Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Katrin Geelvink mit ihrem Musikkabarett „Träum weiter …!“ in der Ludwigskapelle

Katrin Geelvink ist diplomierte Orchestermusikerin mit langjähriger Konzerterfahrung. In der Ludwigskapelle punktete sie aber in
Katrin Geelvink ist diplomierte Orchestermusikerin mit langjähriger Konzerterfahrung. In der Ludwigskapelle punktete sie aber in erster Linie mit ihrem komödiantischen Talent.

Sanft wegdämmern – Fehlanzeige. Mit ihrer musikalisch-kabarettistischen Therapie gegen Schlaflosigkeit erreichte Katrin Geelvink am Samstagabend in Wachenheim genau das Gegenteil. Das Publikum war hellwach und vollends begeistert.

Die vielseitige Künstlerin mit ihrem Soloprogramm „Träum weiter …!“ zu verpflichten, bedeutete für die „Wachenheimer Serenade“ nicht nur ein neues Format, es war auch ein überaus gelungener Schachzug. Denn Katrin Geelvink bewegte sich intellektuell auf sehr anspruchsvollem Niveau, schlug in ihren durchweg im Sprechgesang vorgetragenen, mitunter recht subtilen Texten auch selbstkritische Töne an und verstand es, die mehr als hundert Besucher in der Ludwigskapelle bei den interaktiven Beiträgen zumindest ansatzweise aus der Reserve zu locken.

Die diplomierte Orchestermusikerin mit langjähriger Konzerterfahrung begnügte sich nicht mit einem herkömmlichen Cello. Nein, eine Campanula musste es sein, ausgestattet mit 16 verstärkenden Resonanzsaiten. Sie nutzte das Instrument – mal streichend, mal zupfend, mal kratzend – zur effektvollen lautmalerischen Untermalung ihrer lebensnahen „Mikrodramen“ und entlockte ihm auch klassische Töne – etwa aus der Puccini-Oper „Tosca“ bei der Hommage an eine zartschmelzende Praline, während die Entspannungstipps von „Geheimwaffe Ludmilla“ rhythmisch mit Ravels „Bolero“ unterlegt waren. Und zum Auftakt der zweiten Hälfte kamen einige Takte von Schumanns berühmter „Träumerei“ – Schnarchgeräusche inklusive – zu Ehren.

Bemerkenswerte Wandlungsfähigkeit

Neben den musikalischen Kabinettstückchen war es in erster Linie das komödiantische Talent, mit dem Katrin Geelvink zu punkten wusste. Ihre Körpersprache und ihr Gesichtsausdruck waren ebenso von bemerkenswerter Wandlungsfähigkeit wie ihr stimmliches Potenzial, das sich über mehrere Oktaven erstreckte. Und nicht zu vergessen ihre Vorliebe für verschiedene Dialekte. Norddeutsch zu snacken fiel ihr fast genauso leicht wie pälzisch zu babble. Klar, ihre Wurzeln konnte und wollte die in Mutterstadt aufgewachsene Künstlerin nicht verleugnen. Ihre neue Heimat Hagen, das „Tor zum Sauerland“ mit Umsteigebahnhof, ist nach eigenem Bekenntnis nur schwer zu ertragen. Dann schon eher Haßloch.

Was unternimmt Katrin Geelvink in ihrer 90-Minuten-Performance nicht alles, um sich von ihren Schlafstörungen zu befreien und in süßen Träumereien der Realität zu entrücken. Schäfchen zählen allein genügt nicht. Da bedarf es schon der vermeintlich professionellen Hilfe eines Betreuungsinstitutes. Ein bisschen Schlaflyrik gefällig? Die Geschichte von der kleinen Spinne, die die Fliege zum Fressen gern hat, war zum Einlullen eine Spur zu aufregend. Dann schon eher die Beziehungskiste. Wer sich von Sören betören lassen will und damit einen nordischen Schrank mit lockeren Schrauben assoziiert, landet postwendend bei Ikea – getreu dem Motto „Träumst du schon oder schläfst du noch.“

Musikalisches Fachvokabular

Mit einer gehörigen Portion Esprit und musikalischem Fachvokabular spickte die Künstlerin die Schilderung eines Rendezvous mit einem „fliegenden Holländer“ – ganz vivace und in Dur, aber ohne ein Dacapo. Die Königin der Nacht verwandelte sich in ein Dornröschen. Harter thematischer Schnitt zu dem ironischen Chanson über die Frau in Führungsposition, die sich anpasst und auch über Chauvi-Witze lachen kann. Katrin Geelvinks Aufforderung, die klassischen Grenzen des Zuhörers zu sprengen und sich als Frau zu artikulieren, kam die Männerwelt in der Kapelle nur sehr zaghaft nach.

Im Reich der Träume angesiedelt waren die in einen humoristischen Song gekleideten Versuche, mit einer strengen Diät das Hüftgold zu reduzieren. Ernüchternde Erkenntnis: „Der Sommer kam fünf Monate zu früh.“ Einen krachenden Heiterkeitserfolg landete die Musikkabarettistin, die die Größe besitzt, sich selbst auf den Arm zu nehmen, mit ihrer Zugabe vom Verhältnis mit einem Vertreter für Hygieneartikel, an den sie immer nur auf dem Klo denken muss. Fazit des Abends: Keine Zeit zum Träumen – schlaflos in Wachenheim.

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