Bad Dürkheim Klezmer-Musik verführt zum Mitwippen

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Mit einem volkstümlichen Klezmer-Konzert hat das Ensemble „Shoshana“ am Sonntagabend das Publikum in der voll besetzten ehemaligen Synagoge in Weisenheim am Berg in helle Begeisterung versetzt.

Die chassidischen Tänze sind voll Temperament und spiegeln die ganze Bandbreite der Gefühle wieder. Nach einem oft melancholischen Auftakt wechseln sie zu überschäumender Lebensfreude. Mit ihrer kraftvoll und energisch gestrichenen Violine lässt die gebürtige Ungarin Svetlana Yudelevych das Publikum daran teilhaben. Sie wurde in Kiew als Orchestermusikerin ausgebildet. Zur Seite steht ihr Ensembleleiter Leonid Norinsky mit seinem Knopfakkordeon. Er stammt aus der Ukraine und hat an der Kiewer Musikhochschule studiert. Seine Tochter Ina benutzt in der Rolle der Percussionistin wechselnde Instrumente. Die Familie lebt in Dessau, wo Leonid Norinsky im Frühjahr 2004 das aus drei Musikern bestehende Ensemble „Shoshana“ gründete. Er arrangiert auch die Musikstücke. Die Klezmer-Musik stammt aus dem jiddischsprachigen Osteuropa und umfasst Tanzmusikstücke von schnellem bis langsamen Tempo. Ursprünglich wurden die Stücke bei Dorffesten und Hochzeiten gespielt. Am bekanntesten sind die Frejlechs, fröhliche Tanzstücke im Zweivierteltakt. Schon bei den ersten Liedern springt in der ehemaligen Synagoge der Funke aufs Publikum über. Die Zuhörer genießen die Darbietung und wippen mit den Fußspitzen die Rhythmen mit. Das Ensemble überrascht das Publikum mit der Aufforderung, doch mitzusingen. Dies ist bei einem „Nigun“ ganz einfach möglich, da die Melodie Freude ausdrücken soll und daher von schlichten Wortsilben begleitet wird. So stimmt das Publikum begeistert mit „Bum-bam-bam“, „Ai-ai-ai“ und „Oj, oj, oj“ in den Vortrag des Ensembles ein. Zeitweilig fühlt man sich in einen ukrainischen Schtetl der Zarenzeit versetzt, wie er vielen aus dem erfolgreichen Musical „Anatevka“ wohl noch in Erinnerung ist. Unterstützt wird dieser Eindruck auch durch die jiddisch gesungene Ballade „Di grine Kuzine“, einem Klezmer-Klassiker aus dem Jahr 1921, über ein russisch-jüdisches Einwanderermädchen in Amerika. Für ihren charmanten Vortrag hat sich Ina Norinska zunächst als strahlendes junges Mädchen verkleidet, um sich zum Schluss in eine verhärmte Dienstmagd zu verwandeln. Zu jedem Lied zaubert sie außerdem immer wieder neue Percussion-Instrumente hervor. Ihre Moderationen lockert sie zudem mit beliebten jüdischen Witze auf. Im zweiten Teil des Konzerts gelingt dem Trio „Shoshana“ noch einmal eine Steigerung im Vortrag der temporeichen Frejlechs. Geige und Akkordeon scheinen sich gegenseitig überbieten zu wollen. Zu einem Paradestück gerät das traditionelle „7 Uhr 40“, bei dem es um die Abfahrt eines Zuges geht, der immer schneller in Fahrt kommt. Hier spielt Ina Norinska noch einmal ihr komödiantisches Talent aus und bearbeitet ebenfalls in atemberaubender Geschwindigkeit die Klangstäbe. Auch die Zugabe wird zu einem Kabinettstückchen. Beim „Ungarischen Tanz“ von Brahms dreht sie dem Publikum den Rücken zu, verkleidet als Dirigent mit wippenden Frackschößen. Zur großen Begeisterung der Zuhörer verwandelt das Ensemble dieses Stück ebenfalls in Klezmer-Musik.

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