Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Einsatz im Container: Im Flammenmeer die Ruhe bewahren

In dem Übungscontainer loderten die Flammen heftig.
In dem Übungscontainer loderten die Flammen heftig.

Unter möglichst realen Bedingungen für den Ernstfall trainieren, das konnten mehr als 100 Feuerwehrleute aus dem Landkreis Bad Dürkheim in einem Übungscontainer. Wehrleute verraten, worauf es im Ernstfall besonders ankommt.

„Da die meisten Feuerwehrleute berufstätig sind, haben wir abends teilweise bis 22.30 Uhr geübt“, erzählt der Dürkheimer Feuerwehrmann Claudius Güther. Am Samstag sind Feuerwehrleute aus Erpolzheim, Grünstadt, Wachenheim, dem Leiningerland und Bad Dürkheim dabei. Zuerst bekommen die Teilnehmer eine theoretische Einweisung. Im Anschluss wird ein Kellerbrand simuliert.

In dem Container arbeiten die Feuerwehrleute in Zweier-Teams. Auch in realen Einsätzen besteht ein Trupp aus einem Truppführer und einem Truppmann, der das Strahlrohr führt. Einen solchen Trupp bilden Leon Röder, der zehn Jahre Erfahrung bei der Feuerwehr hat, und Florian Gewinner, der sei 25 Jahren dabei ist. Auf dem Dach des Containers warten sie auf die Übung, die bis zu 15 Minuten dauert. „Man weiß bei der Übung nicht genau, was einen erwartet. Ich freue mich darauf, aber bin auch nervös“, sagt Gewinner. „Mein Ziel heute ist es, meine Schublade mit neuen Erfahrungen zu füllen. Meine Ausbildung ist 20 Jahre her“, sagt er lachend.

Die Ausrüstung der Feuerwehrleute ist nicht leicht.
Die Ausrüstung der Feuerwehrleute ist nicht leicht.

Medizinischer Eignungstest als Voraussetzung

Die beiden Feuerwehrmänner der Wehr Friedelsheim-Gönnheim sind wie viele Feuerwehrleute bereits in der Jugendfeuerwehr aktiv gewesen. Erst mit 18 Jahren darf man zu Einsätzen. Was ebenfalls Voraussetzung für die Teilnahme an Einsätzen ist: Ein medizinischer Eignungstest und ein Atemschutzgeräteträger-Lehrgang. Diese Anforderungen mussten die Feuerwehrleute auch erfüllen, um an der Übung teilzunehmen.

Das Training sei körperlich anstrengend, erzählt Güther. „Da gibt es ordentlich Muskelkater.“ In einem realen Einsatz trägt man noch mehr Material, zum Beispiel Schlauchtaschen oder Lampen. Allein der Atemschutz wiegt 20 Kilogramm, der Schlauch weitere 75 Kilogramm. Daher wird er zu zweit getragen. „Das wird natürlich auch trainiert, man lernt etwa, die Schwerkraft beim Abholen des Schlauchs zu nutzen“, sagt Güther. Dennoch hat ihm das Brandsimulationstraining auch Spaß gemacht: „Andere Leute fahren Achterbahn, ich mache Brandsimulationstraining“, scherzt er.

Die Übung wurde mit Unterstützung des Fördervereins der freiwilligen Feuerwehr ermöglicht. Auch der Landkreis trug dazu bei. Für den Beigeordneten Sven Hoffmann (CDU) ist sie ein weiterer Baustein in der Kreisausbildung, der auch zeigen soll, wie wichtig die freiwillige Feuerwehr ist. Sie habe nicht die Mittel einer Berufsfeuerwehr zur Verfügung. Daher sei neben einer modernen Ausstattung eine gute Ausbildung wichtig, um die Geräte nutzen zu können, betonen Hoffmann und Güther.

Realistische Bedingungen

Vom Bedienstand des Containers konnten die Ausbilder die Feuerwehrleute bei der Arbeit beobachten. Nach jedem Durchgang besprachen sie dann mit den Teilnehmern, was bei der Anwendung gut oder schlecht gelaufen ist. „Das Feuer soll gelöscht werden, indem es zuerst durch Wassertropfen abgekühlt wird“, erzählt ein Ausbilder. Dank moderner Feuermelder würden Brände heutzutage früh erkannt, sodass es selten zu größeren Brandunglücken komme. Für die Feuerwehr sei die Bekämpfung des Rauchs daher wichtiger geworden. Er enthalte Pyrolysegase, die sich entzünden können.

In den Container kann man nur mit Atemschutzgeräten.
In den Container kann man nur mit Atemschutzgeräten.

Der 20-jährige Johannes Speck und der 19-jährige Benedikt Schacht haben die Übung gemeinsam abgeschlossen. Sie kommen ebenfalls aus Friedelsheim-Gönnheim, sind dort seit etwa zehn Jahren bei der Feuerwehr. „Die Übung war trotzdem etwas Neues. Man konnte Sachen, die man vorher schon wusste, anwenden“, so Schacht. Die Bedingungen seien realistisch, berichten beide. Man könne trainieren, unter schwerem Atemschutz zu arbeiten, und sich auf Situationen vorbereiten, die so auch bei Einsätzen vorkommen könnten. „Aber wenn Holz brennt, dann hat man manchmal gar keine Sicht mehr“, erzählt Speck.

In dem Übungscontainer hätten sie Taktik üben können. „Als wir drinnen waren, wurde uns der Rückweg über die Treppe versperrt. Den Rückweg zu sichern, ist das A und O bei Einsätzen“, erklärt Speck. „Das Team muss Ruhe bewahren und tief durchatmen.“ Genauso sollen auch Menschen reagieren, falls es bei ihnen brennt, raten die beiden Feuerwehrmänner: Ruhe bewahren, nichts Unüberlegtes tun und die Feuerwehr rufen.

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