Weisenheim am Sand
Mit Fördergeldern gebaut: Wohnungen sind bezugsfertig
Hell und geräumig sind die sechs Wohnungen im Westring, Ecke Pfarrgasse in Weisenheim am Sand. Gebaut hat sie Bauunternehmer Rasim Gashi aus Weisenheim am Sand mit seinem Team. Die Idee für den Neubau geht zurück auf das Jahr 2020: Schon damals plante Gashi sie als bezahlbaren Wohnbau für Personen mit Wohnberechtigungsschein und entsprechender finanzieller Förderung durch die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) zu realisieren.
Doch die Planungen, Überarbeitungen und Genehmigungen von Behördenseiten und Bank zogen sich hin. Jetzt im Sommer ist der Bau nach gut einjähriger Bauphase bezugsfertig, die ersten Mieter sind eingezogen. Gekostet hat das laut ISB „bezahlbare und klimagerechte Wohnprojekt“ in Massivbauweise mit Wärmepumpe rund 1,9 Millionen Euro inklusive Grundstück, aktuell wird die Außenanlage errichtet. Von der ISB gefördert wurde der Bau mit einem Darlehen in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro und einem Tilgungszuschuss von gut 810.000 Euro.
Denn in ganz Rheinland-Pfalz gibt es einen Mangel an Wohnraum, nicht zuletzt bezahlbarem. Unterstützt von der ISB werden daher Privatinvestoren und Gesellschaften, die Mietwohnungen für berechtigte Personen schaffen. Die ISB setzt dabei die entsprechenden Förderprogramme des Landes mit Mitteln des Bundes und des Landes um. 2024 wurden 49 Wohneinheiten mit 6,4 Millionen Euro im Landkreis gefördert, in Rheinland-Pfalz wurde der Bau von 2432 Wohneinheiten unterstützt.
Kritik an Behörden und Bank
Bauunternehmer Gashi bereut die Entscheidung nicht, die Wohnungen in Weisenheim am Sand mit ISB-Förderung errichtet zu haben. Allerdings sei das Ausfüllen der Anträge zu den Genehmigungsverfahren und die Zusammenarbeit mit der ISB und den Behörden in den vergangenen Jahren nicht immer einfach gewesen: Rund neun Monate habe alleine die Bearbeitung des Förderantrags bei der ISB gedauert, gebaut werden darf erst nach Zusage der Fördermittel. „Und man muss schon über ein gewisses Eigenkapital verfügen, um so ein Vorhaben vorzufinanzieren“, sagt Gashi rückblickend. Die ISB verlangt den Einsatz von 15 Prozent Eigenleistung etwa in Form von Kapital oder bezahltem Grundstück. Die letzte Rate von der ISB gebe es erst nach Fertigstellung des Baus und einer Begehung von Kreisverwaltung und Verbandsgemeinde.
„Die Konditionen klingen toll, aber es gibt auch Nachteile: So habe ich relativ geringe Mieteinnahmen durch die Mietbindung über 30 Jahre“, so Gashi, der nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten im Baugeschäft tätig ist und erstmals mit ISB-Förderung gebaut hat. Die ISB fördere den Bau unter der Prämisse, dass die Wohnungen in dieser Zeit nur an Haushalte vermietet werden, die hinsichtlich Personenzahl und Einkommen berechtigt sind. Die Wohnberechtigung ist in diesem Fall durch einen Wohnberechtigungsschein (WBS) nachzuweisen, die Nettokaltmiete beträgt dann monatlich anfänglich bis zu 6,40 Euro pro Quadratmeter.
Mieter sind meist Familien mit mehreren Kindern
Ein Merkmal für Wohnungen, die als geförderter Wohnraum entstehen, sind die zur Wohnfläche relativ vielen Zimmer. In Weisenheim am Sand verfügt die kleinste Dachgeschosswohnung mit knapp 80 Quadratmetern über drei Zimmer, die weiteren fünf Wohnungen zwischen 90 und 125 Quadratmeter haben zwischen vier und sechs Zimmer, zusätzlich eine fest eingebaute Küche und jeweils zwei Toiletten. Meist gibt es Badewanne und Dusche. Damit eignen sich die Wohnungen hervorragend für Familien, häufig ziehen alleinerziehende Elternteile mit mehreren Kindern ein, weiß Gashi. Bei der Besichtigung im Juni waren von sechs Wohnungen vier vermietet.
Laut Fabian Maier, Pressesprecher der ISB, sorgten die „attraktiven Förderkonditionen“ bei steigenden Baupreisen für eine erhöhte Nachfrage nach Förderanträgen. Während 2020 für den Kreis zwölf Anträge eingingen, waren es zwischen 2021 und 2024 jeweils zwischen vier und sechs Anträge. Bis zum Stichtag 30. Juni liegen der ISB bereits vier Anträge vor.
Staatliche Mietförderung steht vielen zu
Laut WBS-Rechner im Netz steht die staatliche Mietförderung in Deutschland entgegen der Annahme vieler Bürgerinnen und Bürger mehr als 33 Prozent aller Haushalte zu. Die Anzahl Berechtigter nehme in Zeiten steigender Mietpreise zu.
In der VG Freinsheim wurden 2024 20 Wohneinheiten als sozialer Wohnungsbau fertiggestellt: Die Sanierungsträger GmbH der Stadt Freinsheim baute sie in der Erpolzheimer Straße. Damals habe es eine hohe Nachfrage nach Wohnberechtigungsscheinen in der VG gegeben, der Neubau hatte viele Personen interessiert. Dabei stieg die Nachfrage nach Wohnberechtigungsscheinen: Von sechs Anträgen 2021 auf 49 im vergangenen Jahr.
Für das Wohnprojekt im Westring ist die Liste potenzieller Mieter für die zwei unvermieteten Wohnungen lang. Gashi richtet den Fokus dabei auf alleinerziehende Mütter mit Kindern, denen er eine Chance im Westring geben möchte.