Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Dürkheimer will der Gema trotzen

Erwin Ester in seinem Studio.
Erwin Ester in seinem Studio.

Ob Wurstmarkt oder kleines Weinfest: Die Gema und ihre Gebühren spielen eine immer größere Rolle. Ein Dürkheimer Musiker will der Gema ein Schnippchen schlagen.

Wenn Erwin Ester über die Gema spricht, wird er sauer. „Die Musik geht den Bach runter“, ärgert sich der Musiker angesichts der Schlagzeilen, die die Gema in den vergangenen Jahren produziert hat. Ein prominentes Beispiel ist der Dürkheimer Wurstmarkt: Wegen gestiegener Gebühren kam es zu Streitigkeiten zwischen der Stadt und der Verwertungsgesellschaft. Für die Besucher war dies unter anderem daran zu erkennen, dass die Mackenbacher als Musikgruppe nicht mehr auftreten.

Ester ärgert sich über die Situation mit der Gema, weil es aus seiner Sicht früher einfacher und unkomplizierter war. 60 Jahre lang war Ester als Musiker in der gesamten Region aktiv. Zwar hat er seinen Beruf als Verwaltungskaufmann bei der BASF nie aufgegeben, doch seine Leidenschaft galt stets der Musik. Mit der Band „Cadillac“ spielte er regelmäßig auf Weinfesten. Als ehemaliges Mitglied der Stadtkapelle und anderer Gruppen hat er auch Erfahrungen auf dem Wurstmarkt gesammelt.

Eine Idee gegen die Gema

„Wir hatten immer schöne Weinfeste und nie Probleme mit der Gema“, erinnert sich Ester. „Das war bezahlbar, es gab keine Schwierigkeiten“, sagt er über die Zeit, bevor nahezu jedes Volksfest und jeder Weihnachtsmarkt im Land mit Gema-Schlagzeilen in Verbindung gebracht wurde.

Nun hat Ester eine Idee, wie man der Gema ein Schnippchen schlagen könnte. Er nennt es ein „Pilotprojekt“. Bei einer Veranstaltung, beispielsweise in einem Weingut in Bad Dürkheim, könnte eine Band auftreten, und: „Die Gema hätte kein Recht, einen Cent zu verlangen“, erklärt Ester. Möglich wäre das durch einen einfachen Trick: Es würde ausschließlich Musik gespielt, deren Komponisten ihre Werke nicht bei der Gema angemeldet haben.

Auch Musik hätte er im Angebot, denn Ester ist seit Jahrzehnten als Komponist tätig. Seine Werke meldet er schon lange nicht mehr bei der Gema an. „Ich freue mich, wenn die Leute meine Musik nutzen“, sagt Ester, beispielsweise für Clips im Internet. „Ich bin 73, und was ich bis jetzt nicht erreicht habe...“, fügt er an. Ihm ist es wichtiger, seine Arbeit zu hinterlassen, als Geld zu verdienen. Für das Projekt könnte er zahlreiche Schlager anbieten – leicht zu spielen, wie er versichert.

Sein Wunsch ist es, dass sich eine Band formiert. Interessierte könnten sich direkt bei ihm melden. Ester geht es vor allem darum, seine Idee zu verbreiten und die Musik lebendig zu halten.

Talentwettbewerbe in den 1980er-Jahren

Selbst möchte Ester nicht mehr aktiv mitmachen. Seine Zeit als Musiker liegt hinter ihm. Angefangen hat der Hardenburger in der Dürkheimer Blaskapelle, als er gerade einmal 13 Jahre alt war. Kapellen und Bands gehörten für den Schlagzeuger, der auch Gitarre und Klavier spielen kann, immer dazu.

Besonders gerne erinnert er sich an die 1980er-Jahre, als er Sänger und Sängerinnen für ein Schallplattenprojekt suchte. Mit Freude denkt er an die Talentwettbewerbe zurück, bei denen sie durch Diskotheken tourten. „Wie der Bohlen“, sagt er lachend. Gemeinsam mit Claus Friedrich Heinrich und Arno Fischer organisierte er Talentshows in Locations wie dem Dürkheimer „Holzwurm“.

Erst Corona, dann die Gema

Jahrzehntelang war Ester in Tanzkapellen aktiv. Anfang der 1990er-Jahre wurde er Mitglied der Band „Cadillac“, bei der er bis zur Jahrtausendwende blieb. Nach einer Pause fanden sich einige der Musiker wieder zusammen. „Es lief wunderbar“, erinnert sich Ester. Sie traten in zahlreichen Weingütern auf.

Auch bei der Verleihung des „Goldenen Winzers“, dem Karnevalsorden der Stadt, waren sie regelmäßig vertreten. Ester denkt an Auftritte vor der Ministerpräsidentin Malu Dreyer, vor Eckart von Hirschhausen, „Tatort“-Kommissar Dietmar Bär und an einen spontanen gemeinsamen Auftritt der Band mit Starkoch und Sänger Nelson Müller.

Dann kam Corona, die Zwangspause – und schließlich das Ende der Band. Die Pandemie habe viele Bandgeschichten beendet, beobachtet Ester. Doch die neuen Entwicklungen seien noch schlimmer. Oder wie er es ausdrückt: „Corona war schon kacke, jetzt kommt die Gema.“ Wenn es so weitergehe, gäbe es vielleicht irgendwann keine Live-Musik mehr.

Künstliche Intelligenz und Musik

Eine weitere Entwicklung beeinflusst den Musikmarkt: Künstler experimentieren zunehmend mit Künstlicher Intelligenz, um bestehende Songs zu reproduzieren oder neue Werke auf Grundlage von Texten zu erstellen. Auch Ester hat das bereits ausprobiert: „Jeder kann einen Text eingeben, angeben, dass er im Country-Stil sein soll, und in 40 Sekunden ist der Titel fix und fertig, sauber eingespielt. Studios mit Bandmaschinen und aufwendige Produktionen braucht man dafür nicht mehr“, stellt er fest. Diese Entwicklung macht ihn jedoch auch ein wenig wehmütig.

Mit Freude blickt er auf die „superschöne Zeit“ mit seiner Tanzkapelle „Cadillac“ zurück. „Das Glück auf der Tanzfläche zu sehen“, sagt er und zeigt ein Video auf seinem Handy, das ihm viel bedeutet. Es zeigt ein Paar, das fröhlich zur Musik der Band tanzt. „Das ist echtes Leben.“ In seiner Vorstellung soll es solche Momente bald wieder häufiger geben – Gema-frei.

Kontakt

erwin.ester@t-online.de

x