Bad Dürkheim Das Leben mit dem Sterben

Das Sterben eines nahestehenden Menschen gehört zu den wohl schmerzlichsten Erfahrungen in unserem Leben. Bisweilen vielleicht schlimmer noch als die Angst vor dem eigenen Tod. Vielen Menschen nahe gegangen ist in den vergangenen Wochen der angekündigte Tod der 29-jährigen Amerikanerin Brittany Maynard, die sich den Zeitpunkt ihres Ablebens am 1. November selbst ausgesucht und ihr Sterben öffentlich gemacht hat. Nicht nur hierzulande hat sie damit eine latente Debatte wieder befeuert. Wie schon so oft im November, wenn Feiertage wie Allerheiligen und religiöse Riten wie der Totensonntag zwangsläufig den Blick auf das Ende des Lebens lenken, stellt sich die Frage: Wie frei sind wir in der Wahl unserer letzten Stunde? Michael Zeller in Wachenheim ist 63 Jahre alt und sich seiner Lage sehr bewusst. Dass er nicht mehr sehr lange Zeit hat, weiß er, seit die Ärzte einen Tumor in seinem Bauch nachgewiesen haben. Das war im Oktober 2013 – rund acht Wochen, nachdem seine geliebte Ehefrau ihn infolge einer Krebserkrankung hatte verlassen müssen. Darunter leidet Zeller bis zum heutigen Tag fast mehr als unter seinem eigenen Schicksal. „Ich bin bereit zu gehen. Dann werde ich meine Frau wiedersehen“, sagt er emotional bewegt. Dass ihm dabei die Tränen fließen, ist ihm gar nicht so recht. „Das kommt auch durch die Medikamente.“ Michael Zeller heißt eigentlich Alexander Zeller, lebte lange in Bad Dürkheim. Zuvor 20 Jahre lang jedoch als Bruder Michael in einem Kloster. Als er austrat, weil er mit dem Leben dort nicht mehr vollends einverstanden war, nahm er nur seinen Namen mit. „Ich hätte nichts gegen ein medizinisches Wunder“, sagt er mit Blick auf seine gesundheitliche Lage. Er ist ein lebenslustiger Mensch, den DIE RHEINPFALZ in den kommenden Wochen und Monaten begleiten darf. Teil der Serie wird aber nicht nur sein Weg sein, sondern auch ganz konkrete Fragen, die sich mit den letzten Dingen beschäftigen. Rechtliche Fragen, die das Thema Sterbehilfe berühren, und Fragen, die mit Geld zu tun haben. Immer öfter kommt es heute vor, dass Menschen sterben, die keine Angehörigen und auch sonst niemanden haben, der sich um sie kümmert. Wer zahlt dann die Bestattung, wenn diese Einsamen auch noch mittellos gestorben sind? „Ich habe keine Angst vor dem Tod. Aber ich habe Angst vor dem Sterben“, sagt Michael Zeller. Auf der Palliativstation des Evangelischen Krankhauses in Bad Dürkheim und bei deren Chefarzt Dr. Andreas Brückner fühlt er sich regelmäßig gut aufgehoben. „Was nützt uns ein gutes Hospiz, wenn wir nicht eine sehr gute Palliativstation haben?“, fragt er. Der beste Gesprächspartner in dieser Hinsicht sei der Palliativmediziner selbst. Wir werden ihn im Laufe der Serie auch fragen, was er von der öffentlichen Selbsttötung von Britanny Maynard hält. Genauso wird es um die Sicht von Geistlichen auf die letzte Zeit des Lebens gehen. Nicht nur der Katholizismus vertritt die Ansicht, dass das Leben ein Geschenk Gottes sei, das es jederzeit zu schützen und zu erhalten gelte. Michael Zeller, nach seiner Zeit im Kloster zum Protestantismus konvertiert und weiter in der Kirche aktiv, ist der Ansicht, dass man Geschenke auch zurückgeben dürfe. Philosophisch wird nicht jeder Teil der Serie sein. Es wird auch um den profanen Wandel in der Bestattungskultur gehen. Dazu begleiten wir das Dürkheimer Beerdigungsunternehmen Kraft bei seiner täglichen Arbeit. Der Trend zur Urne ist dabei unübersehbar. Auf der Homepage des Bestatters ist sogar von der Möglichkeit einer Weltraumbestattung die Rede. Darauf angesprochen, sagt die Geschäftsführerin, dass es diesbezüglich noch keine Anfrage gegeben habe. Ein weiterer Aspekt dieser Serie, die immer wieder auf Michael Zeller zurückkommen wird, heißt schließlich „Testament“. Der Dürkheimer Rechtsanwalt Horst Seitz hat sich bereiterklärt, dafür zur Verfügung zu stehen. Am Ende der Serie „Das Leben mit dem Sterben“ stellen wir den Stand der Planungen für das Dürkheimer Hospiz, das nach dem festen Willen aller Beteiligten ab 2016 gebaut werden soll. Über die Spendenaktion berichtet DIE RHEINPFALZ bereits regelmäßig. 600.000 Euro will der Förderverein Omega bis dahin gesammelt haben. Träger des Hospizes soll der Landesverein für Innere Mission sein. Dessen Vorstandssprecher, Rainer Wettreck sagte bei der Vorstellung des Vorhabens im Juni: „Die Menschlichkeit einer Gesellschaft zeigt sich besonders im Umgang mit ihren Sterbenden.“