Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Wachenheim keinen Weinkönig mehr wählt

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Herbert I. zu Luginsland nannte sich der erste und einzige offizielle Wachenheimer Weinkönig – zur Freude von vielen, aber auch zum Missfallen von anderen.

Laut Überlieferungen sollen die Verantwortlichen in Wachenheim Anfang der 50er-Jahre sauer gewesen sein. Regelmäßig wurden junge Wachenheimerinnen als Kandidatinnen zur Wahl der Pfälzischen Weinkönigin in den Saalbau nach Neustadt geschickt. Doch nie brachte eine die Krone in die kleine Stadt. Zuletzt hatte mit Gertrud Dörr im Jahr 1933 eine Wachenheimerin die Krone auf ihr Haupt gesetzt – die bestand damals noch aus Trauben und Weinblättern aus Plastik.

Dass seitdem keine Wachenheimerin mehr indirekt zum Absatz des Wachenheimer Weins beitrug, lag nach Überzeugung der Wachenheimer am Wahlmodus des Wettbewerbs – und nicht daran, dass die Bewerberinnen nicht genug über Wein wussten oder nicht hübsch waren. Neben dem „Wahlmänner-Gremium“ durfte das Publikum mitabstimmen, wer Pfälzische Weinkönigin wird. Mit anderen Worten wurde relevant, welches Publikum aus welcher Gemeinde vor Ort war – und abstimmen konnte. Einige Wachenheimer glaubten, dass andere Gemeinden anfangen würden, Eintrittskarten zu kaufen, um so ihren Kandidatinnen Stimmen zu sichern. Warum die Wachenheimer das nicht selbst auch so machten, verschweigen die Chronisten.

Mit Krone und Zepter

Die damaligen Wachenheimer Winzerbuben hatten seit einigen Jahren beim sogenannten Herbstbacchus der Winzergenossenschaft und des Winzervereins zur Unterhaltung aus ihren Reihen einen Weinkönig gewählt, der jedoch keine Funktion hatte und im Weinadel keine Rolle spielte. Der Verkehrsverein Wachenheim beschloss: Wenn Wachenheim keine Weinkönigin bekomme, sorge man eben für einen würdigen Vertreter des Wein-Hochadels, indem offiziell ein Weinkönig gewählt wird.

Ob die Wahl 1952 oder 1953 war – darüber sind sich die Quellen nicht einig, wahrscheinlich dürfte es 1953 gewesen sein. Vier Kandidaten traten bei einer öffentlichen Veranstaltung im Oktober in der Halle der Sektkellerei zur Wahl an. Die meisten Stimmen der Besucher bekam Herbert Euler, der daraufhin mit Krone, Zepter und königlicher Gewandung ausgestattet wurde, und sich Herbert I. zu Luginsland nannte. Der Weinherrscher übernahm zahlreiche Aufgaben, unter anderem repräsentierte er sein Volk beim Winzerfestumzug in Neustadt und in den damaligen Wachenheimer Patengemeinden Neuburg an der Donau und Schwetzingen.

Graf statt König

„Die Herren der Pfalzweinwerbung“ sollen vom Wachenheimer Weinkönig nicht begeistert gewesen sein – und sie wurden in Wachenheim vorstellig. Schließlich einigte man sich darauf, dass Wachenheim keinen Weinkönig mehr wählt, sondern einen Weingrafen. Der solle dann Gefolgsmann und Mundschenk der Pfälzischen Weinkönigin sein.

Karl Betz wurde Weingraf Karl I. von der Wachtenburg. Er soll bei Auftritten im Gefolge der Weinkönigin als guter Sänger und als sehr trinkfest aufgefallen sein. Drei Jahre blieb Weingraf Karl I. im Amt. Zu seinem Nachfolger wurde Oskar Euler gewählt, der drei Jahre Weingraf Oskar I. vom Luginsland war. Danach war die Ära der männlichen Weinadligen in Wachenheim vorbei.

Zwei Weinköniginnen aus Wachenheim

Sigrid Betz, die Tochter von Weingraf Karl I. von der Wachtenburg, wurde 1973 Pfälzische Weinkönigin. Mit Maria Bergold wurde 1985 nochmals eine Wachenheimerin Pfälzische Weinkönigin. Ihr Vater habe nie etwas von seiner Zeit als Weingraf und Mundschenk der Weinkönigin erzählt, sagt die 70-jährige Sigrid Doppler, die frühere Sigrid Betz. Er sei immer unterwegs gewesen, in Vereinen und im Stadtrat aktiv und kein Familienmensch. Von ihm sei auch nicht die Initiative ausgegangen, dass sie Pfälzische Weinkönigin werden solle.

Doppler erzählt, dass sie bei den Pfälzer Sonntagskindern für die Weinwerbung im Einsatz gewesen sei. Der Vorsitzende des Verkehrsvereins Wachenheim habe gesagt, sie solle sich als Pfälzische Weinkönigin bewerben. „Bitte nein, ich kann das nicht“, sei ihre Reaktion gewesen. Trotzdem sei sie für die Wahl angemeldet worden und wurde in Neustadt zur Pfälzischen Weinkönigin gewählt.

Treffen mit Rainer Brüderle

Doppler, die seit 1978 in Essingen lebt und nur noch wenig Kontakt nach Wachenheim hat, hat schöne Erinnerungen an ihre Zeit als Pfälzische Weinkönigin. Die schönste ist, dass sie bei der Eröffnung des Blütenfests in Rhodt ihren späteren Ehemann kennenlernte. Das Paar, das zwei Töchter hat, führte ein Weingut und Sigrid Doppler vermietet nach wie vor Zimmer und Ferienwohnungen. Der Kontakt mit Gästen aus anderen Regionen und Ländern mache ihr Spaß.

Gelegentlich sei sie zu Treffen mit anderen Weinhoheiten eingeladen worden. Auch zu dem Treffen des früheren rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministers Rainer Brüderle im Jahr 1996 mit 1368 ehemaligen und amtierenden Weinköniginnen – der zu einem Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde führte.

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