Zwischenbilanz:
Fußball: Die großartige Hinserie von Rot-Weiss Seebach
Die A-Klasse Rhein-Mittelhaardt gilt seit vielen Jahren als leistungsstark und sehr ausgeglichen. So trennen derzeit den Vierten vom Zwölften gerade einmal vier Punkte. Das Außergewöhnliche in dieser Saison ist die Stabilität des Führungstrios. Realistisch betrachtet kommt außer Seebach, FC Speyer 09 II und TuS Mechtersheim II keine weitere Mannschaft mehr für die Meisterschaft oder Rang zwei, der zur Teilnahme an den Aufstiegsspielen berechtigt, in Frage. Die Rot-Weissen sind Tabellenführer, haben drei Punkte Vorsprung auf den Zweiten Speyer II und stehen auch vor Mechtersheim II, selbst wenn der TuS seine drei Nachholspiele alle gewinnt.
Seebach erwischte einen idealen Start
„Das war eine super Vorrunde, da muss man nicht in den Krümeln suchen“, stellt Trainer Roland Beck klar. Dem Coach imponiert nicht nur die Punktausbeute von 43 Zählern in 18 Partien, sondern auch die Art und Weise wie sein Team Fußball spielt. „Frühes Anlaufen der gegnerischen Abwehrspieler und sofortiges Gegenpressing nach Ballverlusten sind Merkmale dieser Mannschaft“, erläutert Trainer Roland Beck. Zudem habe das Team verinnerlicht, dass es sich nicht nur auf seine große spielerische Qualität verlassen darf, sondern auch den Kampf annehmen und gegen jeden Gegner eine gewisse körperliche Präsenz auf den Platz bringen müsse. „Das hat die Mannschaft gelernt und setzt es inzwischen gut um“, hat der Coach erkannt.
Die Rot-Weissen erwischten einen idealen Start und gewannen die ersten drei Partien, wobei das Team 14 Treffer erzielte. Besonders beim 5:0 zum Auftakt bei der SG Edesheim/Roschbach zeigten die Seebacher eine beeindruckende Vorstellung. Dem 1:1 bei Aufsteiger SV Edenkoben folgten die ersten beiden Niederlagen: 3:5 beim FV Heiligenstein und 2:4 beim FV Dudenhofen II. „In Heiligenstein hat das gesamte Team total versagt. Wir waren uns zu sicher und sind überheblich aufgetreten. Die Niederlage in Dudenhofen muss man akzeptieren, weil der FVD eine robuste, aber auch spielstarke Formation hat“, ordnet Beck die beiden Pleiten ein. Diese Phase war kritisch.
Toller Offensivfußball und beste Abwehr der Liga
Der Übungsleiter drehte nach neun Gegentoren in zwei Spielen an den richtigen Stellschrauben. Seebach agierte jetzt in der Defensive viel sicherer und musste in den folgenden sechs Partien nur einen Gegentreffer einstecken. „Das Team hat die Wende geschafft und überzeugt inzwischen mit einer stabilen Spielweise. Es verbindet tollen Offensivfußball mit guter Defensivordnung bei Ballverlust“, wirft Sportchef Moritz Keßler ein. Das nach seiner Ansicht teilweise chaotische Vorgehen mit unkontrollierter Offensive sei nun kaum noch zu sehen gewesen. Besonders in den beiden besten Spielen gegen VfB Iggelheim (3:0) und TuS Mechtersheim II (2:0) habe die Mannschaft gezeigt, welches Potenzial in ihr steckt.
Die dritte und bislang letzte Niederlage gab es am 1. November mit 0:3 gegen den FC Speyer 09 II. Es war das einzige Spiel, bei dem Seebach kein Tor gelang, ansonsten schoss die Mannschaft bis auf das 1:1 in Edenkoben immer mindestens zwei Treffer. „Speyer war an diesem Tag einfach besser“, räumte Beck ein. Den Auftritt der Rot-Weissen goutierte auch Keßler, weil das Team die Grundordnung beibehalten habe und nicht auseinandergefallen sei. Wie gefestigt die Seebacher mittlerweile sind, zeigen die drei ungefährdeten Siege nach der Partie gegen Speyer. Zweimal bekam Rot-Weiss die Punkte kampflos, weil Altdorf-Böbingen und Phönix Schifferstadt II nicht antraten.
Langenstein und Keßler überzeugen als Doppelsechs
Der Spitzenreiter verfügt mit 19 Gegentoren über die beste Abwehr der Liga und hat 53 Treffer erzielt. Am häufigsten trafen Jason Harrison (13) vor Georg Ester (7), Robin Schwehm (6) sowie Nicolas Burret, Lasse Peper und Sebastian Steinle (je 4). Ein Pluspunkt ist, dass die Seebacher von schweren Verletzungen weitgehend verschont blieben und mit nur 21 Akteuren auskamen. Zwar war keiner in allen 16 Partien dabei, aber mit Sven Borgwardt, Leon Gutermann, Harrison und Schwehm machten vier Spieler 15 Begegnungen mit, gefolgt von Timo Langenstein und Peper (je 14) sowie Marcel Kaltenbach und André Werner (je 13).
„Die ehemaligen Oberligaspieler Ester und Schwehm nehmen die A-Klasse an. Robin ist ein Führungsspieler, kann mitreißen und bildet mit Timo Langenstein oder Bastian Keßler auf der Doppelsechs das Herzstück. Georg ist wegen verschiedener Blessuren noch nicht in Topform. Aber wenn er auf dem Platz steht, hilft er uns auch kraft seiner Persönlichkeit“, betont Beck.
Vom offensiven Ergänzungsspieler zum Stammverteidiger
Andere Spieler haben teils auf ungewohnten Positionen überzeugt. Etwa der schnelle, robuste und kopfballstarke Burret, der mit Borgwardt ein prima Innenverteidigerpaar bildet, oder Lars Maier, der den Sprung vom offensiven Ergänzungsspieler zum Stammverteidiger geschafft. Peper schließlich habe einen riesigen Entwicklungsschritt gemacht. „Die Mannschaft ist charakterlich top, und es macht riesigen Spaß, sie zu trainieren“, bilanziert Beck.
Einwurf: Weiter auf eigenen Nachwuchs setzen
Nach dem Bezirksliga-Abstieg spielt Rot-Weiss Seebach die dritte Saison in der A-Klasse. Kein Zweifel, die Mannschaft, die in dieser Runde am Start ist, ist die beste seit Langem. Nie war die Chance, in die Bezirksliga zurückzukehren, größer als in dieser Serie. Die Seebacher setzen wie kaum ein anderer Klub auf die eigene Jugend. Das ist die Philosophie des Vereins, die seit Jahren erfolgreich praktiziert wird. Es ist sinnvoll, wenn man von den Jugendlichen, die über Jahre ausgebildet wurden, im Erwachsenenalter etwas haben will.
Jetzt kommt Trainer Roland Beck ins Spiel, der einen guten Draht zum Team hat, die Eigengewächse entwickelt und auf ein höheres Level gehoben hat. Becks Arbeit ist nicht hoch genug zu bewerten. Für die hohe Akzeptanz, die der Verein auch außerhalb Bad Dürkheims genießt, steht auch die Tatsache, dass viele Akteure, die woanders gespielt haben, zu Rot-Weiss zurückgekehrt sind. Um seinen Stellenwert beizubehalten, muss Seebach den Juniorenbereich, der zuletzt sportlich nachgelassen hat, stärken. Das ist gewiss schwierig, für den Klub aber alternativlos.