Herxheim am Berg
Jakobskirche: Hakenkreuze entfernt
Die Jakobskirche war 2017 wegen ihrer Glocke mit der Aufschrift „Alles fuer’s Vaterland – Adolf Hitler“ in die Schlagzeilen geraten. In einem umstrittenen Beschluss entschied der Gemeinderat im März 2018, diese nicht aus dem Turm zu entfernen. Sie wird aber nicht mehr geläutet.
Doch auch am Äußeren des Gotteshauses hat die Nazi-Zeit Spuren hinterlassen: 1934 hatte ein Handwerker bei Ausbesserungsarbeiten zwei Hakenkreuze in den Kirchturm gemeißelt. Anders als bei der Glocke habe es aber bei den Hakenkreuzen innerhalb der Kirchengemeinde relativ schnell Einigkeit gegeben, dass diese entfernt werden müssten, sagt der jetzt für Herxheim zuständige Pfarrer Oliver Herzog. Allerdings habe dem die Auffassung des Landesdenkmalamts entgegen gestanden, wonach Relikte aus der Nazi-Zeit nicht einfach aus dem öffentlichen Raum verschwinden dürften. Eine Genehmigung der Landeskirche, die zugleich als untere Denkmalschutzbehörde fungiert, machte die Entfernung bereits im September möglich. Industriekletterer hätten die Symbole entfernt, sagt der Presbyteriumsvorsitzende Martin Krauß.
Belastendes Erbe
Doch warum wurden die Nazi-Symbole an der Kirche, der wegen ihrer Glocke selbst die New York Times eine große Geschichte gewidmet hatte, ohne Informationen an die Öffentlichkeit entfernt? Aus seiner Sicht sei die Maßnahme im Zusammenhang mit dem geplanten Gedenkort zu sehen. Dieser soll vor der Jakobskirche entstehen. Dass nun die Hakenkreuze verschwunden sind, sei ein erster Schritt gewesen, aber „nicht der Punkt, an dem wir öffentlich etwas präsentieren können“, erklärt Herzog. Davon, dass etwas im stillen Kämmerlein vertuscht werden solle, könne aber keine Rede sein: Die Kirchengemeinde habe Handlungsbedarf gesehen und entsprechend gehandelt. „In Herxheim will sich niemand mehr wegducken“, betont Herzog. Darüber, dass die Glocke als Symbol an die Gräueltaten der Nazi-Zeit erinnern soll, bestehe in der Gemeinde Einigkeit. Allerdings habe der Gemeinderat entschieden, dass dieses Gedenken vor Ort und nicht etwa in einem Museum stattfinden soll.
Bei der Landeskirche in Speyer wertet man die Entfernung der Hakenkreuze vom Turm als ersten Schritt im „gesamten Prozess, mit den Zeugnissen belastenden Erbes offen umzugehen“. Diesen Weg wolle man entschlossen einschlagen und begleiten. Die Landeskirche respektiert die Entscheidung, die Glocke im Turm hängen zu lassen, möchte aber statt der provisorischen Mahntafel auf dem Platz vor der Kirche einen Gedenkort einrichten, der zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema „Kirche im Nationalsozialismus“ anregen soll. Dazu gebe es erste Überlegungen, die aber noch nicht spruchreif seien, heißt es aus Speyer. Ein solcher Ort wolle gut durchdacht sein. Geplant ist unter anderem ein Wettbewerb, für den sich Künstler – ausdrücklich auch jüdischen Glaubens – bewerben können. Zudem soll der Historiker Roland Paul historisch problematische Zeugnisse aus der Geschichte der Landeskirche aufarbeiten und eine Dokumentation erstellen – dazu sollen Relikte aus der Nazi-Zeit ebenso wie solche aus dem Kaiserreich zählen. Wie Pfarrer Herzog sagte, verzögert aber nicht nur die Pandemie, sondern auch der bauliche Zustand des Gotteshauses in Herxheim die Pläne für einen Gedenkort. Aufgrund von Rissen im Mittelteil der Kirche könne die Sanierung nicht so ablaufen wie ursprünglich geplant. Ein Erinnerungs-, Gedenk- und Mahnort könne jedoch erst nach Abschluss der Sanierungsarbeiten an Kirche und Gelände „final seinen Platz finden“, heißt es dazu von der Landeskirche.
Initiative fordert öffentliche Glockenpräsentation
Nicht alle sind mit der Entscheidung einverstanden, die Glocke im Turm zu lassen. So fordert eine Initiative um den Gönnheimer Pfarrer im Ruhestand Richard Eberle und den Kirchenmusiker Ulrich Loschky, dass die Glocke als „erinnerungspädagogisches Lernobjekt“ allgemein zugänglich präsentiert wird, um „die fatale Anbiederung der protestantischen Kirche an die Nazi-Ideologie zu dokumentieren“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. „Wenn ich etwas lernen will, brauche ich dafür einen Gegenstand“, betont Loschky. Es gebe tolle Beispiele wie das niedersächsischen Faßberg, wo eine Glocke aus der Nazi-Zeit abgehängt wurde und jetzt im Gemeindezentrum öffentlich präsentiert wird.
