Bad Dürkheim Dank Google zu Florett und Degen
Zwölf Jahre sind ein relativ spätes Alter, um mit einer Sportart zu beginnen. Gerade für eine technisch so anspruchsvolle Disziplin wie Fechten. Das hat Richard Laue jedoch nicht daran gehindert, innerhalb von sechs Jahren eine rasante Entwicklung hinzulegen. „Je nachdem, wie motiviert man ist, ist es eigentlich egal, mit welchem Alter man angefangen hat“, sagt der heute 18-Jährige. Laue kommt aus Grünstadt, fechtet von Beginn seiner Laufbahn an beim Dürkheimer HC. Zuvor hatte er schon einige Sportarten durchprobiert: Tennis, Handball, Basketball. Aber nichts habe ihm so wirklich Spaß gemacht. Sport machen wollte er dennoch. „Dann habe ich einfach mal gegoogelt, was es in der Nähe noch so gibt und bin dabei zufällig über den DHC gestolpert“, erinnert sich Laue. Er ging zum Probetraining, hatte Spaß und blieb deswegen beim Fechten. Lieblingsfach: Physik Einen Wechsel vom DHC weg hat er nie in Betracht gezogen. Bald wird aber wohl kein Weg dran vorbeiführen. Für den 18-Jährigen steht im nächsten Jahr das Abitur an, anschließend soll es zum Studium nach Berlin oder Kaiserslautern gehen. Dort muss er sich wohl oder übel einen neuen Verein suchen. Aktiv bleiben will Laue aber unbedingt. Studieren möchte er „auf jeden Fall etwas Richtung Physik“, kann sich Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik oder Kybernetik vorstellen. Gut vor Augen hat Laue noch seinen Wechsel vom Florett auf den Degen. Es sei üblich, als Neuling mit dem Florett zu beginnen, weil dort die Trefferfläche viel kleiner ist. „Dann hat mein Trainer gesagt, dass ich jetzt soweit bin und auch mal die andere Waffe ausprobieren darf. Da war ich direkt happy“, erzählt Laue. Zunächst sei er der Schlechteste gewesen, aber nach und nach habe sich das gegeben – auch dank der Übungseinheiten mit seinen Trainern Michael Burkardt und André Schmidt, die beim DHC die Sportler coachen. Heute steht Laue auf Platz eins der Junioren-Rangliste (Alter von 17 bis 20 Jahren) des Südwestdeutschen Fechtverbands. Bei den Aktiven ist er Ranglistenzweiter. Eigentlich wäre er dadurch auch für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. Dieses Jahr ist er zu diesem Zeitpunkt aber im Urlaub. Keine Feindschaften Neben Freunde treffen hat Laue kaum Zeit für andere Hobbys – seine Leidenschaft bleibt einfach der Sport. Zweimal die Woche trainiert er direkt beim Verein, sonntags in Heidelberg, seit neuestem freitags in Dirmstein. Alle zwei Wochen gibt es Fechtertreffen in Darmstadt, wo jeder gegen jeden antreten kann und immer viele Fechter aus der Region zusammenkommen. Auch das ist etwas, dass Laue an seinem Sport so gefällt: „Es gibt keine Feindschaften. Wir sind eine große Gemeinschaft. Jeder kennt auf Turnieren jeden, das ist immer ganz nett.“ Zusätzlich zum Fechten geht Laue gerne laufen, einmal die Woche schwimmen und besucht regelmäßig das Fitnessstudio. Mit Saxophon und Ukulele hat er sich im musikalischen Bereich probiert, dann doch lieber die Konzentration aufs Fechten gelegt. Am Schwierigsten findet Laue beim Fechten nicht etwa Technikdetails oder Konditionstraining, sondern die Überwindung, auf Turniere zu gehen. „Wenn man noch nicht lange dabei ist, läuft es eh nie gut, weil man zu wenig Erfahrung hat“, sagt Laue. „Später darf man bei Niederlagen nicht zu frustriert sein. Während des Gefechts darf man, wenn man zurückliegt, nicht die Nerven verlieren, sich nicht aufgeben.“ Diese mentale Komponente sei mit das Schwierigste beim Fechten, findet Laue. Früher sei das ein Problem gewesen, aber seine Trainer, die auch seine Vorbilder sind, hätten ihm darüber hinweggeholfen. Genau das hilft ihm auch im Alltag. „Beim Fechten lernt man, sich auf eine Sache zu konzentrieren und zu fokussieren, kann sich mentale Stärke und Durchhaltevermögen aneignen“, findet Laue. Eigenschaften, die einem auch beim Lernen viel helfen können. Wie soll es mit der Karriere weitergehen? Sind Olympische Spiele sein Ziel? Der 18-Jährige bleibt bescheiden: „Olympia ist vielleicht ein Traum, aber ich glaube nicht, dass das für mich erreichbar ist. Ich will jetzt ein paar internationale Turniere fechten und schauen, wie das so läuft.“