Bad Dürkheim Der Zauber der Melodie

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Die Töne von „Here comes the Sun“ klingen durch die Stadt. Auch wenn diese musikalische Aufforderung keine Wetterbesserung heraufbeschwören kann, so führt Peter Piks Gitarrenspiel doch dazu, dass zahlreiche vorbeilaufende Passanten stehen bleiben. Wer keinen eigenen Schirm dabei hat, sucht sich ein trockenes Plätzchen unter den Schirmen der umliegenden Restaurants und Cafés. Auch der Australier hat seinen eigenen Regenschutz dabei. Unter einem grünen, großen Schirm hat Pik am Brunnen Position bezogen. Seine Finger fliegen über die Saiten und er widmet sich ganz der Musik. „Beim Spielen bin ich wie ein Werkzeug, betrete eine völlig andere Raum- und Zeit-Dimension“, erklärt der 56-Jährige, während er mit einem Tuch vorsichtig sein Instrument von den Regentropfen befreit. Es handelt sich dabei um eine elektrische Gitarre, die allerdings wie eine akustische klingt und noch einen weiteren Vorteil hat: „Man kann den Gitarrenhals umklappen und damit eignet sie sich perfekt als Reisegitarre“, berichtet Pik, der gemeinsam mit Ernst Landsteiner seit Anfang Juni quer durch Europa tourt. Der Österreicher hat den Musiker vor zwölf Jahren in Sydney gehört und ihm sofort seine Unterstützung bei Touren durch Europa angeboten. Im vergangenen Jahr waren die beiden erstmalig gemeinsam unterwegs. Seit Juni diesen Jahres haben sie mehr als 8000 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt – waren unter anderem in Italien, Tschechien, Lettland und der Slowakei. „Das ganze Equipment kann man im Auto besser verstauen, und da geht auch nichts kaputt. Mit dem Flugzeug ist das problematischer, da ist schon so manches beschädigt worden“, sagt Pik. Nur für die Reise ins schottische Edinburgh, wo der Australier bei einem Festival spielte, haben sie das Flugzeug als Transportmittel gewählt. „Hier ist das Wetter fast so wie in Schottland“, kommentiert Pik mit einem Lachen den regnerischen Empfang in der Kurstadt. Doch die nasskalte Witterung konnte seinen ersten Eindruck nicht trüben. „Es ist eine sehr schöne Stadt mit Charakter. Bei Sonnenschein ist es bestimmt noch malerischer“, findet der Musiker. Auch eine Gitarre habe einen ganz eigenen Charakter. „Es hat mich fasziniert, was sechs Saiten auf einem Stück Holz alles bewirken können. Ich mag einfach den Sound“, versucht Pik eine Erklärung für seine Instrumentenwahl zu formulieren. Als Elfjähriger habe er mit dem Gitarrenspiel angefangen. Unterricht hatte er nie, sondern sich alles selbst beigebracht. „Mit Büchern und übers Gehör. Ich habe der Musik gelauscht und sie nachgespielt“, sagt er. Damals habe er nicht wirklich daran gedacht, aus diesem Hobby einen Beruf zu machen. Selbst als er die ersten Auftritte auf Hochzeiten, Festen und in Kneipen hatte und sein Wissen als Gitarrenlehrer an andere weitergab, sei er nie auf die Idee gekommen, dass er mit der Musik später mal seinen Lebensunterhalt verdienen würde. „Das war wie eine Reise und hat sich irgendwie so ergeben“, berichtet Pik, dessen Repertoire sowohl Klassiker als auch moderne Titel enthält. Bei seinen Instrumentalversionen, die er selbst arrangiert, nutzt er die Technik des Fingerpickings. Dabei werden die Saiten mit den Fingern gezupft. „Wie ein Pianospieler vereint man dabei Bass und Melodie“, erklärt Pik und stimmt die bekannten Töne der James-Bond-Filme an. „Da hat man fast ein ganzes Orchester dabei, das ist toll“, schwärmt er. Nicht nur der Australier ist davon begeistert, auch den Menschen scheinen diese Klänge zu gefallen. „Es ist schön zu sehen, was die Musik mit den Menschen macht, welche Reaktionen sie bei ihnen auslöst. Lachen, weinen, tanzen – da ist alles dabei“, sagt der Straßenmusiker, der es immer noch als Herausforderung ansieht, die Leute nur mit seinem Spiel, ohne Gesang, zu erreichen. „Die Gitarre singt quasi zu ihnen“, meint Pik. Bei Mechthilde Gairing hat sie es erfolgreich getan. Die Töne zur Ballade „A whiter Shade of Pale“ haben sie im Juni in Prag regelrecht angelockt. Im Gespräch hat sie dem Australier vom Wurstmarkt vorgeschwärmt – „und nun ist er hier“, sagt die Dürkheimerin lachend. Gemeinsam mit seinem „Manager“ Landsteiner hat er im Hause Gairing-Westholt Quartier bezogen, um bis Montag an verschiedenen Plätzen der Dürkheimer Innenstadt sein Instrumentalspiel erklingen zu lassen. „Ich bin gespannt, was hier so passiert“, sagt Pik und äußert schmunzelnd noch einen Wunsch: „Die Sonne darf sich gerne zeigen.“

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