FREINSHEIM RHEINPFALZ Plus Artikel Historische Gebäude: Da braut sich was zusammen

Das im 15. Jahrhundert erbaute Haintor steht immer noch. Gegen Feuer, Leitungswasserschäden und Sturm ist der Turm versichert.
Das im 15. Jahrhundert erbaute Haintor steht immer noch. Gegen Feuer, Leitungswasserschäden und Sturm ist der Turm versichert.

Müssen die historisch wertvollen Gebäude Freinsheims besser vor Unwetterschäden geschützt werden? Viele trotzen zwar seit dem Mittelalter dem Unbill von oben, aber der Klimawandel könnte auch ihnen schaden. Höchste Zeit also zu handeln?

Das letzte starke Unwetter verschonte die Region nur knapp: In Worms hatten am Dienstagabend Hagel und Wassermassen erhebliche Schäden verursacht. Es gab starke Schäden an Bäumen und Autos, aber auch an öffentliche Gebäuden wie dem Klinikum auf der Herrnsheimer Höhe und der Paternusschule in Pfeddersheim. Entsprechend brandaktuell war denn auch, über was der Freinsheimer Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstag befinden sollte: eine Elementarversicherung für die städtischen Gebäude.

Seit drei Jahren schieben die politischen Gremien das Thema vor sich her. Jetzt sollte endlich darüber abgestimmt werden. Bereits abgesichert sind die Liegenschaften der Stadt über die Gebäude- und Hausratsversicherung. Auch Sturm- und Hagelschäden sind hierüber versichert. Bei Elementarschäden kämen noch Überschwemmungsfälle hinzu oder Erdrutsche. Dass automatisch auch Schäden durch Lawinen, Erdbeben und Vulkanausbrüche unter die Elementarversicherung fallen, sorgte im Ausschuss für ungläubiges Schmunzeln.

Für Thomas Krüger (FWG) war die Sache klar: „Wenn ich mir als Privatmann so eine Versicherung leisten kann, kann ich das machen. Wenn ich kein Geld habe, gehe ich das Risiko ein.“ Wobei im Falle der Stadt Freinsheim doch eher Letzteres zutreffe. Außerdem würden die Türme und Tore die Altstadt seit dem Mittelalter unerschütterlich prägen. „Welche Fälle hätte man denn über die Versicherung in 500 Jahren abrechnen können?“, fragte er in die Runde und erntete dafür einige Lacher. Silvia Schmitz-Görtler (Grüne) mahnte zur Ernsthaftigkeit, denn schließlich habe ja erst vor vier Jahren ein Tornado in Bobenheim gewütet. „Gerade wenn man kein Geld hat, um Elementarschäden zu beseitigen, sollte man sie sich vom Hals schaffen“, meinte Klaus Schmitz (Grüne). Die älteren Ausschussmitglieder brachten das Unwetter von 1959 in die Diskussion ein. Damals habe es große Hagelschäden in Freinsheim gegeben. Für Christian Muly (SPD) war denn auch nur der Überschwemmungsfaktor bei Elementarschäden relevant. „Aber erarbeiten wir nicht gerade ein Hochwasserschutzkonzept?“, stellte er die Notwendigkeit eines Versicherungsabschlusses vor diesem Hintergrund in Frage.

Mit oder ohne Klappe?

Auch die Tatsache, dass die Versicherung bei einer nicht existierenden Rückschlagklappe nicht für Überschwemmungsschäden aufkommen will, machte die Diskussion nicht einfacher – zumal man bislang auch keine Notwendigkeit gesehen hatte, das Eisen- oder Haintor mit so einer Klappe auszustatten. Weitere Fragen: Braucht man eine Selbstbeteiligung? Kann alles auf die Mieter umgelegt werden? Ein regelrechtes Gewitter schien sich im Sitzungssaal zusammenzubrauen. Die Grünen stimmten irgendwann bei den verschiedenen Anträgen gar nicht mehr mit. Klaus Schmitz begründete dies mit der aus seiner Sicht „lächerlichen Summe“ von rund 5600 Euro (ohne Selbstbeteiligung ) oder rund 4000 Euro (mit), über die man sich die Köpfe zerbrach.

Am Ende wurde bei jedem einzelnen der 25 Gebäude auf der Liste über die Notwendigkeit einer Elementarversicherung abgestimmt. Beim Historischen Rathaus, dem Haus Rabendeckel, dem Bürgersaal im Von-Busch-Hof, dem Haus der Jugend sowie der Beethovenstraße 12 gab es eine knappe Mehrheit dafür. Jedoch soll die Verwaltung eine Versicherung auswählen, die auch ohne Rückschlagklappe zahlt.

Aber die Unwetter werden schlimmer.
Aber die Unwetter werden schlimmer.
x