Bad Dürkheim Ein Turm für alle

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Der Turm der Sankt Georgskirche in Wachenheim ist auch der Turm der Georgskirche, er gehört zur katholischen und zur protestantischen Gemeinde. So ist er ein Denkmal der Trennung und der Zusammenarbeit der Konfessionen. Der Turm hat zwei Eingänge, einen in sein Erdgeschoss innerhalb des katholischen Teils, einen weiteren von außen in das gemeinsam genutzte Obergeschoss. Der Chor der Wachenheimer Kirche gehört der katholischen, das Langhaus, mit eigenem Eingang, der protestantischen Gemeinde.

Es handelt sich aber nicht, wie Hermann Beimborn, der langjährige Vorsitzende des örtlichen Heimatvereins, erklärt, um eine Simultankirche, wie zum Beispiel die Neustadter Stiftskirche, denn es seien nicht zwei Kirchen unter einem Dach. Das liegt am Turm, er steht nicht an einem Ende der Kirche, sondern zwischen dem hohen gotischen Chor und dem niedrigeren Langhaus, jeder Teil mit eigenem Dach. Mit seinem barocken Turmhelm ist er der älteste Teil der Kirche. Vermutlich wurde er schon im 12., möglicherweise im 10. Jahrhundert, erbaut. Welche Funktion er damals hatte, ist allerdings nicht eindeutig. Er hätte als Chorturm dienen können, oder aber als Vierungsturm, der die Kreuzung von Langhaus, Querschiff und Chor überhöhte. Seit 1715 trennt eine Wand im hinteren Teil des Turmes im Erdgeschoss den katholischen vom protestantischen Teil. Betritt man die katholische Sankt Georgskirche, sieht man sofort, dass der Turm in seiner gedrungenen Gestalt und seinen massigen Mauern und Rundbögen sehr viel älter ist als der lichte Chor. Bevor man aber den Raum des Turmes betritt, sollte man mal nach oben gucken: Auf dem Bogen, der den Turmraum eröffnet, hat sich ein mittelalterlicher Gemäldezyklus erhalten. Er wurde im 15. Jahrhundert gemalt, ist aber sehr beschädigt, so dass man nur vermuten kann, dass es sich um eine Passionszyklus handelt. Ein Engel ist zu erkennen und ein Gebäude. Auch die Sankt Georgs-Kirche ist ein schöner gotischer Bau mit barocker Ausstattung. Leider wurde ein Teil gestohlen. Will man die oberen Geschosse des Turmes erkunden, muss man eine enge Außentreppe erklimmen, die 1830 angebracht wurde. Im Obergeschoss lassen sich verschiedene Bauphasen unterscheiden. Im 15. Jahrhundert überragte das steile Dach des Chores noch den gedrungene Turm, der wurde aber später mehrfach aufgestockt. Der steile spitze Turmhelm, den man auf dem Kupferstich von Merian sehen kann (17. Jahrhundert), wurde 1686 bis 1688 um ein Glockengeschoss erhöht, und dann noch mal 1720 erhöht und mit einer geschweiften Turmhaube bekrönt. Klettert man weiter hoch, kommt man zum stillgelegten mechanischen Räderuhrwerk. Alle zwei Tage musste es aufgezogen werden. Auf seinem Rahmen ist zu lesen: „AD1755 wurde dieses Uhrwerck verfertiget von Jacob Mollinger zu Neustadt an der Haardt“. Es könnte wieder reaktiviert werden. Über der Uhrenstube liegt die Glockenstube. Der Glockenstuhl aus Winkeleisen stammt von 1949. Er trägt vier Glocken aus Gussstahl aus dem gleichen Jahr. Wie schon im Ersten Weltkrieg wurden die Glocken beschlagnahmt. 1949 haben die Gemeindemitglieder Stahlglocken geordert, weil sie um die Hälfte billiger waren als die weicher klingenden Bronzeglocken. Allerdings, so Volker Müller, der Glockensachverständige der Evangelischen Kirche der Pfalz, kommt durch die akustischen Qualitäten der Glockenstube und den leichten Klöppelanschlag ein „klangschönes Geläute“ zustande. Die drei ersten Glocken gehören der protestantischen Gemeinde, die vierte der katholischen. Den Katholiken steht aber auch ein Läuterecht für die erste und zweite Glocke zu. Auch die politische Gemeinde darf die Glocken läuten, hat sie doch einen Beitrag zu den Kosten des Läutwerks gezahlt. Wer den Blick von oben genießen will, kann vom Turm aus in das Dach der protestantischen Georgskirche gelangen. Dort gibt es einen Ausguck. Das Langhaus ist der neueste Teil des Kirchen-Ensembles. Er würde 1861 eingeweiht und 1906 im Inneren neugotisch ausgestattet.

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