Bad Dürkheim / Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Unterwegs mit der Polizei: „Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster“

Gekippte Terrassentüren oder Fenster machen es den Einbrechern leicht, ins Haus zu gelangen.
Gekippte Terrassentüren oder Fenster machen es den Einbrechern leicht, ins Haus zu gelangen.

Die dunkle Jahreszeit ist Haupt-Einbruchzeit. Doch wie kann man die eigenen vier Wände schützen? Dazu gibt es eine polizeiliche Vor-Ort-Beratung. Wir waren dabei.

Der erste Eindruck ist gut. „Die Einfriedung und die Hecke zeigen: Hier hat kein Fremder etwas zu suchen“, sagt Achim Hettrich, Bezirksbeamter bei der Polizeiinspektion Bad Dürkheim. In Wachenheim informiert er an diesem kalten Morgen eine Eigentümerin, die in den eigenen vier Wänden lebt, darüber, wie sie sich und ihr Eigentum vor Einbrechern schützen kann. Die Seniorin wohnt allein in einer Ortsrandlage. Doch eigentlich, sagt Hettrich, spiele die Lage eines Hauses für das Risiko eines Einbruchs eine geringere Rolle als man vielleicht meinen könnte. Viel entscheidender seien die Gelegenheiten, schnell und möglichst geräuschlos zuschlagen zu können. „Unsere Empfehlungen sind daher die gleichen.“

Noch steht Hettrich im Außenbereich des Hauses. „Es ist gut, dass keine Aufstiegshilfen wie beispielsweise Kisten oder Container geboten werden. Auch die Leiter ist angekettet“, sagt der Beamte.

Im Haus selbst fällt sein erster Blick auf die Fenster. Über die verschafften sich die meisten Einbrecher Zugang zum Haus, erzählt Hettrich. Beim Wachenheimer Anwesen würden sie es aber schwer haben. Die Hauseigentümerin hat abschließbare Griffe, und die Fenster verfügen über eine sogenannte Pilzkopfverriegelung. „Es ist das häufigste Vorgehen von Einbrechern, dass ein Fenster aufgehebelt wird. Das verhindern die Pilzkopfverriegelungen“, sagt Hettrich und demonstriert die Funktionsweise der kleinen Stifte mit dem breiten Kopf. Auch die abschließbaren Fenstergriffe seien gut. Allerdings fällt Hettrich auf, dass an einem der Griffe der Schlüssel steckt. Das sei ein Risiko, denn der Einbrecher könne ein Loch in die Scheibe schlagen und dann den Schlüssel von innen umdrehen und das Fenster öffnen. „Lieber den Schlüssel an einen Nagel an der Wand hängen“, rät der Experte.

„Die Substanz stimmt“

„Die Fenster sind noch gut. Natürlich kann man immer noch mehr machen, aber die Substanz stimmt“, sagt Hettrich. Dann fällt sein Blick auf ein gekipptes Fenster. „Kennen Sie den Spruch: ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster?“, fragt er die Hauseigentümerin. „Wenn Sie das Haus verlassen, müssen Sie das Fenster unbedingt schließen, sonst machen Sie es Einbrechern unnötig leicht“, mahnt Hettrich. Mit einem entsprechenden Hebel sei es kein Problem, ein gekipptes Fenster zu öffnen.

Achim Hettrich
Achim Hettrich

Im Parterre ist ein Fenster vergittert. „Das ist aus Sicherheitsperspektive gesehen eine gute Lösung. Wenn ein Gitter davor ist, kann man sich auch ein weniger sicheres Fenster leisten“, sagt Hettrich. Besonders wichtig sei eine gute Sicherung von Fenstern, die von außen leicht zugänglich sind – wie eben das Fenster im Parterre.

Ein Türspion kann helfen

Außer Fenstern sind auch Haus- oder Terrassentüren potenzielle Einfallstore für Einbrecher. „Die Haustür sieht gut aus“, sagt Hettrich. „Rollzapfen, Gott sei Dank“, ergänzt der Polizist mit Blick auf die Schließpunkte an der Seite der Tür. Auch eine andere potenzielle Schwachstelle sucht man bei dem Wachenheimer Anwesen vergeblich: Der Zylinder des Haustürschlosses steht nicht über. Das mache es sehr zeitaufwendig, das Schloss zu entfernen, erklärt der Polizist. Einen Verbesserungsvorschlag hat er aber dennoch: „Was fehlt, ist ein Türspion oder eine Kamera, dass Sie sehen, wer vor der Tür steht. Es gibt auch Fälle, in denen Eindringlinge klingeln und die Bewohner einfach zur Seite drängen.“

Das Haus in Wachenheim verfügt aber über ein Hoftor. „Das ist immer verschlossen. Wenn jemand klingelt, schaue ich vom Balkon, wer draußen steht“, sagt die Hauseigentümerin. Dennoch nimmt sie sich vor, an der Haustür etwas zu machen.

Entgegen der durch Krimis verbreiteten Vorstellung suchten Einbrecher in der Regel Häuser in Abwesenheit der Bewohner auf. Hier setzen weitere Ratschläge des Bezirksbeamten an: Auch wenn niemand zu Hause sei, dürfe das Haus keinen unbewohnten Eindruck hinterlassen. „Dazu gehört beispielsweise, den Briefkasten zu leeren“, erklärt Hettrich. Auch eine wachsame Nachbarschaft helfe bei der Prävention – gerne dokumentiert durch einen Aufkleber, den Hettrich dabei hat.

Zum Abschluss der rund einstündigen Grundschutzberatung nutzt der Beamte die Gelegenheit und klärt die Eigentümerin über gängige Betrugsmaschen wie Enkeltrick, falscher Polizeibeamter oder Romance Scamming auf. „Einmal haben sie bei mir angerufen und wollten mir erzählen, meine Tochter hätte einen schweren Unfall verursacht und jemanden überfahren“, erzählt die Wachenheimerin: „Ich habe mit einer Trillerpfeife ins Telefon gepfiffen, dann haben sie aufgelegt.“

Noch Fragen?

Wer sich für eine sogenannte Grundschutzberatung interessiert, kann sich per Mail an pibadduerkheim@polizei.rlp.de wenden. Ergänzende Informationen sind online unter www.polizei-beratung.de abrufbar. Über das Informationsportal www.k-einbruch.de können Bürger zudem geeignete, örtliche Fachbetriebe für sicherheitstechnische Maßnahmen finden.

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