Bad Dürkheim Ein Tag mit einem Bestattungsunternehmer

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Das Hospiz – selten haben sich die Menschen in Bad Dürkheim so intensiv für ein Projekt engagiert. In einer Serie befasst sich die RHEINPFALZ mit vielen Aspekten des Sterbens. Hier haben wir ein Bestattungsunternehmen begleitet.

Herta M. schaut angestrengt aus. So wie nach einem längeren Kampf. Das Zimmer, in das man sie gelegt hat, ist nicht beheizt, und jetzt geht auch noch ständig die Tür auf und zu. Im Seniorenheim „Bürgerspital“ in Wachenheim ist es gerade die Zeit, in der es Kaffee und Kuchen gibt. Statt oben mit am Tisch zu sitzen, liegt die 84-Jährige auf einem Tuch, das auf einem Wagen mit Rollen platziert ist. Der steht im Abschiedsraum steht. Herta M. ist frisch gewaschen und frisiert. Sie ist an diesem Morgen gestorben. So unterschiedlich Menschen die letzten Stunden ihres Lebens verbringen, so stereotyp und an die Gesetzeslage in Deutschland angepasst ist der Prozess, der in Gang kommt, wenn der Tod einmal eingetreten ist. Lisa Kraft und ihr 26-jähriger Sohn Daniel kennen den Vorgang sehr genau. 160 bis 180 Mal pro Jahr werden sie angerufen. Von weinenden Angehörigen, von Verwaltungen im Seniorenheim oder aus dem Krankenhaus. Was von Daniel und Lisa Kraft verlangt wird, ist einerseits die pure Dienstleistung, andererseits aber auch ein Höchstmaß an Einfühlungsvermögen und Sensibilität. Die Todesanzeige, der Pfarrer, der Blumenschmuck, die Friedhofsverwaltung – um alles sorgt sich das Familienunternehmen, das mit seinem Namen irgendwie Glück gehabt hat. Im Trauerfall braucht man Kraft und genauso heißt der Slogan der Bestattungsfirma: „Kraft im Trauerfall“. Neben all den Besorgungen und organisatorischen Dingen liegt die wohl größte Herausforderung im Zurechtmachen des Leichnams und dem Abtransport in Richtung Leichenhalle oder Krematorium. Die tote Hülle von Herta M. soll in Ludwigshafen verbrannt und die Urne in den kommenden Tagen auf einem hiesigen Friedhof beigesetzt werden. Ganz in Grau und in Schwarz sind Mutter und Sohn gekleidet, als sie sich am Donnerstag daran machen, Herta M. auf ihren letzten Weg vorzubereiten. Die Sprache ist ruhig, als sie den Holzsarg aus dem Leichenwagen auf ein Fahrgestell hieven. Im inneren des Sarges liegt das sprichwörtliche letzte Hemd, das wirklich keine Taschen hat und bei Feuerbestattungen zu 100 Prozent aus Naturfasern wie Baumwolle bestehen muss. Lisa und Daniel Kraft schieben den Sarg in den Abschiedsraum. Im Alter von 15 Jahren hat Daniel Kraft erstmals einem Toten ein Hemd angezogen. Von Beruf ist er eigentlich Steinmetz. Eine spezielle Ausbildung hat er nicht mehr absolviert, um seiner heutigen Tätigkeit nachzugehen. Vielmehr ist er damit aufgewachsen, denn seine Eltern sind bereits seit 25 Jahren im Geschäft. „Vorgeschrieben ist eine Lehre nicht“, sagt der Sohn und verweist darauf, dass es dennoch einen Ausbildungsgang zur Bestattungsfachkraft gibt. Den Bestattungsmeister, wie er in England als „Funeral Master“ existiert, kennt man in Deutschland in dieser Art nicht. Vorsichtig streift Daniel Kraft der Verstorbenen den Sterbetalar über, um den starren Leichnam anschließend in den Sarg zu heben. Dass er wahrscheinlich in den darauffolgenden 48 Stunden verbrannt werde, sei der normale Weg, sagt Lisa Kraft. Bestattet werden muss die Verstorbene normalerweise innerhalb von sieben Tagen. Daniel schätzt, dass sich 70 Prozent heute zu Lebzeiten schon für eine Feuerbestattung entscheiden. Die Handgriffe beider sind akkurat. Alles sieht routiniert aus. In einem kleinen Koffer befinden sich Utensilien, die immer wieder gebraucht werden. Zum Beispiel ein Kamm, den Lisa Kraft nochmal zum Einsatz bringt. Als Friseurin dürfte sie übrigens nicht gleichzeitig arbeiten. Das verbietet das Landesrecht den sogenannten Totengräbern genauso wie die Arbeit in Gaststätten-, oder Gesundheitswesen. Die Haare der Verstorbenen sind ohnehin etwas störrisch. Sie stehen wohl lieber ab. Ob die Seniorin zu Lebzeiten auch eine eher eigensinnige Person war? Gesprochen wird über die tote Frau nicht, die gegenseitigen Handlungsanweisungen sind kurz. „Nein“, sagt Lisa Kraft, als sie gefragt wird, ob sie die Gesichter der verstorbenen Menschen auch mit in den Schlaf nimmt. Gerade schließt sie mit ihrem Sohn den Sargdeckel. 1100 Euro verlangt das Unternehmen Herbert Kraft für den einfach gehaltenen Holzsarg, der nur zur Überführung ins Krematorium dient. Inbegriffen ist die Fahrt dorthin, das Zurechtmachen des Leichnams sowie Kissen, Decke und Sterbetalar. Der Tod ist nicht umsonst. Im Gegenteil: Er wird immer öfter zum richtigen Kostenfaktor. 650 Euro kostet ein doppeltes Urnengrab für 20 Jahre beispielsweise in Bad Dürkheim. Deutlich teuerer sind Erdbestattungen. Ein standesgemäßer Sarg kann ebenfalls Tausende Euro kosten. So können schnell auch Kosten von sechs- bis siebentausend Euro entstehen. Wer schon einmal einen Angehörigen verloren hat, der weiß, dass der Weg auf den Friedhof ohnehin kein leichter sein wird. Auch nicht für Daniel Kraft, der den Leichenwagen nun vorsichtig Richtung Verbrennungsanlage in Ludwigshafen lenkt. Als Beifahrer ist es in dem Moment eine merkwürdige Situation, wenn man weiß, dass man bei der nächsten Fahrt im Leichenwagen wahrscheinlich auch eher liegend unterwegs sein wird. Herta M. hat es nun hinter sich.

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