Wachenheim
Entlaufene Raubkatze: Luchsrufe im Poppental
Wo hält sich das aus dem Kurpfalz-Park entlaufene Luchsweibchen auf? Mit dieser Frage befasst sich das Landeskoordinationszentrum Luchs und Wolf (Kluwo) in Trippstadt seit Wochen. „Wir haben das Monitoring in der Gegend hochgefahren“, sagt Kluwo-Leiter Julian Sandrini. Das Gebiet rund um den Kurpfalz-Park werde besonders genau beobachtet, auch in der weiteren Umgebung des Parks hat das Kluwo Fotofallen aufgestellt.
Mit Hinweiszetteln versucht das Zentrum außerdem, Wanderer oder Spaziergänger zu animieren, Beobachtungen an die Experten in Trippstadt zu melden. „Dabei ist es wichtig, dass uns eine Begegnung oder ein Riss möglichst sofort gemeldet wird“, betont Sandrini. Die Wahrscheinlichkeit, dem entlaufenen Luchs zu begegnen, sei deutlich größer als einem seiner ausgewilderten Verwandten: Das Tier ist an die Gegenwart von Menschen gewöhnt und lässt diese laut Sandrini näher an sich heran als wildlebende Luchse. Dass von der Raubkatze eine Gefahr für Menschen ausgeht, kann sich der Experte nicht vorstellen – aber auch nicht völlig ausschließen, da sich in Gefangenschaft aufgewachsene Tiere anders verhalten könnten als ihre Artgenossen in freier Wildbahn. Frei lebende Luchse seien von Natur aus sehr scheu und würden bereits das Weite suchen, wenn sie Menschen in großer Entfernung bemerkten, sagt Sandrini.
Zwischen 2016 und 2020 hat das Land insgesamt 20 Luchse aus der Slowakei und der Schweiz im Pfälzerwald angesiedelt, um die Tierart in der Region wieder heimisch zu machen. Auch einige Nachkommen dieser Tiere sind nachgewiesen.
Gefahr für den Waldkindergarten?
Als wichtige Information wertet Sandrini zwei Tonaufnahmen, die Luchsrufe bei Wachenheim dokumentieren und sowohl dem Kluwo als auch der RHEINPFALZ vorliegen. Der Experte hält sie für authentisch. Die eine Aufnahme wurde in der Nähe des Königswingerts gemacht, die andere am Ende der Bürklin-Wolf-Straße. Die Rufe kamen im zweiten Fall aus Richtung Poppental. Dort war es am 12. Mai zu einer Begegnung zwischen einem Luchs und einem Hund gekommen, die der Hund unverletzt überstand.
Auf einer der Aufnahmen sind sogar zwei Luchse zu hören. Sandrini geht davon aus, dass es sich dabei um Paarungsrufe – bei Luchsen spricht man von Ranzrufen – handelt. Allerdings endet die Paarungszeit der Tiere eigentlich im April. Auch hier sei das Verhalten eines in Gefangenschaft lebenden Luchses nur schwer einzuschätzen, sagt Sandrini. Doch was bedeutet vor allem die Aufnahme aus der Bürklin-Wolf-Straße für den Waldkindergarten im Poppental? Hier rät Sandrini dazu, Kinder und Erzieherinnen zu sensibilisieren, sich bei einer möglichen Begegnung von dem Tier fernzuhalten. Das gelte allgemein für alle Bürger. Allerdings dürfte sich der Luchs aufgrund des Lärmpegels kaum einer Kindergruppe nähern, sagt der Experte: „Das ist bei Zootieren genauso wie bei Wildtieren.“
Der Luchs war in der Nacht zum 9. Mai aus dem Kurpfalz-Park entkommen, weil ein herabfallender Ast sein Gehege beschädigt hatte. Seitdem sind die Kluwo-Experten nicht nur mit dem Sammeln von Hinweisen und dem Beobachten des Walds rund um Wachenheim beschäftigt: „Wir sind fangbereit“, betont Sandrini. Ziel sei es, das Tier wieder in den Park zurückzubringen. „Aber dafür sind wir auch auf Hinweise angewiesen.“
Hinweise
Das Koordinationszentrum Luchs und Wolf nimmt Hinweise unter Telefon 06306 911199 entgegen. Das können Sichtungen oder Risse sein. Die Hotline ist auch außerhalb der Bürozeiten besetzt.