Im Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Krisengespräch über Zugausfälle in der Pfalz

Der Schülerverkehr (hier am Dürkheimer Bahnhof) ist besonders von den Ausfällen betroffen.
Der Schülerverkehr (hier am Dürkheimer Bahnhof) ist besonders von den Ausfällen betroffen.

Die Zugausfälle bei der Deutschen Bahn haben ein Nachspiel: Wie der ÖPNV-Zweckverband Rheinland-Pfalz Süd auf Anfrage mitteilte, werde es deswegen noch vor Weihnachten ein Krisengespräch mit der Bahn geben. Für den Zweckverband haben die Ausfälle mittlerweile ein „unerträgliches Maß“ angenommen.

„Wir wollen uns aufzeigen lassen, wie die Bahn mit den Ausfällen umgeht“, erläuterte der Pressesprecher des in Kaiserslautern sitzenden ÖPNV-Zweckverbands, Fritz Engbarth, auf Anfrage. Seit Mitte September kommt es in der Pfalz zu vielen Zugausfällen mit großen Auswirkungen auf den Schüler- und Berufsverkehr. Die Bahn begründet die Zugausfälle meist mit kurzfristigen Krankmeldungen des Zugpersonals sowie mit technischen Fahrzeugstörungen.

„Eine Resolution an die Deutsche Bahn wäre zumindest mal einen Gedanken wert“, meinte Horst Bäuml (Grüne) im Vorfeld des ÖPNV-Ausschusses im Kreis Bad Dürkheim diese Woche. „Dem Kreis sind die Hände gebunden“, entgegnete Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) in der Sitzung. Es sei auch für den Busverkehr nicht möglich, die vielen Zugausfälle zu kompensieren. Der Landrat verwies darauf, dass der ÖPNV-Zweckverband, dem der Kreis angehört, sich des Themas angenommen habe.

„Eklatanter Mangel“ an Lokführern

Wie Pressesprecher Fritz Engbarth erläuterte, wolle der Verband noch im Dezember mit Bahnvertretern das Gespräch suchen. Es sei bekannt, dass die Bahn in der Region Worms, Frankenthal, Neustadt einen „eklatanten Mangel“ an Lokführern habe. „Wir wollen uns jetzt aufzeigen lassen, wie die Bahn damit umgeht“, erläuterte Engbarth. Aufgrund dieses Mangels könne die Bahn kaum gegensteuern, wenn es zu Häufungen von kurzfristigen Krankmeldungen komme. Es sei sehr ärgerlich, dass insbesondere der Schüler- und Berufsverkehr davon betroffen ist. Die Zugausfälle hätten auch Vertragsstrafen für die Bahn zur Folge, erläuterte Engbarth.

Die meisten Verträge mit DB-Regio abgeschlossen

Der Zweckverband kümmert sich um die ÖPNV-Angebote auf der Schiene und Straße und deren Vermarktung. Zu diesem Zweck schließt er Verträge mit Verkehrsunternehmen ab, die dann diese Strecken bedienen. Mit der DB Regio hat der Verband die meisten Verträge abgeschlossen. Sie wurden 2015 unterschrieben und haben eine Laufzeit von 22 Jahren und sechs Monaten.

Die Zugstreichungen, die die DB Regio aufgrund der Krankheitsfälle vorgenommen habe, seien nicht mit dem Zweckverband abgestimmt gewesen, erklärte Engbarth. Ständige kurzfristige Ausfälle könnten keine Lösung sein. „Vor der Corona-Pandemie kannten wir so etwas in dieser Form auch noch nicht“, verdeutlichte der Verbandssprecher.

Keine Züge zwischen Monsheim und Grünstadt

Aufgrund der Personalprobleme hatte sich die Bahn im Herbst sogar zu einer längerfristigen Maßnahme entschlossen. So hatte das Unternehmen Anfang November angekündigt, das Zugangebot auf der Strecke von Frankenthal über Grünstadt nach Monsheim vom 6. November bis 31. Dezember deutlich zu reduzieren. Zwischen Frankenthal und Grünstadt fällt rund die Hälfte der Züge weg, zwischen Monsheim und Grünstadt fahren sogar überhaupt keine mehr. Die Bahn begründete diese massive Verschlechterung des Angebots mit dem hohen Krankenstand. Als Ersatz für die ausfallenden Züge werden Busse im Stundentakt eingesetzt. Auch auf dem Abschnitt von Frankenthal nach Freinsheim werden die ausfallenden Züge durch Busse ersetzt.

Bei dem Krisengespräch im Dezember werde die DB Regio, aber auch die DB Netz die Frage beantworten müssen, ob und ab wann das staatliche Unternehmen überhaupt in der Lage sei, die vertraglich vereinbarten Verkehrsleistungen zu erbringen, so der ÖPNV-Zweckverband in einer Stellungnahme. Angesicht der Inbetriebnahme des Kreuzungsbahnhofs in Kirchheim, der aus Nahverkehrsmitteln für Landesprojekte bezahlt wurde, bedeuteten die Zugausfälle einen erheblichen Rückschlag im Bemühen, Fahrgäste zum Umsteigen auf die Schiene zu bewegen.

Probleme in der Pfalz dem Bahnchef geschildert

Wegen der zahlreichen Zugausfälle und „der insgesamt mangelhaften Qualität“ im Personenverkehr hat sich der Germersheimer Landrat Fritz Brechtel (CDU) an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Richard Lutz, gewandt. „Die Personalsituation bei der DB Netz ist ein Dauerbrenner, der für die Kundinnen und Kunden unerträgliche Maße annimmt. Schon seit vielen Monaten fallen in der Pfalz Züge aus, weil das für die Steuerung vieler Strecken im südlichen Rheinland-Pfalz zuständige Stellwerk in Neustadt unterbesetzt ist“, schreibt Brechtel, der Vorsitzender des ÖPNV-Zweckverbands ist.

Brechtel forderte von der Deutschen Bahn, ein stärkeres Bemühen, um den Personalbestand für die Stellwerke in Ludwigshafen und Neustadt zu vergrößern. Gleichzeitig müsse mit Blick auf die dauerhaft hohe Krankheitsquote den Ursachen intensiv nachgegangen werden.

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