Bad Dürkheim
Talentierte Geschwister begeistern in der Brunnenhalle
Das Geschwister-Duo musiziert seit 2012 zusammen und gewann auch solistisch zahlreiche Preise. Die 21-jährige Xixi Gabel studiert seit diesem Jahr das Fach Violine an der Universität der Künste Berlin bei Professor Nora Chastain. Der 18-jährige Kai Gabel ist musikalisch besonders begabt und beeindruckt neben dem Hauptinstrument Violine mit seinem ausgereiften Klavierspiel. Seit 2017 ist er als Jungstudent für das Fach Violine in der Klasse von Professor Marco Rizzi in der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim eingeschrieben und wurde 2020 mit einem Sparkassen-Musikstipendium Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.
Zu Beginn ging Wettbewerbsleiterin Gabriele Weiß-Wehmeyer auf den fast in Vergessenheit geratenen deutsch-böhmischen Komponisten Erwin Schulhoff ein, der als sowjetischer Staatsbürger und Jude verfolgt wurde. 1941 wurde er ins Internierungslager auf der bayrischen Festung Wülzburg deportiert, wo er 1942 starb. Schulhoff war einer der ersten europäischen Komponisten, die den Jazz in ihre Kompositionen integrierten, später wandte er sich dem Sozialistischen Realismus zu. Aus der 1927 entstandenen Sonate für Klavier Nr. 2 (WV 91) spielte das Geschwister-Duo die ersten beiden Sätze, Allegro impetuoso und Andante. Ungestüme Harmonien verlangen ein Höchstmaß an virtuosem Geigenspiel im ersten Satz, auf das zutiefst melancholisches Andante folgt.
Drei Stücke widmete der Komponist seiner Mäzenin
Der österreichisch-britische Komponist und Musikwissenschaftler Hans Gál gehört ebenfalls zu den weniger bekannten Musikerpersönlichkeiten. 1929 verließ er Österreich, um den Direktorenposten des Konservatoriums der Stadt Mainz zu übernehmen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 musste Gál Deutschland wieder verlassen, da er in Ungarn als Jude geboren worden war. Unmittelbar nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich (1938) floh Gál mit seiner Familie nach England. 1945 wurde Gál bis 1960 als Dozent für alle musikalischen Fächer an der Universität Edinburgh angestellt. Gál entwickelte seinen ganz persönlichen Stil. Sein Vorbild war Johannes Brahms. Aus der Sonate für Violine und Klavier b-Moll Op. 17 hörten die Zuhörer den 1. Satz, der „patetico, molto moderato“ als Spielanweisung enthält und von den Geschwistern ebenso leidenschaftlich interpretiert wurde, dramatisch mit sanften Einschüben. In Konzerten wenig gespielt wird auch Tschaikowskys Komposition „Souvenir d’un lieu cher op. 42“. Diese drei Stücke widmete der russische Komponist als „Erinnerungen an einen liebgewonnenen Ort“ seiner Mäzenin Nadeshda von Meck, die ihm einen Aufenthalt auf ihrem ukrainischen Landsitz angeboten hatte. Der erste Teil „Meditation“ wirkt elegisch, das Scherzo wechselt zu lebhafterem Ausdruck mit fein ziseliertem Mittelteil, auf den die romantisch schwebende „Melodie“ folgt.
Grandioser Auftritt
Brahms Sonate für Violine und Klavier d-Moll Op. 108 ist ein eher düsteres viersätziges Werk. Das Klavier übernimmt dabei die tragende Rolle. Abgelöst wird es im zweiten Satz von der Violine. Das Adagio schafft einen Ruhepol, der dritte Satz reichert die Sonate mit verspielten Melodien an. Den Abschluss bildet ein dunkler vierter Satz mit fast sinfonischen Zügen.
Mit diesem Konzert bewies das Geschwister-Duo, dass es sich in seiner professionellen Interpretation und in seinen spielerischen Fähigkeiten hervorragend weiter entwickelt hat, wofür es lang anhaltenden Applaus gab.