Bad Dürkheim
Glasfaserausbau im Kreis: Kein Ende in Sicht
Marcus Brill ist eigentlich ein optimistischer Mensch. Aber dem für die Koordination zuständigen Fachbereichsleiter bei der Stadt Bad Dürkheim ist mit Blick auf den Breitbandausbau die Zuversicht abhanden gekommen. „So sehr wir es uns alle wünschen würden: Es ist nicht absehbar, dass der geförderte Breitbandausbau bis September abgeschlossen sein wird“, sagte Brill diese Woche im Haupt- und Finanzausschuss.
Bockenheim: „Sieben Spezialfälle“
Bis dahin muss Inexio mit den Arbeiten für den sogenannten Kreiscluster fertig sein, um noch Fördergeld von Bund und Land zu bekommen. Zuvor muss das Unternehmen zwei Gemeinden ganz ans Glasfasernetz angeschlossen haben. So sieht es der geänderte Zuschuss-Vertrag vor. Zunächst wollte Inexio zum Jahresende Bockenheim ans Netz bringen. Während die Firma ihre Leistungen erfüllt sieht, spricht Bockenheims Bürgermeister von mehreren Anschlüssen, die noch nicht am Netz seien. Aus Sicht von Inexio-/Deutsche Glasfaser-Pressesprecher Thomas Schommer seien dies aber nur sieben Spezialfälle, von denen nur einer von Inexio verschuldet sei. Eine abschließende Beurteilung seitens des Kreises liegt noch nicht vor. Bis Ende März muss eine weitere Gemeinde ans Netz gehen, damit die Zuschüsse bis September weiter fließen.
Im Stadtgebiet von Bad Dürkheim seien derzeit 80 Prozent der Tiefbauarbeiten abgeschlossen, erklärte Brill. Was vielleicht gar nicht so schlecht klingt, hat einen gewaltigen Haken: Zentrale Achsen wie Mannheimer Straße, Schillerstraße und Karl-Räder-Allee fehlen noch. In der Schillerstraße dürfe aber im Juni und Juli wegen des Shuttleverkehrs zum Limburgsommer nicht gearbeitet werden, sagte Brill im RHEINPFALZ-Gespräch. „Außerdem wissen wir von vielen Bereichen, in denen zwar Leerrohre liegen, aber die Hausanschlüsse noch nicht gemacht sind.“ Weiteres Problem: Die als zuverlässig geltende Tiefbaufirma Dasenbrock arbeitet nicht mehr für Inexio – zumindest derzeit nicht. Wie es aus der Firma heißt, habe das Unternehmen seine vertraglichen Verpflichtungen erfüllt. Weitere Arbeiten müssten mit Inexio neu verhandelt werden. Das bestätigt das Unternehmen: Dasenbrock sei als Subunternehmen für Inexio-Baupartner Fiberworx im Einsatz gewesen. Mit Fiberworx liefen aktuell „intensive Gespräche“, so eine Sprecherin von Inexio und Deutsche Glasfaser am Freitagabend. Man halte am Ziel fest, die Arbeiten innerhalb des Bewilligungszeitraums abzuschließen.
Probelauf in Ungstein
In den Ortsteilen Leistadt und Ungstein ist das Mutterunternehmen von Inexio, die Deutsche Glasfaser, mit dem eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau in der Pflicht. In beiden Ortsteilen haben sich jeweils etwa 40 Prozent der Anschlussinhaber für einen Vertrag mit dem Unternehmen entschieden. Passiert ist seitdem wenig. So wenig, dass in Ungstein mit dem Glasfaser-Konkurrenten Mawacon ein anderes Unternehmen auf den Plan getreten ist. Die Arbeiten in Honigsäckel- und Herrenbergstraße in Ungstein sind ein Probelauf – werden sie zur Zufriedenheit der Stadt erledigt, hat Brill weitere Lizenzen für Mawacon angekündigt. Dieses Vorgehen hat offenbar für Verstimmung gesorgt. Wie Brill sagte, gebe es seitens der Deutschen Glasfaser Überlegungen, sich komplett aus Ungstein zurückzuziehen. „Die Leute sind völlig irritiert, schließlich haben sie zum Teil schon 2020 Verträge mit der Deutschen Glasfaser geschlossen“, so Brill. Diese gelten nach Angaben des Unternehmens nach wie vor.
„Bei allem Frust, den auch ich habe, müssen wir den Optimismus haben, dass das Projekt am Ende erfolgreich ist“, sagt der Bürgermeister der VG Wachenheim, Torsten Bechtel (CDU), zum geförderten Ausbau. Fortschritte kann er allerdings in seiner Verbandsgemeinde schon lange nicht mehr beobachten. 2023 sei „gar nichts bis sehr wenig passiert“. Dabei seien die Arbeiten in der VG davor bereits gut gelaufen. So seien die Tiefbauarbeiten weitestgehend abgeschlossen. „Zum Kreiscluster, das ich für eine sinnvolle Sache halte, gibt es keine Alternative“, sagt Bechtel trotz aller Probleme. Nur so könnten die Haushalte, die nicht wirtschaftlich zu erschließen seien, versorgt werden. Einen Abschluss des Projekts hält er bis September 2024 in der VG Wachenheim für „theoretisch möglich“, weil sich aber faktisch nichts tue, sei es unwahrscheinlich.
Gerne hätte Elke Stachowiak (FWG) gesehen, dass Ellerstadt die zweite Gemeinde im Kreis nach Bockenheim wird, die fertig mit dem Ausbau wird. Der eigenwirtschaftliche Ausbau durch die Deutsche Glasfaser sei bereits abgeschlossen, so die Bürgermeisterin. Ans Netz gehen könnten die Anschlüsse aber erst, wenn der geförderte Ausbau fertig sei. Hier hängt es an drei Bahnquerungen. Die Genehmigungen für diese Arbeiten lägen vor, sagt Stachowiak. Die Arbeiten sollten nach ihren Informationen durch den Generalunternehmer im Februar und März beginnen. Sie habe sich in dieser Woche an den Generalunternehmer gewandt und noch keine Antwort erhalten. Auch vom Kreis fühlt sie sich nicht gut informiert.
In der VG Freinsheim regiert ähnlich wie in Bad Dürkheim Pessimismus, was eine Fertigstellung des Inexio-Projekts zum September 2024 betrifft. „Die einzige Gemeinde mit abgeschlossenen Tiefbauarbeiten ist Weisenheim am Sand“, sagt Jörg Heidemann, Büroleiter der VG-Verwaltung. Hier habe aber auch nur der Anschluss an die Grundschule gefördert werden können. Heidemann weiß von Gerüchten über Probleme zwischen Fiberworx und Inexio. Dadurch könne man den Stillstand in Kallstadt erklären.
Mawa verlässt Baustellen
Der durch den Kreis bestätigte Ausstieg des Generalunternehmers Mawa treffe die Verbandsgemeinde noch mehr. „Das wird zu massiven Verzögerungen führen“, ist Heidemann überzeugt. Dadurch könne es auch in Freinsheim und Weisenheim am Berg nicht weitergehen. Dabei fehle in Freinsheim noch der komplette südliche Abschnitt. „Mawa hat auch gut gearbeitet“, betont Heidemann. Laut Inexio/Deutsche Glasfaser ist man mit der Bauleistung von Mawa nicht mehr zufrieden gewesen. Deshalb habe man die Zusammenarbeit beendet. „Aktuell laufen intensive Gespräche mit potenziellen Baupartnern, die bereits weiter fortgeschritten sind“, teilt die Inexio/Glasfaser-Sprecherin mit. Es sei das Ziel, die Arbeiten so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. „Wenn dies erfolgt ist, erstellt unser Baupartner einen Bauzeitenplan, und wir werden über den weiteren Projektverlauf informieren“, so die Sprecherin weiter.
Doch gerade fehlende Informationen bemängelt Jörg Heidemann. So warte man immer noch auf den Lückenschluss bei der Sommerbachbrücke in Dackenheim. Dafür habe sich vor einigen Monaten eine Firma vorgestellt. „Wir haben nichts mehr von ihr gehört“, muss er feststellen. Er bedauert, dass die Bürger weiter auf Glasfaser warten müssten. „Herxheim sollte seit drei Jahren angeschlossen sein, hat aber immer noch nicht mehr als sechs MBit.“
Im eigenwirtschaftlichen Ausbau laufe es in der VG Freinsheim nicht besser. Von Baufortschritt könne auch hier keine Rede sein.
