Bad Dürkheim Rosen in der Abendsonne

Zwischen Hecken und unter Bäumen, zwischen blühenden Hortensienbüschen und Lavendelsträuchern stehen einzelne, liebevoll angeordnete Sitzgruppen. Der private Apothekergarten in Wachenheim ist am Sonntagabend die wunderschöne Kulisse für die zweite Veranstaltung des Sommerprogramms „Wachenheim hält Hof“, die vom Heimatverein organisiert wird.
Unter dem Motto „Kunstgenuss im Garten“ unterhalten Künstler der Schreibgruppe „Tatwort“ und die Wachenheimer Violinistin Regina van Lier die 70 Gäste. „Wir möchten Wachenheimer Höfe und Gärten für das Publikum öffnen und jungen Künstlern ermöglichen, sich in ihrer Heimat zu präsentieren“, erklärt Friederike Beimborn vom Heimatverein. Die Idee sei bei einem Glas Wein entstanden und ermögliche Wachenheimer Alt- und Neubürgern, ins Gespräch zu kommen. Vom Heimatverein angesprochen, stimmte Miriam Eckes gerne der Idee zu, ihren alten Apothekergarten für die Veranstaltung zur Verfügung zu stellen. „Ich freue mich sehr, dass ich diesen Schatz, meinen Garten, heute Abend mit Ihnen teilen kann“, sagt sie. Dazu bewogen habe sie, dass sie in Bad Dürkheim vor einiger Zeit mit ihrer Tochter für die Sternsinger unterwegs war. „Es war ein bitterkalter, ungemütlicher Tag. Aber wir haben so tolle Ecken kennengelernt, konnten in die alten Winzerhöfe schauen, wo man sonst nicht hinkommt“, schildert sie die Erfahrung. So lauschen die Gäste in wunderschönem Ambiente in den Strahlen der Abendsonne den teils nachdenklichen, teils humorvollen Geschichten der vier Künstler von „Tatwort“. Karin Hünninghaus, Silke Gorth, Helga Hoock und Michelle Pfeifer lesen souverän ihre Werke vor. Die Geschichten haben alle einen Bezug zur Natur, sind aber ansonsten ganz unterschiedlicher Art. Zum Nachdenken regt „Die Rose im Glas der Zeit“ an, bei der es um die Vergänglichkeit des Lebens geht. „Im Garten Eden“ übernimmt die Brennnessel die Macht, sehr humorvoll ist die Antwort auf eine Partneranzeige, bei der die Briefeschreiberin sich über Vergleiche mit einer Rose und einem verwilderten Garten beschreibt. Zum Lachen bringt das Publikum auch die Geschichte über eine Schrebergartenkolonie. Zwischen den Lesungen verzaubert Regina van Lier die Zuschauer mit Stücken auf ihrer Violine. In einer Pause schlendern die Gäste alleine oder in kleinen Grüppchen durch den Apothekergarten, in dem in jeder Ecke etwas anderes zu entdecken ist. Durch von Rosen und Wein überwachsene Laubengänge, die von kleinen Buchsbaumhecken eingesäumt sind, stoßen die Besucher auf einen mit Seerosen bedeckten kleinen Teich oder eine der im Garten verteilten Skulpturen. Auf Rasenflächen stehen Liegestühle zum Entspannen und an der hinteren Gartenmauer, vorbei an einem plätschernden Springbrunnen, findet sich in einer gemütlichen Ecke ein Strandkorb. Renate Bremicker vom Heimatverein erläutert den Gästen den Ursprung der Apothekergärten, die früher an Klöstern angelegt wurden. „Die Ordnung ist hier sehr natürlich geblieben. An den Blickachsen können Sie verweilen und den Blick schweifen lassen“, erklärt sie. Der Heimatverein möchte auch im nächsten Jahr mit der Reihe weitermachen und hofft auf ausreichend Wachenheimer, die ihre Höfe, Keller oder Gärten einem Publikum öffnen möchten.