Kreis Bad Dürkheim
Viele Probleme mit der Bahn: „Die Schüler sind dem ausgeliefert“
„Ich stehe am Gleis, der Zug fällt aus. Kannst du mich fahren?“ Spontane Fragen wie diese häuften sich in den vergangenen Wochen in den Haushalten der Region. Im September führte die Deutsche Bahn auf RHEINPFALZ-Nachfrage defekte Züge und Krankheitsfälle beim Personal als Grund für vermehrte Verspätungen auf den Strecken zwischen Freinsheim und Bad Dürkheim sowie zwischen Bad Dürkheim und Neustadt an. Verbessert hat sich die Lage seither nicht – im Gegenteil. Vor den Herbstferien beschäftigten die ständigen Zugausfälle Schüler, Eltern und Lehrer noch immer, berichten Schulen aus dem Kreis. Auf eine neuerliche Nachfrage am vergangenen Montag erhielt die RHEINPFALZ keine Antwort mehr von der Bahn.
Überlastete Sekretariate
„Verspätungen kommen in den letzten Wochen recht häufig vor“, bestätigt Achim Walk, Schulleiter der Carl-Orff-Realschule in Bad Dürkheim. Vor allem das Sekretariat habe morgens alle Hände voll zu tun, wenn die vielen Anrufe eingingen, dass Schüler sich aufgrund des Zugverkehrs verspäten. „Ich sehe das als großes Problem, die Elterninformation ist durch den hohen Andrang an Telefonaten im Sekretariat nur schlecht möglich. Die Schüler fehlen dann unentschuldigt“, erklärt Walk.
Natürlich störe die Verspätung auch den Unterricht, wenn ständig die Tür aufgehe und weitere Schüler hereinkämen. Sein Wunsch ist es, den Nahverkehr so aufzustellen, dass alle pünktlich sind. „Die Schüler sind dem ausgeliefert“, sagt der Schulleiter. Auch einen Zug früher zu nehmen, sei schwierig. Denn gerade bei den nun kommenden niedrigeren Temperaturen wolle man den Kindern nicht zumuten, lange Zeit vor der Schule zu warten.
Schüler kommen nicht aus überfüllten Zügen
Ähnliche Situationen beschreibt Karoline Ries, zweite stellvertretende Schulleiterin des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Bad Dürkheim. „Wir haben schon festgestellt, dass Zugausfälle und -verspätungen immer öfter vorkommen“, erzählt sie. Wenn am Bahnhof kein Zug komme, häuften sich die Anrufe im Sekretariat. Das bedeute mehr Arbeit für die Kollegen dort. „Wenn die Schüler nicht krankgemeldet sind, ruft die Schule die Eltern an“, erklärt Ries das Vorgehen, wenn Schüler nicht zum Unterricht erscheinen. Problematisch sei dies vor allem, wenn Klassenarbeiten in der ersten Stunde geschrieben werden. „Damit wir wissen, was Sache ist, sollten Schüler die Schule informieren, wenn es zu Problemen mit den Zügen kommt“, wünscht sich die stellvertretende Schulleiterin.
„Häufig und täglich“, beschreibt Steffen Wagner, Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Deidesheim-Wachenheim, die Verspätungen aufgrund der Züge. Er schildert die gleichen morgendlichen Situationen im Sekretariat und im Unterricht, wie sie die anderen betroffenen Schulen plagen. Außer dem zeitlichen Problem bringt er noch einen zusätzlichen Aspekt ein: die räumlichen Kapazitäten. Viele Züge seien nur mit einem Waggon ausgestattet, was für die morgendliche Schülerbeförderung zu wenig sei. „Schüler berichten, sie kämen in Wachenheim gar nicht aus der Tür heraus, weil es im Zug zu voll ist“, sagt Wagner.
Somit müssten die Schüler an einer späteren Station aussteigen und wieder zurückfahren, was Zeit und Nerven koste. Vor allem die Verbindung von Bad Dürkheim nach Deidesheim sei oft nur mit einem Waggon ausgestattet, obwohl die doppelte Anzahl nötig wäre. Nicht getaktete Anschlüsse nach Neustadt und von dort aus nach Wachenheim oder Deidesheim ergänzten das anscheinend in alle Richtungen herrschende Problem. „Die Verkehrsbetriebe müssen sich abstimmen. Wir brauchen ein System, das funktioniert und dem man vertrauen kann“, fordert Wagner.