Schützen und Helfen RHEINPFALZ Plus Artikel Wichtiges Erste-Hilfe-Wissen für den Notfall

Ein Druckverband mit Polster unter der Fixierbinde.
Ein Druckverband mit Polster unter der Fixierbinde.

Verbrennung, Insektenstich, Wunden – im Alltag können uns viele Situationen begegnen, in denen wir Wissen aus einem Erste-Hilfe-Kurs beim Deutschen Roten Kreuz gut gebrauchen können. Hätten Sie’s noch gewusst?

Mit der Wundversorgung befasst sich ein Block im Erste-Hilfe-Kurs beim Dürkheimer Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) mit Kursleiter Manfred Wollnitz. Er betont: „Bei offenen Wunden ist das oberste Ziel die Blutstillung.“ Wichtig sei, Wunden nicht auszuwaschen, denn das kann für eine Infektion sorgen, und „nasse Wunden heilen schlechter“.

Eigene Verletzungen kann man desinfizieren, säubern und verbinden. „Fremde könnten allergisch auf ein Desinfektionsmittel reagieren“, erinnert Wollnitz. Außerdem sollten keine Cremes oder Puder auf eine Wunde. Fremdkörper sollten in der Regel belassen werden, wo sie sind, und von medizinischem Personal entfernt werden. Sonst könnte eine starke Blutung oder zusätzliche Verletzung entstehen.

Ausnahmen: Käfer oder Fliegen. Und Zecken oder Insektenstachel, denn „je länger sie im Körper stecken, desto mehr Gift geben sie ab“, erklärt Wollnitz. Blutet eine Wunde stark, ist ein Druckverband nötig. Auf eine sterile Kompresse wird ein nicht saugfähiges Polster gelegt. Beispielsweise ein Päckchen Papiertaschentücher. Darum wird eine Fixierbinde gewickelt und mit einem Knoten verschlossen.

Die PECH-Regel

Bei Verletzungen von Muskeln, Sehnen oder Gelenken gilt die Abkürzung PECH. Das steht für P-ause, E-is, C-ompression und H-ochlagern. Heißt: Schluss mit Sport oder Gartenarbeit, stattdessen Kühlspray (wenn die Haut nicht verletzt ist) oder Coolpack auf die Wunde. Wobei ein Coolpack nur in ein Tuch gewickelt auf die Haut gelegt wird, um Gewebeschäden zu vermeiden. Das soll ebenso Schwellungen und Blutergüsse vermeiden wie die dann folgende Bandage oder der Kompressionsverband. Danach sollte der verletzte Körperteil hochgelagert werden. Das verringert die Blutzufuhr, und Gewebeflüssigkeit kann abtransportiert werden, um die Schwellung zu reduzieren. „Bei Brüchen dagegen kann man als Ersthelfer wenig machen, da braucht man einen Arzt oder die 112“, sagt Wollnitz. Da hier jede Bewegung weh tut, ist Ruhigstellen nötig.

Sonnenstich und Unterkühlung

Ein Sonnenstich ist erkennbar am roten, heißen Kopf, an Unruhe, kühler Körperhaut, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Nackensteifigkeit und Bewusstseinstrübung. Der Betroffene sollte in den Schatten und der Oberkörper erhöht gelagert werden. Der Kopf wird gekühlt und der Patient beruhigt. Je nach Stärke der Kopfschmerzen sollte ein Arzt zu Rat gezogen werden.

Das Gegenteil: die Unterkühlung. Typische Merkmale sind blaue Lippen und Zittern, bei Erfrierungen sind die betroffenen Stellen bläulich-rot gefärbt. Im harmlosen Fall reicht, den Betroffenen wieder aufzuwärmen. Ist jemand zum Beispiel aber in ein gefrorenes Gewässer eingebrochen, ist es wichtig, die nasse Kleidung zu entfernen und denjenigen in eine Rettungsdecke einzuhüllen. Gut gezuckerte, warme Getränke wie Tee unterstützen die Wärmezufuhr. Alkohol in jeglicher Form ist keine Hilfe. Bei Erfrierungen sollte auch eine aktive Wärmezufuhr, zum Beispiel mit einer Wärmflasche, vermieden werden. Bei stärkeren Unterkühlungsfällen sollte der Notruf gewählt werden.

Grade von Verbrennungen

Bei Verbrennungen gibt es unterschiedliche Grade. Ersten und zweiten Grades treten Hautrötungen und Blasen auf. Bei Verbrennungen dritten Grades, mit denen immer ein Arzt aufgesucht werden sollte, entstehen grauweiße oder schwarze Verfärbungen der Hautoberfläche. Ist Kleidung in der Wunde festgebrannt, wird sie nur „umschnitten“. Gekühlt werden sollten Verbrennungen nur bis zu einer Größe der Handfläche. Dafür gilt: maximal zehn Minuten unter fließendes, zimmerwarmes Wasser halten. Danach wird die Wunde mit einem sterilen Verbandstuch aus dem Verbandskasten bedeckt. Zeigt der Verletzte Anzeichen eines Schocks, sollten seine Beine erhöht gelagert werden. Außerdem ist eine Rettungsdecke hilfreich, um die Eigenwärme des Betroffenen zu erhalten. Auch hier gilt: Hausmittelchen wie Mehl, Öl, Cremes oder Fett haben auf Brandwunden nichts verloren.

Bei äußerlichen Verätzungen wird getroffene Kleidung entfernt, dann ist gut Ausspülen wichtig. Ein Tipp, der im Eifer des Gefechts nicht immer bedacht wird: das Gesicht seitlich ausspülen und das Wasser vom Gesicht weg ablaufen lassen, sonst kommt die ätzende Substanz mit noch mehr Haut in Kontakt. Anschließend sollte die Wunde keimfrei verbunden und die 112 kontaktiert werden. Wurde eine ätzende Chemikalie verschluckt, sollte Wasser oder Tee in kleinen Schlucken getrunken werden, um die Flüssigkeit im Magen-Darm-Trakt zu verdünnen und die verätzten Speisewege zu spülen. Wichtig: Um die Verätzung nicht noch zu wiederholen, sollte der Betroffene nicht dazu gebracht werden, sich zu übergeben.

Bei Nasenbluten laufen lassen

Dagegen eher ein Alltagsfall: Nasenbluten. „Nacken kühlen, den Kopf nach vorne nehmen und laufen lassen“, rät Wollnitz. Die Nasenlöcher sollten nicht verstopft werden. Gekühlt werden kann mit einem in ein Handtuch gewickelten Coolpack.

Noch ein Fall, den hoffentlich nie jemand braucht: Wie geht man mit einem abgetrennten Finger um? „Der Finger wird mit einer sterilen Kompresse umwickelt und kommt in einen Plastikbeutel. Dann kommt ein zweiter Beutel außen rum, der mit Wasser und Eiswürfeln gefüllt wird“, erklärt der Kursleiter. Danach geht’s so schnell wie möglich zum Arzt.

Mehr Infos im Kurs

Wundversorgung, aber auch weitere wichtige Themen rund um die Erste Hilfe gibt es im Kurs zu lernen. Hätten Sie das alles noch gewusst? Das DRK bietet auch in Zeiten der Pandemie weiterhin Erste-Hilfe-Kurse an und freut sich über jeden Teilnehmer, der danach weiß, wie er sich im Notfall richtig verhält.

Die Serie

Das Dach im Katastrophenschutz des Kreises bilden die Hauptamtlichen bei der Verwaltung, darunter vereint sind Feuerwehren, Sondereinsatzgruppen mit Einsatzkräften vom DRK und die Psychosoziale Notfallversorgung. Aber auch jeder einzelne kann etwas tun. Eine neue RHEINPFALZ-Serie „Helfen und Schützen“ stellt das vor.

Bei Nasenbluten hilft ein kühles, feuchtes Tuch im Nacken und den Kopf vornüberbeugen.
Bei Nasenbluten hilft ein kühles, feuchtes Tuch im Nacken und den Kopf vornüberbeugen.
Coolpacks sollten nicht direkt auf das verletzte Gelenk. Ein Handtuch schützt die Haut.
Coolpacks sollten nicht direkt auf das verletzte Gelenk. Ein Handtuch schützt die Haut.
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