Bad Dürkheim
FWG im Wahl-Interview: „Glaube nicht, dass Parkgebühren uns Stimmen gekostet haben“
Frau Strobel, warum sollten die Bad Dürkheimerinnen und Bad Dürkheimer am 9. Juni die FWG wählen?
Unsere Mitgliederstruktur ist breit angelegt: Wir haben Winzer, Rentner oder Bauingenieure genauso in unseren Reihen wie Juristen oder Hausfrauen. Dadurch haben wir ein gutes Gespür dafür, was in Bad Dürkheim passiert. Hinzu kommt, dass wir ohne Parteibuch unterwegs sind, wir müssen uns nicht an einer Bundes- oder Landespartei orientieren und entscheiden mit gesundem Menschenverstand ohne Fraktionszwang.
In den vergangenen fünf Jahren war die FWG Teil der Stadtrats-Koalition mit SPD und Grünen. Wie bewerten Sie die Ergebnisse?
Ich finde, wir haben gut und konstruktiv zusammengearbeitet, auch mit dem früheren Bürgermeister Christoph Glogger, das war ein zusätzlicher Bonus. Wir haben einiges für die Stadt auf den Weg gebracht, was in der kommenden Legislatur Früchte tragen wird.
In der Zeit gab es zwei Bürgerentscheide, die gegen die Entscheidungen städtischer Gremien ausgefallen sind.
Daraus haben wir gelernt. Bleiben wir bei der Alten Stadtgärtnerei: Wir hätten Anwohner und Winzer noch früher ins Boot holen müssen. Für künftige Entscheidungen bedeutet das, dass wir die Bürger frühzeitig mitnehmen und noch besser informieren müssen über unsere Pläne und mögliche Auswirkungen.
Wie soll es mit dem Gelände weitergehen?
Wir haben keine Eile. Wir sind dabei, die Ideen der Bürgerinnen und Bürger zu sammeln und haben schon viele Rückmeldungen. Danach werten wir alles aus. Wichtig ist, Anwohner und Winzer ins Boot zu holen.
Ist ein neuer Anlauf für ein Hotel denkbar?
Für mich ist ein Hotel an diesem Standort durch. Für Bad Dürkheim brauchen wir auf jeden Fall ein weiteres Hotel. Warum nicht an der Gutleutstraße? Für das Gelände der Alten Stadtgärtnerei wollen wir uns noch nicht festlegen. Es ist aber zu wertvoll, um es langfristig einfach liegen zu lassen. Das ist nicht unbedingt monetär gemeint, wir sehen durchaus auch für eine städtische Nutzung ohne Verkauf ein großes Potenzial.
Bei der Einführung von Parkgebühren war die FWG die treibende Kraft. Rechnen Sie damit, dass Sie das Stimmen gekostet hat?
Dazu würde ich gerne etwas vorausschicken.
Bitte.
Wir haben den Antrag nicht aus einer Laune heraus gestellt. Er ist Ergebnis einer langjährigen Diskussion innerhalb unserer breit angelegten Mitgliederstruktur, aus der letztlich auch der Vorschlag kam, die Einnahmen nicht weiter liegen zu lassen. Wir reden hier über etwa 2,5 Millionen Euro in fünf Jahren, mit denen wir einiges für Bad Dürkheim bewirken können, ohne die große Mehrheit der Bürger zu belasten. Außerdem sind 15 Euro für ein Monatsticket im Vergleich nicht zu viel Geld.
Aber im Mobilitätskonzept war doch die Rede davon, den Parkdruck von der Innenstadt zu nehmen und den Parksuchverkehr auf den Wurstmarktplatz zu lenken.
Das Parken auf dem Wurstmarktplatz ist immer noch günstiger als in der Innenstadt. Uns war wichtig, dass es weiter kostenlose Parkplätze auf dem Wurstmarktplatz gibt, für die haben wir die Höchstparkdauer auf drei Stunden erhöht. In der Zeit kann ich in der Stadt viel erledigen oder den Kurpark genießen. Uns geht es auch um Wertschätzung für unsere Angebote. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Man kann nicht nur populäre Entscheidungen treffen. Aber ich glaube nicht, dass uns die Einführung der Parkgebühren Stimmen kosten wird, wir hatten auch viele positive Rückmeldungen und Leute, die gefragt haben: „Warum so günstig?“
Was nehmen Sie aus dem Tourismuskonzept mit?
Ziel muss es sein, dass die Gäste länger bleiben. Ein Tagestourist lässt im schlimmsten Fall gerade mal drei Euro Parkgebühren in der Stadt, nutzt aber die komplette Infrastruktur. Wobei ich nichts gegen Tagestouristen sagen will. Aber wenn wir wollen, dass die Gäste länger bleiben, brauchen wir ein entsprechendes Übernachtungsangebot.
Aber ist es Aufgabe der Stadt, hier ein Hotel anzusiedeln?
Vielleicht kann die Stadt das steuern. Ein gutes Tourismuskonzept überzeugt sicher auch potenzielle Investoren und Betreiber. Ich spreche auch nicht von einem Großhotel. Das Gelände in der Gutleutstraße wäre dafür ein super Standort. Auch in der Innenstadt gibt es Leerstände, die dafür genutzt werden könnten. Selbst Uwe Krauß, der die Fronmühle betreibt, sagt, dass wir ein zusätzliches Hotel brauchen. Wenn die Therme fertig ist, werden weitere Besucher kommen.
Wichtige Themen sind der Umbau und die Sanierung der Brunnenhalle. Muss es wirklich die 16,5-Millionen-Euro-Lösung sein?
Es war meine längste und schwierigste Fraktionssitzung vor dem Haupt- und Finanzausschuss im November. Die Verwaltung hat über alle Fachbereiche hinweg damals überzeugend darlegen können, Christoph Glogger hat damals dargelegt, dass die abgespeckten Versionen nicht wirtschaftlich wären. Außerdem brauchen wir eine Lösung für eine Tourist-Information, die derzeitige ist eine Zumutung für die Mitarbeiter – und unsere Gäste...
Aber gäbe es dafür nicht andere Möglichkeiten als die Brunnenhalle?
Die Risse in der Brunnenhalle werden tiefer und tiefer. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Wir sollten unserer alten Dame die Gelegenheit geben, wieder zu erstrahlen.
Sie stehen also zu der Lösung?
Ja.
Welche Vorhaben würden sie in den kommenden fünf Jahren angehen?
Zunächst gilt es, die laufenden Projekte fertig zu machen. Aber wir sollten den Bürger wieder stärker in den Vordergrund stellen. Dabei denke ich an Spielplätze, Friedhofssatzungen oder die weitere Sanierung der städtischen Wohnungen. Wir werden wie in der Vergangenheit auch keine Schauanträge stellen, die Verwaltung hat genug zu tun. Handlungsbedarf sehen wir bei den Parkplätzen am Tennisclub und am Krankenhaus. Die müssten dringend gemacht werden. Da können Sie Boot fahren, wenn es geregnet hat.
Welche Vision haben Sie für Bad Dürkheim im Jahr 2035?
Ich kann mir vorstellen, dass auf dem Gelände der Alten Stadtgärtnerei ein Seniorenstift und / oder ein Jugendzentrum und an der Gutleutstraße ein Hotel entstanden sind. Die Tagesgäste parken am Wochenende im Bruch und werden mit einem Shuttle in die Innenstadt gebracht. Die Lücken im Gewerbegebiet sind geschlossen, neue Arbeitsplätze entstanden. Zwischen Lebenshilfe, Nonnengarten und Kanalstraße sind die Baulücken geschlossen, wir kratzen wieder an der 20.000-Einwohner-Marke. Die Salierschule wurde erweitert. Die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt wurde erhöht, weil wir eine Lösung für das ständige Kreiseln um den Stadtplatz gefunden haben. Der Shared Space zwischen Busbahnhof und Innenstadt ist umgesetzt, der Bürger- oder Seniorenbus läuft gut. Die Ortsteile werden mit einem mobilen Supermarkt versorgt und die B271 neu ist gebaut.
Mit welchem Koalitionspartner wollen Sie das umsetzen?
Wir wollen keine Koalition um jeden Preis. Wenn etwas passt, dann gehen wir mit.

