Bad Dürkheim Das Leben und seine Baustellen

Den Baustellen des Lebens widmete Franz Kain sein Programm, das er auf Einladung des Lions-Clubs im Von-Busch-Hof in Freinsheim spielte. Unter den Titel „Alderle, Alderle!“ packte er Unglaubliches, Unmögliches, aber nicht Unveränderliches aus seiner Werkskiste. Die Tatortmelodie erklang zu Beginn, führte direkt hin zum Schauplatz des Vergnügens.
„Einen Spiegel vorhalten“ will uns Kain, zwischen Absperrband und Bauhütchen aufzeigen, was so alles abläuft in seinem Radius Kurpfälzer Prägung. An den Tasten befeuerte Ecki Stadler mit gelbem Helm auf dem Kopf den rappenden und rockenden Comedian Kain. Mitklatschen war angesagt, die Stimmung im Saal war prächtig. Bei Kains „Spiegeleien“, kommt der alltägliche Wahnsinn humorvoll, auch gallig verpackt daher. Sein Zollstock weist ungerührt dorthin, wo sich Absurdes abspielt, Skurriles und eben allzu Menschliches. „De Fresskorb mit em Fläschworschdring“ zum 50. Geburtstag, drinnen „goldische“ Zahlen, darum herum der Lorbeerkranz, das sind so Momente, wo sich die Gäste vor Lachen biegen. Das verkorkste Bad inmitten „babbelonischen“ Sprachwirrwarrs der Handwerker war schon zwerchfellmäßig überstanden, als Kain unbeirrt weitereilte im Wortspiel-und Fabulierspaß. Da ging es um die „Hildi“, die unverzichtbar ist, den gepiercten Azubi Jean-Luca-Pascal der umwölkt von Deo-Duft auf dem Gerüst, dem „Laufsteg der Eitelkeiten“, als Vertreter der „Generation Vollkasko“ daher spaziert, die Gelfrisur gegen Wind und Wetter behauptend. Kain steigerte sich häufig in Rage, er ist aber keineswegs nur Hindeuter, er geht gern den Dingen auf den Grund. Wie soll jemand Deutsch sprechen lernen mit Urlaubsvokabeln wie „du kapito“? Peter Lustig in seinem Bauwagen ist weit, Bildung eine ewige Baustelle. Dazwischen zelebrierte Kain lustvoll die heimische „Sprooch“. Ein Glanzlicht seiner Baustellen-Etappen ist sicherlich die Umdichtung des „Erlkönigs“. „Wer baggert so spät bei Nacht und Wind“, wo sich lärmende Quälgeister wie Laubsauger und -bläser in die Ohren fressen. Sein Protestsong „Lass mich mit dem Lärm in Ruh!“, spricht aus der Seele. Ein weiterer (Bau-)Stein des Anstoßes liegt auf der Hand. Wortreich in Rage bringen ihn die Autobahnbaustellen, der Dampf im Kessel steigt. „Alderle, Alderle“, ist immer wieder zu hören. Kain ist auch ein Meister der atmosphärischen Gestaltung, er lässt gezielt leise Töne einfließen, spielt mit Farben im Raum, blau oder rosé. Keine Baustelle wird ausgelassen oder übersehen. Der Beobachter Kain schlüpft selbst zu gerne in effektvolle Rollen, scheut nicht den Live-Kampf gegen ein Spannbetttuch. Rechtschreibung und Erziehung gehörten ebenfalls zu den Baustellen. Mit begeistertem Applaus wurden beide Künstler verabschiedet.