Bad Dürkheim Himmlisches Feldgeschrei

Am Sonntag spielte das Pfälzische Blechbläser-Ensemble in der Protestantischen Kirche in Weisenheim am Berg choralgebundene und freie Musik des 16. bis 20. Jahrhunderts. Der Erlös kommt der Sanierung der Kirchgartenmauer zugute.
Die kleine Kirche erbebte leise unter der Kraft des Klanges von sechs Posaunen, fünf Trompeten, vier Hörnern und einer Tuba – das war das Aufgebot an Blechbläsern des Ensembles. Im schmalen mittelalterlichen Chor standen die Musiker etwas eng – allerdings nicht immer: Nach der festlich schmetternden „Intrada“ (Dieter Wendel) verteilten sie sich bei den beiden Canzoni des venezianischen Komponisten Giovanni Gabrieli auf Chor und Empore. Es ergab sich ein wunderbarer Raumklang – damit pflegte Gabrieli (1557-1612) im weitläufigen heimatlichen Markusdom zu arbeiten. Er verteilte dort einst sogar bis zu acht Musikergruppen. Ganz anders als die frühbarocke Musik Gabrielis ist der Klang des sehr variantenreichen Stückes „Musik für drei Trompeten, vier Hörner, drei Posaunen und Tuba“ des spätromantischen elsässischen Komponisten Leo Justinus Kauffmann (1904-1944). Kontrastierende Rhythmen und differenzierte Klangfarben, erweitert mithilfe des einen oder anderen Dämpfers in den Instrumenten zeigten die Vielseitigkeit des Ensembles. Bekannte Kirchenmusik erklang in den drei „Choralfantasien von Jürgen Pfiester. Er verarbeitet Kirchenlieder wie „Großer Gott, wir loben Dich“ oder „Sollt ich meinem Gott nicht singen“. Pfarrer Helmut Meinhardt nahm letzteres Stück zum Anlass, über Paul Gerhardt, den Dichter dieses und vieler anderer Kirchenlieder, zu sprechen. Meinhardts Lesungen teilten das musikalische Programm in einzelne Abschnitte. Zuvor hatte er schon von Luthers Vorlieben und Urteilen über Musik und Musikinstrumente gesprochen. Luther liebte die Laute, Pauken und Posaunen dagegen mochte er gar nicht, das war für ihn „himmlisches Feldgeschrei“. Vielleicht hat er nie das Vergnügen gehabt, so gute Blechbläser zu hören wie am frühen Sonntagabend in der Weisenheimer Kirche. Im letzten Teil des Konzerts wurde dem Programm etwas Volksmusik oder Weltmusik beigemischt, Zigeunerklänge, Swing, israelische Musik. Zum Schluss wurde es schottisch, das berühmte Abschiedslied „Auld Lang Syne“ erklang. Aber das war dann doch nicht der Schluss. Das Publikum, das die Kirche fast gefüllt hatte, erhielt sich noch eine Zugabe. Das Blechbläserensemble spielte unter der Leitung von Christian Syperek, dem Landesposaunenwart des Landesverbandes der evangelischen Posaunenchöre in der Pfalz. Es ist übrigens ein Irrtum, anzunehmen, dass Posaunenchöre nur aus Posaunen bestehen. So wie bei diesem Ensemble, in dem besonders gute Amateure aus den Posaunenchören zusammen spielen, gehören auch einige andere Blechblasinstrumente dazu. Wer Blechbläser liebt, hat am 12. Juli Gelegenheit, 400 davon zu hören: Ort ist die Landesgartenschau in Landau, Anlass der pfälzische Landesposaunentag. (inki)