (von links) mit Harald Brock, dem Leiter der Polizeidirektion Neustadt (Zweiter von rechts).

Auf dem Wurstmarkt sind nicht nur deutsche Sicherheitskräfte im Einsatz: Auch US-Militärpolizisten sorgen für Sicherheit – und schätzen das Fest.

David Castillo wirkt nicht unbedingt so, wie man sich einen Militärpolizisten vorstellt: „Hallo, wie geht’s?“, sagt der 43-Jährige zur Begrüßung – wie viele Amerikaner, die jemanden zum ersten Mal sehen. Castillo ist freundlich und gut gelaunt an diesem Abend der Wurstmarkteröffnung. Zum vierten Mal ist er verantwortlich für die US-Militärpolizistinnen und -polizisten, die gemeinsam mit ihren deutschen Kollegen auf dem Wurstmarkt für Sicherheit sorgen. Am augenfälligsten wird das bei den gemeinsamen Streifen über den Festplatz.

Aus Kalifornien in die Pfalz

Castillo stammt aus Kalifornien und ist seit 25 Jahren beim US-Militär. „Ich war schon überall auf der Welt“, erklärt er. Derzeit ist sein Dienstort Kaiserslautern, wo die US-Militärpolizei für die Region sitzt. Deren Hauptaufgabe ist es, für Sicherheit und Ordnung auf den US-Stützpunkten etwa in Ramstein zu sorgen. Dazu gehören beispielsweise Zugangs- oder Verkehrskontrollen, aber auch die Strafverfolgung nach US-Militärrecht. Ausdrücklich vorgesehen ist die Zusammenarbeit mit deutschen Behörden, vor allem bei Einsätzen außerhalb der Stützpunkte – wie Jahr für Jahr auf dem Wurstmarkt. „Die Zusammenarbeit hat sich etabliert. Wo es in anderen Regionen wie etwa der Südpfalz die deutsch-französische Zusammenarbeit gibt, ist es hier die deutsch-amerikanische“, sagt Harald Brock, Leiter der Polizeidirektion Neustadt. Die Neustadter Beamten koordinieren den Polizeieinsatz auf dem Wurstmarkt. Zu den etwa 600 deutschen Polizistinnen und Polizisten, die über die Wurstmarkttage auf und neben dem Festplatz im Einsatz sind, kommen 60 bis 70 US-Militärpolizisten. Die Einsätze auf dem Wurstmarkt seien bei den Amerikanern sehr beliebt und entsprechend begehrt, berichtet Brock.

Etwa 60 bis 70 Kräfte der US-Militärpolizei sind über die Wurstmarkttage im Einsatz.
Etwa 60 bis 70 Kräfte der US-Militärpolizei sind über die Wurstmarkttage im Einsatz.

Doch was ist genau die Aufgabe der US-Militärpolizisten auf dem Wurstmarkt? „Wir sind Ansprechpartner für US-Amerikaner, sowohl für Zivilsten als auch für Militärangehörige“, sagt Castillo. Wenn diese in Notlagen gerieten, seien seine Leute ebenso gefragt, wie wenn es zu Straftaten komme, an denen Amerikaner beteiligt sind. Als Beispiel nennt der Oberstleutnant Schlägereien oder Beleidigungen. An einen Einsatz bei seinem ersten Wurstmarkt 2022 erinnert sich Castillo noch gut: Eine Soldatin hatte zu viel getrunken und war verschwunden. „Sie hatte auch ihr Handy verloren und wir konnten sie weder erreichen noch orten“, berichtet Castillo. Eine Suchaktion blieb erfolglos. „Letztlich ging es um eine Vermisstensuche“, erinnert sich auch Brock. Jedoch eine mit glücklichem Ausgang: Die Soldatin konnte in einem Ludwigshafener Krankenhaus ausfindig gemacht werden.

„Ausdruck der Partnerschaft“

Außer der Unterstützung der deutschen Kollegen haben die Einsätze für Castillo auch eine hohe symbolische Bedeutung: „Für uns ist die kombinierte Präsenz Ausdruck unserer starken Partnerschaft.“ Mit Harald Brock oder Katja Bauer, der Leiterin der Bad Dürkheimer Polizeiinspektion, sei über die Jahre ein fast schon freundschaftliches Verhältnis entstanden – durch die Einsätze auf dem „Worschdmarkt“, wie Castillo in passablem Pfälzisch mit kalifornischem Akzent sagt.

Ist die Anzahl der amerikanischen Besucher durch die Reduzierung von US-Truppen nach Ende des Kalten Krieges zurückgegangen? „Ich finde, dass immer noch eine große Anzahl auf den Wurstmarkt kommt, gerade an Samstagen und Sonntagen. Wenn ich privat mit meiner Familie auf dem Wurstmarkt bin, treffe ich eigentlich immer Amerikaner“, sagt der Oberstleutnant. „Im Vergleich zu früher hat die Sichtbarkeit abgenommen. Früher sind die amerikanischen Soldaten oft in Uniform gekommen, jetzt kommen sie in zivil und mit ihrer Familie“, sagt Harald Brock.

Und was schätzen seine Landsleute am Wurstmarkt? „Die Weinkultur, die Geschichte, die Umgebung an der Weinstraße“, sagt Castillo. „Und er ist einfacher zu erreichen für uns als das Oktoberfest“, ergänzt der 43-Jährige. Und was schätzt Castillo am Wurstmarkt? „Außer dem Wein?“, fragt er auf Englisch zurück. „Einfach alles.“

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