Bad Dürkheim Störchin macht die Schwalbe

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„Wo ist Heike?“ Diese Frage stellt sich die seit der Ankunft zweier Störche vor wenigen Wochen elektrisierte Freinsheimer Bevölkerung. In der eigens gegründeten, annähernd zehnköpfigen What’s-App-Gruppe herrscht gerade eine gewisse Niedergeschlagenheit. Der weibliche Teil des Paares wurde seit Montag vergangener Woche nicht mehr gesichtet. Und „Heiko“, wie der männliche Part nach dem Vornamen des „Storchenbeauftragten“ Gauglitz genannt wird, schmeißt den „Haushalt“ im Nest auf dem Kirchendach seither allein. Dabei war die Hoffnung zunächst groß, dass es schon bald Nachwuchs geben könnte, nachdem die beiden augenscheinlich intensiv „aufeinander rumhingen“, wie es Heiko Gauglitz gestern formulierte. Nun also hat die Störchin die Schwalbe gemacht, und Gauglitz’ Anruf bei der Aktion Pfalzstorch in Bornheim ergab nach seinen Angaben keine wesentlichen Hinweise auf ihren Verbleib. Außer dem, dass man der Dame eventuell bis Ende April Zeit lassen müsse. „Es ist kompliziert“, muss man wohl über den Beziehungsstatus des Paares protokollieren. Von Anfang März bis Mitte Mai dauert die Paarungszeit bei Weißstörchen. Die Literatur über die Kopulation – so nennt sich der Geschlechtsakt – besagt, dass man die Tiere bis zu achtmal täglich dabei beobachten kann. Ob das Freinsheimer Pärchen derart lüstern war, ist nicht überliefert. Das Resultat aus einer geglückten Paarung sind jedenfalls meist vier bis fünf Eier. „Männchen sind nesttreuer“, weiß Gauglitz. Damit spricht er das Offensichtliche aus. Sein Namensvetter scheint trotz des eindeutig vorhandenen Triebs, die Heimstätte mit Hilfe von Nistmaterial weiter auf Vordermann zu bringen, auf einigermaßen taube Ohren gestoßen zu sein. Zudem Sorgen macht sich die What’s-App-Gruppe, zu der auch Gauglitz’ Gattin gehört, dass der umgarnten Störchin etwas zugestoßen, dass sie gar verunglückt sein könnte. Die Tatsache, dass sie jetzt schon zehn Tage fehlt, stimmt die Beobachter rund um den Kirchturm hinsichtlich einer Rückkehr nicht gerade zuversichtlich. Zwei ältere Damen, die oft auf einer Bank neben der Kirche sitzen, erstatten regelmäßig Bericht, sagt Gauglitz. Die schlimmsten Befürchtungen relativiert die Dürkheimer Storchensachverständige Ingrid Dorner. Sie war einst zweite Vorsitzende bei „Pfalzstorch“ und ist ehrenamtliche Mitarbeiterin der Vogelwarte Radolfzell. 120 Storchennester hat die Frau derzeit im Blick. Daher war noch wenig Zeit, um sich intensiv mit der neuen Situation in Freinsheim zu befassen. Das Männchen sei beringt, weiß sie. Interessant sei es, mit Hilfe des Spektivs herauszufinden, woher er genau kommt. Bei „ihr“ ist sie sich fast sicher, dass es sich um ein noch recht junges Exemplar handelt. „Noch nicht brutreif. Sie fühlte sich der Aufgabe noch nicht gewachsen“, vermutet Dorner über die Ausbüxerin. Für Heiko Adebar muss Dorners Einschätzung eine bittere Erkenntnis sein. Andererseits hat er noch einige Tage Zeit, um anderweitig auf Brautschau zu gehen. Und auch die Freinsheimer What’s-App-Gruppe könnte wohl mit einer „anderen“ Heike leben, wenn es denn schlussendlich Nachwuchs gäbe.

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