Bad Dürkheim Mit der Kunst am Ende
Bei seiner Rede zum Neujahrsempfang hat Dürkheims Bürgermeister Christoph Glogger (SPD) die Kurstadt sogar als Eventstadt gerühmt. Von Kulturstadt sprach er nicht. Ein Stück Kultur könnte tatsächlich wegbrechen, wenn sich beim Kunstverein keine Bewerber für den Vorstand finden und er aufgelöst würde. Schon jetzt gibt es nur ein begrenztes Programm bis zur Mitgliederversammlung im Mai: Keine Ausstellung in diesem Jahr, auch der Limburg-Preis wird wohl nicht vergeben. Viele loben den Verein gerade für seine hochkarätigen Künstler, die er zu den beiden jährlichen Ausstellungen immer wieder in die Provinz holen konnte. Die aktuellen Schwierigkeiten haben unterschiedliche Gründe. Von den fünf Vorstandsposten des Kunstvereins ist schon jetzt einer unbesetzt, im Mai wird nur noch die langjährige Stellvertreterin Lucia Cornelius-Horstmann (62) wieder antreten. Vorsitzender Fred Baumgartner (65) will sich nach zwei Jahren aus privaten Gründen zurückziehen, wie er sagt. Das Problem ist nicht neu und auch kein Alleinstellungsmerkmal: Mit Überalterung haben viele Vereine zu kämpfen. Vor zwei Jahren sah es schon einmal schwierig aus, bevor dann der Rentner und frühere BASF-Chemiker Baumgartner, der Kontakte zur Berliner Kunstszene hat, den Vorsitz von Heidi Gronegger übernahm. Ein Jahr später kündigte er bereits sein Ausscheiden für 2018 an, die Mitglieder rief er mehrfach zur Initiative auf. Passiert ist offenbar nichts. Von den 225 Mitgliedern seien nur „15 bis 20 aktiv“. „Man genießt die Angebote“, sagte Baumgartner im RHEINPFALZ-Gespräch. In der Passivität sieht er einen allgemeinen Trend. Von der Stadt fühlt sich Baumgartner – zumindest ideell – allein gelassen. Scharf kritisiert er vor allem Kulturdezernentin Heidi Langensiepen (FDP), die es in sechs Jahren gerade einmal zu einer Vernissage des Kunstvereins geschafft habe. „Immer hat sie interne Veranstaltungen wie Musikschule als Entschuldigung vorgeschoben. Sind wir denn Externe? Weniger wichtig?“, fragt er provokativ. Auch Bürgermeister Glogger habe „im Wahlkampf das Hohelied der Kultur“ gesungen, sich danach aber „nur noch einmal blicken lassen“. Glogger und Langensiepen sind selbst Mitglied im Kunstverein. Baumgartner beklagt auch die äußerst unterschiedliche städtische Förderung der knapp 180 Dürkheimer Vereine (wir berichteten). Der Kunstverein erhalte jährlich 767 Euro, während etwa das Theater an der Weinstraße, aus dessen Reihen ein früheres Vorstandsmitglied im Kulturbüro der Stadt arbeitet, mit rund 28.000 Euro das 36-fache bekomme. Finanziell stehe sein Verein jedoch gut da, betonte Baumgartner. Der Bürgermeister zeigte sich sehr verwundert angesichts der Vorwürfe. Auf Nachfrage schrieb er, dass man die Zahlen „nicht direkt vergleichen kann, weil es beim Theater an der Weinstraße um Aufbauten auf der Limburg geht, die auch andere Veranstaltungen nutzen“. Dem Verein bot er Gespräche an. Die Dezernentin sagte, sie fühle sich „nicht für jeden Verein im Kulturbereich persönlich verantwortlich“. Städtische Veranstaltungen gingen vor. Und: Das Verhältnis mit Baumgartner sei „nicht einfach“. Eines von zwei Treffen führte zum Streit, wie von beiden zu hören ist. Auch der Limburg-Preis, eine alle drei Jahre vergebene Literatur-Auszeichnung, sorgt für Zündstoff. Die Stadt stiftet das Preisgeld (4000 Euro), der Verein trägt die Organisation sowie weitere 3700 Euro und stöhnt unter der Arbeit, die in der aktuellen Situation nicht leistbar sei, so Cornelius-Horstmann, die sich ansonsten in ihrer Kritik an der Stadt zurückhält. Die Stadt wiederum hält die Attraktivität des seit 1991 existierenden Preises für „überbewertet“. Die frühere Vorsitzende Gronegger verglich allgemein die Arbeit im Vorstand einmal mit einem Eisberg – das meiste sei für Betrachter nicht sichtbar. Auch sie gab auf, weil es ihr zu viel wurde. Und nun? Viele würden einen Untergang des Kunstvereins bedauern, gerade auch Künstler wie Karl Seiter oder der Performancekünstler Wolfgang Sautermeister aus Mannheim, der mit Bad Dürkheim künstlerisch verbunden ist. Er mahnt aber auch „neue Ideen, neue Orte“ an. In der Mitgliederversammlung im Mai wird wohl auch die Kooperation mit dem Kulturverein Wachenheim thematisiert, die bisher eher lose existiert. Eine Fusion sehen weder die Wachenheimer noch die Dürkheimer bislang als Lösung. Gesucht werden Menschen, die sich engagieren wollen und können. Wenn Bad Dürkheim nicht bald ohne Kunstverein sein soll, muss sich etwas tun. Eine Kurstadt „ohne“ fände auch die Kulturdezernentin „etwas peinlich“.