Dackenheim
Lange Debatte um Ausbau der K2 mit neuer Bahnbrücke
Anlass war der Erörterungstermin im Planfeststellungsverfahren, der wegen der großen Anzahl an Einwendungen – laut LBM waren es rund 160 – in der Salierhalle stattfand (wir berichteten am Dienstag). Gekommen waren am Donnerstag rund 70 Bürger. Etwa zehn meldeten sich immer wieder zu Wort und versuchten, die Argumente der Planungsvertreter zu widerlegen. Beispiel Bahnbrücke, die 1914 erbaut wurde: Sie soll nach Angaben von Sebastian Ottrembka (Deutsche Bahn) durch eine Standard-Konstruktion ersetzt werden, wie sie zuletzt in Erpolzheim aufgebaut wurde. Eine reine Sanierung sei dagegen nicht wirtschaftlich. Die Breite und Höhe des neuen Bauwerks ergebe sich letztlich durch die Anforderung des LBM an die Straße.
Hier gibt es nach Meinung des Speyerer LBM-Leiters Martin Schafft nicht nur wegen der Instabilität der Lösshohl „dringenden Verbesserungsbedarf“. So sei Gegenverkehr erst sehr spät erkennbar. Die Straße werde mit einer Breite von sechs Metern geplant, dies reiche für den Begegnungsverkehr, wenn dieser seine Geschwindigkeit entsprechend anpasse. Um gängigen Richtlinien beim Straßenbau zu entsprechen, müsse die Trasse etwa einen Meter tiefer gelegt werden. Damit werde eine Durchfahrtshöhe unter der Brücke von 4,50 Meter erreicht. Derzeit sorgt die nur 3,70 Meter hohe Bahnbrücke dafür, dass Brummis keine Chance haben, aus Richtung Süden in den Ort zu fahren – was den Dackenheimern aber gerade recht ist.
Ein Schildbürgerstreich?
„Die Befürchtungen, dass wir für jeden Verkehr eine befahrbare Verbindung nach dem Ausbau der K2 bekommen, ist nicht der Fall“, bekräftigte Schafft. Das sieht insbesondere die Bürgerinitiative Dackenheim anders. Deren Vorsitzender Matthias Fankhänel hält es nicht für notwendig, „dass die Brücke 4,50 Meter haben muss“. Bahnvertreter Ottrembka hat jedoch Sicherheitsbedenken, wenn die Brücke zu niedrig gebaut wird und es dadurch wieder zu Schäden an dem Bauwerk kommt. Aus Sicht von Martin Schafft, der die Gesamtkosten für das Projekt auf drei Millionen Euro schätzt, käme es einem „Schildbürgerstreich“ gleich, wenn man eine Hilfskonstruktion bauen würde, die keinen Bestand in der Zukunft habe.
Bürgerinitiative sieht Eingriff in Lösshohl-Struktur
Hans Friedrich kritisierte, dass man mehrmals auf notwendige Pflegemaßnahmen für die Lösshohl aufmerksam gemacht habe, aber nichts passiert sei. Womöglich hätte man ein Eingreifen in die Struktur der Lösshohl damit verhindern können. Das Naturdenkmal Lösshohl ist inzwischen in seiner Stabilität gefährdet, wie der Hangrutsch vom Sommer gezeigt hat.
Aus Sicht des LBM sowie der Struktur- und Genehmigungsdirektion entstehen durch die Variante, die ein Versetzen der linken Steilwand (Richtung Dackenheim) nach Südwesten vorsieht, keine Nachteile für das Landschaftsbild. Das sieht die Bürgerinitiative anders.
Kommentar: Harter Schlagabtausch
Um die 460 Meter auf der K2 in
Dackenheim auszubauen,
brauchen die Behörden noch
einen langen Atem.
Die Dackenheimer Bürger haben sich am Donnerstag mit den Vertretern von LBM und der Bahn einen harten Schlagabtausch geliefert. Ob die mit etwas über 400 Einwohnern kleinste Gemeinde im Landkreis sich aber gegen die mächtigen Planungs- und Genehmigungsbehörden durchsetzen kann? Der LBM, so wurde am Donnerstag schnell deutlich, wird nach dem Motto „Wenn Ausbau der K2, dann aber auch richtig“ nicht von seinen Richtlinien bei der Planung abrücken. Dies will die Bürgerinitiative aus Angst um den Erhalt der Lösshohl und die Zunahme des Schwerlastverkehrs unbedingt verhindern.
Der Planfeststellungsbeschluss für das Millionenprojekt soll zur Jahresmitte 2022 vorliegen. Es dürfte bereits jetzt schon klar sein, dass die Bürgerinitiative auch vor dem Klageweg nicht zurückschrecken wird, um das Projekt in seiner jetzigen Form zu verhindern.