Freinsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Ur-Freinsheimer wird 90: Blick auf ein bewegtes Leben im Zeichen der Kunst

Malen und schöne Schriften sind die Liebhabereien von Gerhard Hartkorn. Wenn er Zeit hatte, hat er gemalt.
Malen und schöne Schriften sind die Liebhabereien von Gerhard Hartkorn. Wenn er Zeit hatte, hat er gemalt.

Die Erinnerung an die Geschichte der Stadt Freinsheim zu erhalten, ist seit Jahrzehnten das Anliegen des „Ur-Freinsheimers“ Gerhard Hartkorn. Dabei ist Hartkorn selbst zu einem Teil der Geschichte der Stadt geworden. Heute wird der Freinsheimer Ehrenbürger 90 Jahre alt.

Im hohen Norden wurde das Interesse von Hartkorn an Geschichte geweckt. Nach der Lehre in Kirchheim ging er 1955/56 als Vorbereitung auf die Meisterprüfung auf die Malerschule in Buxtehude. Sein Vater hatte einen Malerbetrieb in Freinsheim, es war selbstverständlich, dass der einzige Sohn das Geschäft übernehmen wird. Die Zeit in Buxtehude war prägend für den damals 21-Jährigen. Er denkt heute noch gern daran zurück. In der Malerschule habe man sich viel mit Historischem beschäftigt und auch das historische Bild der Hansestadt habe ihn beeindruckt, erzählt Hartkorn.

Akzente im Stadtbild

1956 kehrte Hartkorn nach Freinsheim zurück, wurde Teilhaber im elterlichen Betrieb, heiratete seine Frau Else, ebenfalls eine gebürtige Freinsheimerin, und beschäftigte sich mit dem historischen Freinsheim. Er habe einige „interessante Aufträge“ zur Renovierungen alter Freinsheimer Bürgerhäuser gehabt, erzählt Hartkorn. Auch in der historischen protestantischen Kirche war der Malermeister tätig. Die Altstadtsanierung in den 1970er-Jahren bot Hartkorn die Gelegenheit, seine historischen Kenntnisse, sein Interesse an Freinsheim und seine berufliche Tätigkeit miteinander zu verbinden. Er habe Vorschläge gemacht, etwa zu historisch korrekten Farbgebungen und war an der Sanierung der Anwesen bekannter Freinsheimer Familien, wie Kausch, Mocker, Reibold, beteiligt. Und er setzte durch Wandmalereien Akzente im Stadtbild.

Als Hartkorn Teilhaber im elterlichen Betrieb wurde, trat er in den Gewerbeverein ein. Als Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender hat er 28 Jahre, oft in Kooperation mit der Stadt, zahlreiche Aktionen gestartet. 27 Jahre war der Ur-Freinsheimer im Vorstand der Raiffeisenbank.

Großprojekte mit der Stiftung umgesetzt

Das liebste und wichtigste Kind war für Hartkorn aber immer die Stiftung Freinsheim, die er 1993 mit neun Mitgliedern des Verkehrsvereins gegründet hat, deren stellvertretender Vorsitzender er bis 2007 war, dann war er bis 2015 Vorsitzender und seitdem ist er wieder stellvertretender Vorsitzender. Die Jungfrau ohne Kopf, die im Eisentor steht, hatte den Anstoß zur Gründung der Stiftung gegeben. Die Sandsteinfigur war in einem schlechten Zustand, erstes Ziel: eine Restauration. Man habe generell die alten Freinsheimer Kulturgüter erhalten wollen, blickt Hartkorn zurück.

Es war sein Vorschlag, ein barockes Gartenhäuschen, das der Freinsheimer Maler Franz Lind vor der Zerstörung gerettet hatte, wieder aufzubauen. Dazu kamen der Barockgarten an der Stadtmauer und ein barocker Brunnen. Es folgte die Sanierung des Friedhofsturms sowie historischer Grabsteine und Grabanlagen, die Begrünung des Zwingers, die Sanierung des Guten Brunnens. Mit dem Apothekergarten, der neben dem Barockgarten liegt, wurde ein weiteres Großprojekt angegangen. Die Stiftung stellte die Bronzefigur „Die Waschfrauen“ des Bildhauers Eberhard Linke am Platz an der Bach auf und im Apothekergarten die Tonskulptur „Die Kräuterpflückerin“. „Schreiben Sie, dass im gleichen Jahr wie in Freinsheim auch in Marcigny eine Skulptur ’Die Waschfrauen’ aufgestellt wurde“, sagt Hartkorn in seiner unvergleichlichen Art. Die Partnerschaft von Freinsheim mit der französischen Stadt ist ihm sehr wichtig. Bei der Realisierung dieser Projekte ist es Hartkorn zugute gekommen, dass er ein breites Netzwerk an Kontakten hatte und hat. Und auch seine charmant-bestimmende Art, der man sich nur schlecht widersetzen kann.

Ein Wunsch bleibt offen

Nach wie vor spaziert Hartkorn jeden Tag eine Stunde durch sein Freinsheim, die Stadtmauer entlang und zum Barock- und Apothekergarten. Wenn er mit den Franzosenkäppi auf dem Kopf, den buschigen Augenbrauen und dem fast immer strengen Blick unterwegs ist, dann grüßen ihn viele Freinsheimer.

Vieles von dem, was Hartkorn gemacht hat, wäre ohne die Unterstützung seiner immer aktiven und lebhaften Ehefrau Else nicht möglich gewesen. Das Paar hat eine Tochter, eine Enkelin und einen Urenkel. „Ich bin wunschlos glücklich“, sagt Hartkorn. Wobei – einen Wunsch gibt es aber doch: ein Freinsheimer Heimatmuseum.

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