Bad Dürkheim Folgen von Rassenhass und Kriegstreiberei

Martin Schwarzweller beleuchtete am Freitagabend in einem beachtenswerten Vortrag in Wort und Bild „Ellerstadt zur Zeit des Nationalsozialismus“. Er hatte umfangreich recherchiert und Ellerstadter Zeitzeugen befragt. Der Bogen war vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zur Kapitulation im Jahr 1945 gespannt. Die Filmaufnahmen und Bilder stammten von Gunther Meixner.
Wer befasse sich schon mit der Geschichte eines kleinen Dorfes?, schickte Michael Wiel vom Arbeitskreis Dorfgeschichte dem Vortrag voraus. Schwarzweller gelang es, mit seinem eineinhalbstündigen Vortrag zu fesseln. Handelnde, Beteiligte und Opfer bekamen einen mehr oder weniger bekannten Namen. Zwei Zeitzeugen saßen im Publikum. Auch nach 73 Jahren gestalte sich die Aufarbeitung dieser Zeit als schwierig und konfliktbeladen, sagte Schwarzweller. Die Intention seines Vortrages sei es aufzuzeigen, zu was Kriegstreiberei und Rassenhass in „unserem Dorf Ellerstadt“ geführt haben. Es war ein gelungenes Experiment, wie ihm einige Zuhörer nach dem Vortrag und der Applaus bestätigten. Bei den Reichstagswahlen im März 1933 wurden in Ellerstadt 600 gültige Stimmen abgegeben, 547 oder 91,1 Prozent entfielen auf die NSDAP. Erster Ortsgruppenleiter war Richard Jester. Ab 1933 bestand der Ellerstadter Gemeinderat – die Räte standen nie zur Wahl – ausschließlich aus Parteimitgliedern, die August Horter zum Bürgermeister bestimmten. Kurz darauf wurde die heutige Georg-Fitz-Straße in Adolf-Hitler-Straße umbenannt. Nach dem Unglückstod Horters war Wilhelm Braun für kurze Zeit Bürgermeister, er trat nach einem Jahr zurück, der Ortsgruppenleiter redete ihm zu viel in seine Amtsgeschäfte. Ab dann bis Kriegsende war Jakob Hohl Bürgermeister. Dass man mit dem richtigen Parteiabzeichen in Ellerstadt auch sonst profitierte, zeigte der Referent am Beispiel des SA-Sturmführers Reinhard Günther, der als eher kleiner Bauunternehmer durch den Westwallbau groß wurde. Dem Schicksal der Ellerstadter Juden, den Geschwistern Irma, Lina und Ferdinand Strauß, Barbara Löb und Dina Georgens hatte Schwarzweller ebenfalls nachgespürt und ließ zu diesem Thema seine Zeitzeugen ausführlich zu Wort kommen. Ferdinand Strauß überlebte das Lager im südfranzösischen Gurs im Gegensatz zu seinen Schwestern und kam später sogar wieder in die Pfalz zurück. Er wurde auf dem Wachenheimer Judenfriedhof begraben. Dina Georgens, die Frau eines Polizeiwachtmeisters, der wegen seiner Frau den Dienst quittieren musste, beging möglicherweise mit Hilfe ihres Ehemannes und des Hausarztes Selbstmord, als 1944 ein weiterer Abtransport von Juden erfolgen sollte. Schwarzweller gelang es sehr subtil darzulegen, dass sich kein Ellerstadter gegen die Judendiskriminierung stellte. Auch bei der Schilderung des Terrors aus der Luft durch alliierte Flugzeuge kamen die Zeitzeugen ausführlich zu Wort. Die Rhein-Haardtbahn wurde mehrfach Zielscheibe von Tieffliegern. Dabei gab es Tote, die nicht aus Ellerstadt waren. Auch das Schicksal des 48-jährigen Oberstleutnant Johannes Kaup wurde im März 1945 in Ellerstadt besiegelt. Er übergab die Stadt Bad Kreuznach kampflos den Amerikanern und missachtete damit einen Führerbefehl. Er musste sich bei SS-General Hausser, der im Weingut Fitz, Ecke Erpolzheimer/Bahnstraße einquartiert war, melden. Ob er erzwungenen Selbstmord beging oder erschossen wurde, wurde nie geklärt.