Bad Dürkheim Ein Mann spielt gegen die Belanglosigkeit

John Blek spielt mit Hingabe – und reißt zwischendurch Witze.
John Blek spielt mit Hingabe – und reißt zwischendurch Witze.

Wer nach dem Abend mit John Blek das Auto für den Heimweg brauchte, tat gut daran, das Radio nicht anzuschalten. Es wäre einfach zu schade gewesen, sich den wohligen Nachhall seiner Songs von den substanzlosen Belanglosigkeiten der aktuellen Popindustrie wegwischen zu lassen. Bei John Blek pulsieren weder Subwoofer noch computergenerierte Beats. Nein, da steht ein junger Mann aus Irland mit seiner Gitarre, spielt seine Songs und erzählt ein paar Geschichten dazu. Wie bei „Killing Time“, zu dem ihn seine Großmutter inspirierte. Sie fiel gelegentlich durch extravagante Aktionen auf und antwortete stets mit ihrem charakteristischen Spruch: „I’m not here for a long time, I’m here for a good time“ – also etwa: Ich will hier nicht eine lange, sondern eine gute Zeit verbringen. Zeit für Anekdoten bleibt immer mal wieder, da Blek zwischen offenen und Standardstimmungen wechselt. „Wenn ich ein Flugzeug nehmen muss, um auf Tour zu gehen, nehme ich nur eine Gitarre mit“, erklärt Blek den wiederholten Griff an die Stimmmechanik. Der Anflug von einem entschuldigen Ton ist dabei nicht nötig, denn die Leute hören ihm gerne zu. Sein Fingerstyle-Spiel wirkt federleicht, viele Singmelodieteile doppelt er auf der Gitarre wie selbstverständlich. Wenn Blek spielt oder spricht, herrscht Stille – abgesehen von einem kurzen digitalen Störfeuer des Soundsystems. „Was ist das? Läuft da ein Kraftwerk-Konzert?“, kommentiert Blek die synthetischen Signale seines Spiels. Aus dem Konzept bringt den 32-jährigen ehemaligen Straßenmusiker das freilich nicht. „ Es ist Montag. Habt ihr keine Jobs oder seid ihr alle verrückt?“, fragt Blek launig in die Runde. Einem seiner neusten Stücke, so erzählt er, lauschten bei seiner ersten Aufführung im heimischen Garten 40 Kühe auf der Nachbarwiese. „Jetzt spiele ich es vor mehr als 40 Menschen. Ich arbeite mich nach oben.“ Ganz oben auf der Wunschliste des Publikums steht Bleks „Little Sparrow“. Das gibt es allerdings erst als letzte Zugabe, denn es braucht seine ganz spezielle Gitarrenstimmung. Und mit dem letzten Akkord im Ohr machen sich nach langen Applaus viele Menschen mit einem Lächeln im Gesicht auf dem Heimweg. Veranstaltet hat das Konzert Heiko Hollenbach von FreinsheimArt.

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