Bad Dürkheim
Parking Day: Debatte um autofreien Stadtplatz
Auf acht Parkplätzen auf dem Stadtplatz haben sich am Samstag Aktive des Klimabündnisses der Naturfreunde mit ihren Unterstützern ausgebreitet. Sie wollten so aus Anlass des internationalen Parking Days dafür werben, dass zumindest ein Teil des Platzes nicht mehr zum Parken zur Verfügung stehen soll. Wie kam das bei Passanten und Anliegern an? Auf den abgesperrten Parkplätzen standen einige Tische und Stühle, Spiele für Kinder lockten den Nachwuchs, zeitweise trommelten zwei Männer, an einem Infostand wurde diskutiert. „Eine schöne belebte Innenstadt fördert den Einzelhandel. Austausch. Zusammenhalt. Geselligkeit“: Das hatte eine Frau mit bunter Kreide auf den Boden geschrieben.
Parking Day ist vor 20 Jahren entstanden
Der 2005 entstandene Parking Day ist eine Aktion zur „Re-Urbanisierung von Innenstädten“. Das ist auch das Ziel des Klimabündnisses der Naturfreunde. „Es ist aus der Zeit gefallen, den zentralen Platz der Stadt als Parkplatz zu nutzen“, sagte Gerhard Rügauf, der die Aktion trotz dicker Beinschiene und Krücken organisiert hat. Einen Brunnen, „den man abdecken kann, wenn beispielsweise Stadtfest ist“ könnte er sich auf dem Stadtplatz vorstellen. „Eine Wassernebelwand würde den Platz aufwerten“, schlug Matthias Erstling von Klimabündnis vor. „Es kommen immer wieder Leute vorbei. Es ist nett, wir sind zufrieden“, so Rügauf zum Parking Day. Niemand, mit dem er am Vormittag ins Gespräch gekommen sei, sei der Meinung, dass der Stadtplatz ein Parkplatz sein muss, berichtete Erstling. Eine ältere Frau habe zwar zuerst gesagt, dass sie nicht weit laufen und keine schweren Tüten tragen könne, doch nachdem er sie auf Parkplätze in der Umgebung hingewiesen habe, habe sie gesagt, das schaffe sie.
Mitglieder der Grünen warben bei Passanten dafür, eine Petition gegen den geplanten Ausbau der B37 zu unterschreiben. Kallstadter, die im Verein Pro Ost-B271 aktiv sind, waren zur Unterstützung der Forderung nach einer Umgestaltung des Dürkheimer Stadtplatzes gekommen. „Wir sind schon weiter, bei uns wird der Platz der 100 Weine zu einem Dorfzentrum umgestaltet und die Autos verbannt“, freute sich Karola Bender-Haaß, Vorsitzende des Vereins. „Ich bin für den Ausbau der B37“, sagte ein „Ur-Dürkheimer“ am Infostand und löste damit intensive Diskussionen aus. „Blödsinn“ wäre es, wenn die Parkplätze auf dem Stadtplatz wegfallen würden. „Warum soll man die Bequemlichkeit aufgeben?“, meinte er.
Schadet ein autofreier Stadtplatz dem Einzelhandel?
„Wir brauchen keinen Parkplatz, wir können zu Fuß in die Stadt laufen und den Kindern gefällt es, wenn sie hier spielen können“, sagte eine Frau. „Schon als Kind fand ich es komisch, dass so ein Platz ein Parkplatz ist“, sagte Christoph Brentzinger, der ebenso wie seine Frau Susanne bei den Grünen aktiv ist. Beide sind dafür, dass auf dem Stadtplatz nicht mehr geparkt werden darf. „Wir haben in den Niederlanden gelebt, da sind die Innenstädte autofrei und der Einzelhandel geht nicht zugrunde“, meinte das Ehepaar. Und in Frankreich werde auf den Plätzen in den Städten Boule gespielt. Auch für Einzelhandel und Gastronomie wäre ein autofreier Stadtplatz ein Vorteil, fanden sie.
Da ist der Inhaber des Eiscafés Il Cappuccino anderer Meinung. „Das heute kostet mich Geld, weil wegen der Sperrung weniger Kunden kommen“, ärgerte er sich. „Wenn nicht mehr geparkt werden darf, dann bleiben die Leute weg und die Stadt ist tot“, sagte er.
Stören Autos beim Kaffeetrinken?
„Das wäre ein Verbrechen gegen die Stadt Bad Dürkheim, dann ist alles tot“, stimmte ihm Gabriele Lederer zu, die gerade einen Kaffee trank. Sie habe 24 Jahre in der Wäschetruhe gearbeitet, wisse deshalb, dass die Dürkheimer Geschäfte auf Kunden aus der Umgebung angewiesen sind, erzählte die Dürkheimerin, die jetzt in Wachenheim wohnt. „Wenn ich hier Kaffee trinke, stören mich die Autos überhaupt nicht“, betonte sie. „Wir finden es gut, dass man hier parken kann“, meinte ein Paar aus Karlsruhe. Sie würden öfter einen Tagesausflug nach Dürkheim machen, weil es hier schön sei und weil man hier parken könne.
„Für uns und unsere Kunden sind die Parkplätze wichtig und wir wünschen uns, dass sie bleiben“, verdeutlichte Kelly Hammer, stellvertretende Filialleiterin von Delker Optik. Es sei bedauerlich, dass die Parkzeit auf 50 Minuten reduziert wurde, „denn das reicht bei unseren Beratungsterminen nicht immer“.