Bad Dürkheim Liebe für alle, Hass für keinen

In einem Jahr, in dem ISIS-Kämpfer für Schlagzeilen sorgen, werden oft alle gläubigen Muslime mit den Radikalen über einen Kamm geschert. Dass der Koran auf keinen Fall zur Gewalt aufruft, erklärt die Ahmadiyya-Gemeinde in Freinsheim, die vergangenen Freitag einen Tag der offenen Tür in ihrer Gebetsstätte veranstaltete.

„Unser Leitmotiv ist Liebe für alle, Hass für keinen“, erklärt Atta-ul-Quddus, Leiter der Ahmadiyya in Freinsheim. Die Ahmadiyya wurde 1889 in Indien gegründet und besteht aus denjenigen, die in „Mirza Ghulam Ahmad“ ihren Messias gefunden haben. Das Verhältnis der Ahmadiyya-Bewegung zum Islam könnte man mit dem Verhältnis von Christen- zu Judentum vergleichen. Während die Christen in Jesus ihren Messias gefunden haben, warten die Juden noch auf ihren. Ähnlich könnte man die Verbindung der Ahmaddiya zum übrigen Islam betrachten. Wie die Christen die Tora der Juden als Teile ihres Alten Testaments predigen, das durch die Geschichten um Jesus Christus im Neuen Testament erweitert wird, leben die Anhänger der Ahmadiyya-Gemeinde nach den Regeln des Islams, die durch die Lehren von „Mirza Ghulam Ahmad“ vervollständigt werden. In Deutschland gibt es insgesamt ungefähr 35.000 Anhänger ihres Glaubens. Diese Zahl nimmt nach Aussage von Atta-ul-Quddus stetig zu, was an Konvertierten aber hauptsächlich an den Leuten aus Pakistan liegt, die wegen der Diskriminierung in ihrem Land in liberalere Staaten umsiedeln. In Deutschland fühlt sich die Ahmadiyya sehr wohl, weil die Leute sehr tolerant seien. Genau deshalb sind sie auch nach Deutschland gekommen, denn Werte wie Toleranz oder Rechte wie Religionsfreiheit machen es für die Gemeinde zu einem sehr guten Zuhause. „Die Religion ist strikt vom Staat getrennt, was auch wir in unserer Gemeinde predigen, und die Toleranz gegenüber anderen ist ein Grundwert in der deutschen Gesellschaft, genau wie in unserer Religion“, erläutert Atta-ul-Quddus. Um sich in der Mitte der Gesellschaft zu integrieren, wird einiges getan. So ist die Ahmadiyya jedes Jahr in Karlsruhe auf einer dreitägigen Messe vertreten, es gibt verschiedene Charity-Veranstaltungen, Putzaktionen und am 26. Oktober kommt es in Freinsheim zu einer Baumpflanzaktion. Die Ahmadiyya wirbt dafür mit einem ihrer Leitsätze: „Die Liebe zum Land ist Teil unseres Glaubens.“ „Wir sind Deutschland gegenüber immer loyal“, sagt Atta-ul-Quddus und erzählt die Geschichte eines Ahmadiyya-Anhängers, der für die Bundeswehr in Afghanistan gegen Muslime gekämpft hat. Aus seiner Sicht lehren radikalisierte Islamisten den Islam falsch: „Sie predigen Dinge, die in dieser Weise gar nicht im Koran stehen, um mit ihnen ihren politischen Willen durchzusetzen.“ (awe)

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