Bad Dürkheim Der große Wunsch: ein schöner Landregen
Lange Zeit haben sich die Winzer über nahezu optimale Bedingungen für ihre Reben und damit den Jahrgang 2018 gefreut. Doch die große Hitze hat Spuren im Weinberg hinterlassen. Die Auswirkungen der Trockenheit versuchen viele Winzer durch Bewässerung vor allem der jungen Anlagen zu lindern.
„Wir können gar nicht so viel bewässern, wie wir eigentlich müssten“, sagt der Wachenheimer Winzer Markus Manz. Sein Tankanhänger mit 15.000 Litern Fassungsvermögen ist im Dauereinsatz. „Ich könnte fünf davon gebrauchen“, berichtet der Winzer. Bis Mitte Juli seien die Voraussetzungen für den 2018er-Jahrgang wirklich gut gewesen, es habe immer wieder Niederschlag gegeben. „Doch die letzten drei bis vier Wochen ist es eigentlich mit jedem Tag katastrophaler geworden“, klagt Manz. Die Folgen der Trockenheit: Das Wachstum der Reben ist zum Erliegen gekommen, an manchen Stöcken werden die Beeren wegen des Flüssigkeitsmangels schrumpelig. „Das ist mit Sicherheit kein optimaler Reifeverlauf mehr.“ Auch Jochen Schmitt, Vorsitzender des Dürkheimer Weinbauvereins, kommt in seinem Betrieb nicht ganz ohne Bewässerung aus. „Obwohl wir das eigentlich nicht so gerne machen“, wie er einräumt. In den Genuss des kühlen Nass kommen vor allem jüngere Rebanlagen in der Lage Kalkofen bei Leistadt. „Die älteren Reben haben tiefe Wurzeln“, erklärt er. Bei der Frage, ob eine Bewässerung notwendig ist, spielt auch die Beschaffenheit des Bodens eine wichtige Rolle. Während etwa die kräftigen Löss-Lehm-Böden das Wasser gut speichern, ist das bei mageren Böden nicht der Fall – wie etwa im Leistadter Kalkofen, dessen Untergrund von Kalk geprägt ist. Der kurze Regen in der Region am Donnerstag habe die Lage nicht entspannt, sagt Schmitt: „Das war der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.“ Die Rebsorten kommen indes unterschiedlich gut mit dem heißen Wetter zurecht. Während Riesling, Müller-Thurgau oder Dornfelder Symptome von Trockenschäden zeigen, hätten die „Südländer“ wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Lagrein weniger Probleme, berichtet Schmitt. „Der Cabernet Sauvignon kostet die Hitze richtig aus.“ Der Dürkheimer Winzer hofft ohnehin auf ein „bombastisches Rotweinjahr“. Entscheiden werden darüber die nächsten beiden Wochen, in denen die sogenannten wertgebenden Inhaltsstoffe in den Beeren gebildet werden, sagt Schmitt. „Die Voraussetzungen für den Jahrgang sind nach wie vor hervorragend. Das einzige, was fehlt, ist das Wasser“, ist auch Jan Eymael vom Weingut Pfeffingen weiterhin optimistisch, der kurz vor dem Telefonat mit der RHEINPFALZ die Reife der Beeren gemessen hatte. „Ich habe den Eindruck, dass die Burgundersorten hervorragend mit der Hitze zurechtkommen“, erklärt er. Allerdings hat auch Eymael festgestellt, dass vereinzelt Trauben schrumpelig geworden sind, weil ihnen die Flüssigkeit fehlt. Falle aber endlich wieder Niederschlag, könne sich das auch schnell wieder ändern. Das Weingut Pfeffingen bereitet sich auf den Lesebeginn am 27. August vor – den frühesten Start in den Herbst in seiner langen Geschichte. „Ohne Bewässerung hätten wir in diesem Jahr große Probleme“, sagt auch Thorsten Langenwalter. Der Winzer aus Weisenheim am Sand wässert ebenfalls seine jungen Reben. „Durch die Trockenheit werden die Beeren dieses Jahr wohl nicht so groß, weil der Saft fehlt“, berichtet er. Langenwalter kann Hitze und Trockenheit etwas Gutes abgewinnen: Bei dieser Witterung bereitet die Kirschessigfliege keine Probleme. Auch Schäden durch Sonnenbrand hat er an seinen Beeren nicht festgestellt. Wie Jochen Schmitt erwartet er ein sehr gutes Jahr für Rotwein. „Im Weißweinbereich wird es darum gehen, den Alkoholgehalt in den Griff zu bekommen.“ Am 20. August will Langenwalter mit der Lese beginnen, vor allem für Sektgrundweine. Auch wenn die Vorfreude auf den neuen Jahrgang nach wie vor groß ist: „Wir bräuchten am besten einen Tag lang einen schönen Landregen. Platzregen wäre dagegen fatal“, spricht Markus Manz wohl allen Winzern aus der Seele.