Bad Dürkheim Gitarre mal anders

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„Gitarre mal anders“ lautete am Wochenende der Titel des zum dritten Mal vom „Förderkreis Ehemalige Synagoge“ in Zusammenarbeit mit der „Edition G. Karlsruhe“ organisierten zweitägigen Konzerts im früheren jüdischen Andachtsgebäude in Weisenheim am Berg, das die Ergänzung zum renommierten Gitarre Plus Festival bildet, welches an gleicher Stelle am ersten Februarwochenende stattfindet.

Am Freitag stand das Trio Tino auf der Bühne, bestehend aus dem Ulmer Saxofonisten Dieter Kraus, dem aus Italien stammenden und heute ebenfalls in Ulm lebenden Gitarristen Tindaro Addamo und dem Stuttgarter Bassisten Markus Braun – Namen bei denen Szenekenner mit der Zunge schnalzen und sich sofort ihren Reim darauf machen können, warum die Veranstaltung ausgerechnet „Gitarre mal anders“ lautet. Alle drei Protagonisten waren und sind nämlich mit ihren sonstigen Stammformationen, darunter „Der fünfte Mann“ (Kraus), „Ensemble Fadiesis“ (Addamo) oder dem „Axel Nagel Trio“ (Braun), in unterschiedlichsten Stilarten, von Klassik, Jazz, über Latin bis hin zu Beat und Hip-Hop zuhause und musikalisch experimentellen Ausflügen niemals abgeneigt, weshalb auch in Weisenheim viel innovatives – also „anders“ – zu erwarten war. Mit dem Projekt Trio Tino widmen sich die drei Künstler verstärkt ihrer gemeinsamen Leidenschaft für Tango, natürlich ohne sich dabei auf das pure Nachspielen von Althergebrachtem zu beschränken. Kompositionen legendärer Tango-Komponisten wie Astor Piazzola, Graham Lynch und Paquito D’Rivera reduzieren sie aufs Wesentliche und reichern sie anschließend mit eigenen Ideen so an, dass dabei (fast) neue Songs entstehen, die oft nur noch in ihrer Grundstruktur der eigentlichen Herkunft entsprechen. Das Ensemble ermöglichte in Weisenheim eine Begegnung von klassischem Tango und Tango Nuevo auf gleicher Augenhöhe – Abgrenzungen zwischen traditioneller und zeitgenössischer Tanzmusik wurden praktisch aufgehoben. Milonga, Valse und Neotango verschmolzen im Verlauf des Abends zu einer Einheit und ließen im Kopfkino der Zuhörer Bilder einer Südamerikareise entstehen. Dass dabei klassische Tango-Instrumente wie Bandoneon oder Geige nicht vorhanden waren, machten die versierten Musiker beispielsweise im Stück „Tango Furioso“ mit handwerklichem Geschick wett, indem sie die fehlenden Klänge mit Saxofon und Gitarre ausglichen. Neben außergewöhnlichen Versionen von Fremdkompositionen, darunter unter anderem die vierteilige „Buenos Aires Suite“ von Maximo Diego Pujol oder „El Aragoz“ von Mohamed Saad Basha hat das Trio Tino aber auch einige von Tindaro Addamo selbst geschriebene Werke auf dem Spielplan stehen, die es in der alten Synagoge präsentierte. Zu Höhepunkten wurden die klassisch angehauchten Titel „Il Tuo“, „Il Nostro“ und vor allem „Alba o Tramonto?“, ein sehr gefühlvolles Stück, das den Zustand des Erwachens widerspiegelt und die Frage nach Sonnenauf- oder Sonnenuntergang aufwirft. Ein weiterer Höhepunkt war eine eigenwillige Interpretation des Soundtracks zum Film „Catch Me If You Can“, geschrieben von John Williams. Dieter Kraus hatte die Melodie im Kino gehört und war von ihr so beeindruckt, dass er das Orchesterwerk für sein Trio komplett umarrangierte, ohne dabei seine ursprüngliche Wirkung zu vernachlässigen. Mit solchen und vielen anderen musikalischen Eigenheiten sorgte das Trio Tino vor ausverkauftem Haus für Begeisterung, zwei Zugaben waren die logische Folge. (hk)

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