Bad Dürkheim Krimiautor Matthias Melich: „Hier kannste einen sterben lassen“
„Nur Golf spielen und Shoppingkanal war mir zu wenig“, stellt der gut gelaunte Anfangssechziger gleich am Anfang des Gesprächs klar. Das Schreiben scheint für Melich Lebenselixier zu sein. Und Lebensthema: Geboren in Mönchengladbach, studierte er englische Philologie und Mathematik in Rochester, New York und Köln. Anschließend legte er seine Promotion über computergestütztes Lernen ab. Beruflich verschlug es ihn in den Kraichgau zur SAP. Auf Literaturtheorie und wissenschaftliches Schreiben folgte die technische Seite mit dem Verfassen von Dokumentationen, Broschüren und Marketingberichten.
Erstlingswerk „Blutige Spätlese“
Nach 30 Jahren im Softwarekonzern ist er nun im nach eigener Aussage „sorgenfreien Ruhestand“. Seit 2019 widmet sich Melich dem literarischen Schreiben. Dabei hat er seine Heimat Malsch, den idyllischen Wein- und Wallfahrtsort zwischen Heidelberg und Karlsruhe, zum Literaturort geadelt. Ganz nach seinem Motto: „Hier isses schön, hier kannste einen sterben lassen.“ Auf der konzerneigenen Kabarettbühne „SAParett“ war Melich bis zur Pandemie als Mitglied eines Kleinkunst-Ensembles zu Hause, doch als Corona zuschlug und die Vorstellungen ausfielen, besann er sich auf ein früher angefangenes Krimi-Manuskript. Daraus wurde sein Erstling „Blutige Spätlese“, erschienen 2021. Melich lässt hier sein Alter Ego Tobias Stetten und Polizist Dominik Fuchs im regionalen Umfeld von Tennisclub, Karneval, Kirche, Wallfahrt und Wein ermitteln.
Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Seine Familie unterstützt ihn tatkräftig: Ehefrau Ines als Erstleserin und „schärfste Kritikerin“, ehemalige Kollegen mit Lektorat, Covergrafik und Fotos, Social Media, Marketing und Verkauf. Mit Lust am Fabulieren lebt der spätberufene Krimiautor seine Kreativität aus, ist Mitglied der Heidelberger Autoren-Community und genießt „viele neue soziale Erfahrungen“ auch außerhalb von Tennis- und Golfclub.
Interaktive Lesungen
2022 lernte der Hobbyautor über familiäre Ecken Christine und Gerald Spieler kennen. Beide sind Inhaber der „Genussfreunde“, einer Event-Agentur für Wein, Kultur und Genuss in Baden und der Pfalz. Man tat sich zusammen für gemeinsame Projekte. Seit 2023 organisieren die Spielers Melichs Lesungen, die zugleich Weinproben sind und mit Ratespielen und Fragen ans Publikum interaktiv daherkommen. So ist der Autor zum literarischen Zugpferd geworden für den guten Zweck. Den Erlös seiner Lesungen und Buchverkäufe – in drei Jahren um die 10.000 Euro – stellt Melich dem Verein „Ein Kiwi gegen Krebs“ zur Verfügung.
Im Mittelpunkt seiner Dürkheimer Lesung steht sein zweiter Kraichgau-Thriller „Tödliche Nachlese“, erschienen 2024, der wie sein Vorgänger überaus psychologisch daherkommt. Viele eigene Erlebnisse und Erfahrungen hat der Autor in seinen Büchern „verbaut“, wie er sagt. Und so darf man sich freuen auf einen unbekannten Killer und spannende Szenen mit Gruseleffekt im Umfeld der Golfanlagen Hohenhardter Hof und Sankt Leon-Rot.
Einen dritten weinseligen Krimi mit autobiografischen Bezügen hat Melich bereits im Hinterkopf. Doch erst lockt das Tonstudio: „Blutige Spätlese“ will der Autor bis Mitte des Jahres als Hörbuch selbst einsprechen.
Termin
Samstag, 15. Februar, 17 Uhr, Hotel-Restaurant Fronmühle: Benefiz-Krimilesung mit Matthias Melich mit moderierter Weinprobe von Weinen der Weingüter Pfeffingen, Wolf (Ungstein) und Walther Blaul (Großniedesheim) sowie Buch- und Weinverkauf zugunsten des Vereins „Ein Kiwi gegen Krebs“. Ab 19 Uhr Möglichkeit zum Dinner. Tickets für 35 Euro (Lesung und Weinprobe) gibt es ausschließlich über die Webseite www.genussfreunde.online.
Zur Sache
Der Verein „Ein Kiwi gegen Krebs“ wurde 2018 von Tatjana Radetzky in Ladenburg gegründet, um Spendengelder für die Hirntumorforschung am Hopp-Kindertumorzentrum (KiTZ) in Heidelberg zu sammeln. So kamen in sechs Jahren bereits 200.000 Euro zusammen. Radetzky ist selbst Mutter eines Sohnes, der mit knapp zwei Jahren an einem Hirntumor verstarb. Namensgeber und Maskottchen von „Ein Kiwi gegen Krebs“ ist der neuseeländische Wappenvogel in plüschigem Kiwigrün.