Wachenheim
Neue Musik zu alten Bildern: Pianist Chris Jarrett kommt mit seinem „Panzerkreuzer Potemkin“-Projekt ins „Badehaisel“
Doch die Verbindung ist auf den zweiten Blick gar nicht so gegensätzlich. Der Film, um den es geht, ist „Panzerkreuzer Potemkin“ von Regisseur Sergei Eisenstein, ein 1925 für die Sowjetunion gedrehter Stummfilm-Klassiker, der wegen seiner zahlreichen cineastischen Innovationen Filmfreunden weltweit das Herz erwärmt und inzwischen auch als Friedensfilm gilt. Der Musiker ist Chris Jarrett, der in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen ist, ein ziemlich eigenwilliges Leben führte, in Deutschland lebt und nun neue Musik zu dem Film komponiert hat.
Zu Stummfilmen wurde oft auch schon in der Entstehungszeit eigens Musik komponiert. Für „Panzerkreuzer Potemkin“ wollte Eisenstein dies nicht. In den Anfangsjahren wurde bei Vorführungen des Films meist Musik klassischer Komponisten gespielt. Später haben verschieden Komponisten Musik zu den Bildern geschaffen, die bis heute beeindrucken. So bereits vor einigen Jahren eben auch Chris Jarrett.
Aufstand gegen den Zaren
In „Panzerkreuzer Potemkin“ geht es um die Meuterei der Besatzung des gleichnamigen russischen Kriegsschiffs gegen ihre zaristischen Offiziere. Er wurde am 21. Dezember 1925 im Moskauer Bolschoi-Theater als offizieller Jubiläumsfilm zur Feier der (gescheiterten ) Revolution des Jahres 1905 uraufgeführt. Heute mögliche cineastische Effekte, die durch digitale Technik entstehen, gab es damals noch nicht. Trotzdem ist der Stummfilm eindrucksvoller als mancher heutiger Streifen, bei dem jede Menge Spezialeffekte eingesetzt werden. Dafür sorgen unter anderem eine hervorragende Kameraführung und eine sehr ausgeprägte Mimik.
Ein gutes Beispiel dafür ist die bekannteste Passage, die sogenannte Treppenszene. Sie wurde auf einer Treppe in der heute ukrainischen Stadt Odessa gedreht, die dadurch bis heute zur „Potemkinschen Treppe“ wurde. Soldaten des Zaren marschieren im Stechschritt die breiten Stufen hinunter, schießen auf fliehende Menschen, die sich gerade noch gegen den Zaren aufgelehnt haben und jetzt um ihr Leben rennen. Auf einem Treppenabsatz steht eine Frau mit einem Kinderwagen. In ihrem Gesicht ist panische Angst zu sehen, das zu Entsetzen wird, nachdem eine Kugel sie getroffen hat. Das alles geschieht im Zeitlupentempo. Ganz langsam fällt die Frau hin, setzt beim Stürzen, ohne es zu wollen, den Kinderwagen mit einem arglos schauenden Baby in Bewegung. Der rollt Stufe und Stufe herunter. Mancher Horrorfilm ist im Vergleich zur Wirkung dieser Szene nette Unterhaltung. Das komplette Original von „Panzerkreuzer Potemkin“ existiert nicht mehr, doch wurde es aus Überresten rekonstruiert.
Partei für die Unterdrückten
Chris Jarrett stammt offensichtlich aus einer Familie mit einem musikalischen Gen, zwei seiner Brüder sind ebenfalls Musiker. Einer ist der bekannte Keith. Chris Jarrett wird zwar oft gemeinsam mit seinem Bruder erwähnt, doch hat er sich längst selbst zu einem renommierten Musiker entwickelt. Er wurde 1956 geboren, bekam mit 13 Jahren erstmals Klavierunterricht, obwohl die Familie wenig Geld zur Verfügung hatte. Später studierte er, unterstützt durch ein Stipendium, Musik, doch das Studium gefiel ihm nicht. Stattdessen arbeitete er in Fabriken und auf einem Krabbenkutter, trampte erst durch die USA, dann durch Europa und landete irgendwann in Norddeutschland, In Oldenburg studierte Jarrett dann erneut Musik.
Es folgte eine eindrucksvolle musikalische Karriere mit einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Projekte und der Zusammenarbeit mit vielen bekannten Künstlern. Sein Eisenstein-Projekt biete eine eigenständige, teils durchkomponierte, teils improvisierte Partitur, unterstreiche die antimilitaristische Botschaft Eisensteins und ergreift Partei für die Unterdrückten. , heißt es in der Ankündigung. Jarrett lebte in verschiedenen Regionen Deutschlands, einige Zeit auch in Paris und inzwischen in dem südpfälzischen Dorf Oberotterbach. Ins „Badehaisel“ hat er es also nicht allzu weit.
Termin
Chris Jarrett stellt sein „Panzerkreuzer Potemkin“-Projekt am Samstag, 23. März, ab 19.30 Uhr im „Badehaisel“ in Wachenheim vor. Karten (18 Euro) unter 06322 66830, info@badehaisel.de oder online unter www.badehaisel.info.